„Die Frau in Schwarz“: Verwirrspiel zwischen Realität und Fiktion

Von: hl
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Erkelenz. Wer nicht an Gespenster glaubt, sollte sich „Die Frau in Schwarz“ ansehen, das die Kultur GmbH jetzt in der Stadthalle präsentierte.

Unter der Regie von Ellen Schwiers gab es zwei Stunden lang das zwischen Komödie und Schauergeschichte angesiedelte Stück von Stephen Mallatratt nach einem Roman von Susan Hill, das über eine normale Aufführung hinaus eine Reihe von Besonderheiten aufweist.

Die manchmal etwas komplizierte Story mit ihren oft unverhofften Wendungen und Zusammenhängen ist schnell erzählt: Der Anwalt Kipps (Holger Schwiers) heuert einen Schauspieler (Timothy Peach) an, damit er ihm hilft, eine Rückschau in seine Vergangenheit in der rechten und angemessenen Weise seinen Freunden und Verwandten vorzutragen.

Und nun beginnt ein Verwirrspiel zwischen Realität und Fiktion, zwischen dem, was wirklich war und dem, was seine eigene Gewissheit und Wahrnehmung im Unterbewussten hat.

Ganz besondere Effekte bereitete den Zuschauern die Technik: Alles, was sich auf der Bühne abspielte, wurde durch passende Geräusche begleitet – sogar das Quietschen des Glases, während es jemand säuberte. Vor allem, wenn es gruselig wurde, packten die Leute am Mischpult in die Trickkiste. Und das hätte sogar gewirkt und die Zuhörer in die entsprechende Stimmung versetzt, wenn sonst inhaltlich nichts passiert wäre.

So konnte man durchaus glauben, dass der Friedhof mit einem Eulengeschrei wirklich auf der Bühne war und Grusel pur ausstrahlte. Selten hat man in Erkelenz eine solche Sprechkultur gehört wie bei diesem Stück: Vom ersten bis zum letzten Ton war alles, was die Schauspieler sagten, exzellent zu verstehen. Die beiden Hauptdarsteller waren darüber hinaus nicht lediglich Mister Kipps oder der Schauspieler oder jemand aus der Vergangenheit, sie erfüllten diese Personen auch mit überzeugendem Leben.

Fantasie war ein Leitwort in diesem Stück, und zwar die Fantasie der Zuschauer, die durchgehend gefragt war. Es wurde nicht mehr oder weniger platt etwas vorgeführt, vielmehr waren das eigene Vorstellungsvermögen und eine subtile Einfühlungsgabe gefragt. So konnte man sich als Fahrgast in der Kutsche fühlen, die aus zwei Kisten bestand und deren Geschaukel sich auf die Bewegungen des Kutschers und seiner Peitsche übertrug.

Bezeichnend war auch, dass das Stück zwar „Die Frau in Schwarz hieß“, dieses geheimnisvolle und – wie sich am Ende herausstellte – rachsüchtige und mörderische Gespenst allerdings nur für kurze Augenblicke und recht selten zu sehen war. Zum ersten Mal erschien die Gestalt im Stück, als bereits eine dreiviertel Stunde verstrichen war.

Beifall hört nicht auf

Bei all den positiven Eindrücken war es dann letztlich auch nicht verwunderlich, dass es reichlich Beifall für die Protagonisten gab und der Applaus am Ende des Stücks fast gar nicht aufhören wollte.

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