Wegberg-Wildenrath - Die Krippe zum Abschied ist eine besondere

Die Krippe zum Abschied ist eine besondere

Von: Monika Baltes
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Die besondere Bergkrippe ermöglicht auch Pfarrer Klaus Buyel vom Altar aus einen freien Blick auf die Weihnachtsgeschichte. Foto: Baltes

Wegberg-Wildenrath. Vor wenigen Tagen ist Max Weinand 80 Jahre alt geworden – und er versetzt immer noch Berge. Seinen letzten hat er in die Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Wildenrath versetzt.

In diesem Jahr hat er sich noch einmal entschlossen, die Krippenbauer zu unterstützen. „Eigentlich hatte ich das Thema ja abgehakt, aber es ist doch die letzte Krippe für Pfarrer Buyel.“ Und während in vielen Jahren zuvor die Wildenrather Krippenbauer die Ideen zusammengetragen und einen gemeinsamen Vorschlag verwirklicht haben, ist Weinand in diesem Jahr alleiniger Ideengeber – als Reminiszenz an den „alten Mann des Wildenrather Krippenbaus“.

Für Weinand war sofort klar: „Es muss eine Bergkrippe sein! Die Krippe ganz groß vorne – bildbestimmend. Und Lichter in den Berg! Und Wasser brauchen wir natürlich“, erklärt er, während sein Berg (aus so profanen Materialien wie Holzlatten, engem Maschendraht und Unmengen Moos) Zentimeter für Zentimeter wächst.

Lachend und mit kleinen Neckereien umkreisen ihn die anderen Krippenbauer. Hier arbeitet ein eingespieltes Team, allesamt Herrscher über Hammer, Säge und Pinsel. Willi Beenen, Hans-Willi Engelhardt, Josef Gotzen, Heinz-Theo van Kan, Wolfgang Otten, Josef Schlicher und Siegfried Schrowangen schlagen keine Nägel schief ein, erkennen Holzschrauben auf den ersten Blick und erweisen sich als natürliche Feinde des Begriffes „unmöglich“.

Inzwischen ist das Team über die Dorfgrenzen von Wildenrath hinaus bekannt. Jedes Jahr erschaffen sie eine völlig neue Krippe und blicken auf erfolgreiche Krippen-Projekte zurück: unterm Regenbogen, in einer Höhle zu Bethlehem, vor den Toren Jerusalems, am See Genezareth, in einer Heidelandschaft, eine begehbare Krippe; sogar Haus Wildenrath war einmal Kulisse für die Geburt Christi.

In diesem Jahr kann die Heilige Familie in ein solides Holzhaus einziehen, das mit viel Liebe zum Detail in mehr als 200 Arbeitsstunden hergerichtet wurde. Massive Balken eines ehemaligen Dachstuhls aus Kreuzrath, ein sorgsam ausgeklügeltes Beleuchtungskonzept, das einerseits eine besinnliche Stimmung zaubert und andererseits das Christkind nicht blendet, sogar ein Lastenaufzug kann jederzeit seinen Dienst aufnehmen, um schwere Säcke mühelos in die obere Tenne zu bringen.

Als besondere Überraschung für Pfarrer Klaus Buyel bleibt in diesem Jahr die dem Altar zugewandte Seite der Krippe unverkleidet. Buyel hatte mehrfach bedauert, dass er als Pastor den schlechtesten Blick auf die Krippe habe.

An seinem letzten Weihnachtsfest als Pfarrer von Wildenrath erfüllen ihm die Krippenbauer den Wunsch nach freiem Blick auf die Weihnachtsgeschichte.

Die Krippenfiguren wurden 1979 angeschafft und haben schon damals „ein Vermögen gekostet“, wie Weinand erklärt. Die 80 Zentimeter großen Ankleidefiguren kommen aus der Werkstatt von Hans und Regine Klucker in Oberammergau. Talentierte Schnitzer und Holzbildhauer gibt es viele in Oberammergau, aber nur Hans Klucker wurde mit einem Staatspreis der bayerischen Regierung für herausragende handwerkliche Leistung ausgezeichnet.

2010 kamen der Flötenjunge und der Hirtenhund Bello hinzu, ebenfalls aus Oberammergau, aber diesmal aus den Händen von Michael und Juliane Pfaffenzeller, Schwiegersohn und Tochter des inzwischen verstorbenen Meisters Klucker.

In Wildenrath ist die Krippe ein gut gehütetes Geheimnis, das erst zur Christmette gelüftet wird. In diesem Jahr werden die Wildenrather ihre Krippe schon beim Zeitung lesen kennenlernen, aber die Krippenbauer haben sich natürlich eine Überraschung vorbehalten. „Eine Schneekanone ist es nicht – aber sie war in der engeren Wahl“, so Beenen.

Van Kan zitiert lächelnd einen Satz aus dem Weihnachtsevangelium: „Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude...“.

Weinand beendet die Spekulationen: „Mehr wird nicht verraten.“ Jetzt werden sich die Wildenrather wohl gedulden müssen, bis sich die Heilige Nacht über die Pfarrkirche senkt.

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