Die Geschichte jüdischer Ärtze im Dritten Reich

Von: anna
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In der Reihe „Erinnern im November“ war der Dürener Kinderarzt Dr. Lorenz Johannsen mit seinem neuen Buch in der Heinsberger Christuskirche zu Gast. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Großbritannien und die USA fallen einem meist als erste Länder ein, in die Juden aus Deutschland während der Zeit des Nationalsozialismus emigriert sind. Ungewöhnlich ist da die Geschichte der in die Türkei emigrierten Erna Eckstein-Schlossmann.

Dr. Lorenz Peer Johannsen, Kinderarzt aus Düren, hat sie recherchiert und unter dem Titel „Eigentlich bin ich nirgendwo zu Hause“ in der Reihe „Jüdische Memoiren“ des Verlags Hentrich & Hentrich herausgegeben. In der Heinsberger Christuskirche hat er sein Werk jetzt vorgestellt. Zu seiner Lesung begrüßte ihn Gisela Johlke als Mitglied der Kirchengemeinde. Seit 40 Jahren kenne sie Johannsen bereits, erklärte sie. Mit „einer Selbstverständlichkeit ohne Attitüde“ habe er auch die Kinder mit Behinderungen in dem von ihr geleiteten Kindergarten betreut.

Er sei als Mitglied der internationalen Organisation von Ärzten gegen den Atomkrieg seit 1985 sogar ein Träger des Friedensnobelpreises, schmunzelte sie und lobte schließlich sein Engagement in der Erforschung der Schicksale jüdischer Kinderärzte, nach dem von Karl Leven jetzt dem von Erna Eckstein-Schlossmann (1895 bis 1998). Gefragt nach der Motivation für diese historische Forschungsarbeiten erklärte Johannsen: „Sie werden erfahren, wer ich bin und wes Geistes Kind ich nicht geblieben bin.“

933 sei er geboren, so der Autor weiter. Immer habe ein Bild Hitlers über seinem Bett gehangen. Etwa 1500 Kinderärzte habe es zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland gegeben, mehr als die Hälfte davon mit jüdischer Abstammung, kehrte Johannsen zu seinem Buch zurück. Für dessen Entstehung sei es ein großes Glück gewesen, dass Erna Eckstein-Schlossmann „so schreibfreudig“ gewesen sei. So habe sie zum Beispiel anlässlich ihres 75. Geburtstages für ihre drei Söhne ihre Türkeierinnerungen verfasst und darin ihre „erzwungenen Exiljahre“ als die schönste Zeit ihres Lebens geschildert. Und dennoch sei sie dort fremd geblieben, habe sie geschrieben.

Aufgewachsen in einer prominenten Kinderärztefamilie in Deutschland und christlich getauft, erfuhr Erna Eckstein-Schlossmann erst im Alter von 17 Jahren von ihrer jüdischen Herkunft. Von 1935 bis 1950 lebte sie mit ihrer Familie im türkischen Exil. In der Türkei habe sie zusammen mit ihrem Mann dafür gesorgt, dass die Säuglingssterblichkeit in diesem Land erheblich zurückgegangen sei, berichtete Johannsen seinen Zuhörern. Sie schrieb von der Kolonie A, den Reichsdeutschen in der Türkei, und von der Kolonie B, den Emigranten.

Auch die Kinder von Mitarbeitern der deutschen Botschaft in Ankara habe sie während ihrer Zeit in der Türkei behandelt, sogar die Enkelkinder Franz von Papens während seiner Besuche dort. Mit ihrem Mann zusammen habe sie auch den äußersten Osten der Türkei besucht, wo noch nie ein Arzt gewesen sei. Trotz der Emigration und trotz des frühen Todes ihres Mannes 1950 sei Erna Eckstein-Schlossmann als „Wanderer zwischen den Welten sich selbst immer treu geblieben.“ Im Alter von 102 Jahren sei sie gestorben.

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