Heinsberg - „Die Falle“: Melanie Raabe präsentiert ihr Thriller-Debut

„Die Falle“: Melanie Raabe präsentiert ihr Thriller-Debut

Von: Johannes Bindels
Letzte Aktualisierung:
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Melanie Raabe gibt Einblicke in ihr Werk und zur eigenen Person bei der Lesung zu ihrem preisgekrönten Erstlings-Thriller „Die Falle“ in der Buchhandlung Gollenstede. Foto: Johannes Bindels

Heinsberg. Schon nach wenigen Sätzen war es totenstill. Man hätte eine Nadel fallen hören können. Melanie Raabe hatte bei der Lesung zu ihrem Debüt-Thriller „Die Falle“ in der Buchhandlung Gollenstede ihre Zuhörerschaft voll im Griff. Gebannt lauschte diese der spannungsgeladenen Geschichte aus Mord, Angst und dem Leben der Bestsellerautorin und Romanfigur Linda Conrads.

„Wir hatten bei der Planung zu dieser Lesung schon den richtigen Riecher“, formulierte Marcus Mesche, Inhaber der Buchhandlung, zum Beginn des Abends. Die junge Autorin stehe mit ihrem Werk schon auf der Bestsellerliste und die Verfilmung ihres Buches stehe bevor.

Es sei schon ein verrücktes Jahr 2015 gewesen, bestätigte Melanie Raabe. Der erfolgreiche Debüt-Kriminalroman sei aber nicht wirklich ihr Erstlingswerk gewesen. Zuvor habe sie vier Romane geschrieben, die nicht veröffentlicht wurden, gab sie Einblick in ihren schriftstellerischen Berufsweg.

Den jetzigen Erfolg habe sie aber schon gemeinsam mit Linda Conrads, ihrer Protagonistin und Romanfigur, die als erfolgreiche Autorin seit Jahren das Haus nicht mehr verlassen hat. Panikattacken hindern sie daran. Vor allem aber das Trauma um ihre ermordete Schwester lässt sie in ihrem zurückgezogenen Leben nicht mehr los. Linda glaubt, in einem Fernsehbeitrag den Mann zu erkennen, der vor elf Jahren ihre Schwester ermordet haben soll und den sie kurz nach der Tat selbst hat flüchten sehen. Sie will ihm eine Falle stellen, in der sie der Köder sein soll, um ihn zu überführen.

Geschickt baute Melanie Raabe die Spannung bei der Lesung auf. Hilfreich ist dabei der stilistische Aufbau ihres Thrillers. Kurze Sätze in schneller Folge ziehen den Leser schnell hinein in die Romanhandlung. Handlungen und Personen werden aus der Ich-Perspektive Lindas beschrieben. Man folgt ihren Gedanken.

Gelungen sind die Passagen, in denen das Trauma um die ermordet aufgefundene Schwester Anna und die dadurch ausgelösten panikbesetzten Attacken bei der Erinnerung daran psychologisch korrekt und einfühlsam wiedergegeben werden.

Der Leser kann fast selbst das Gefühl der Panik entwickeln. Nachvollziehbar auch, dass der bekannte Beatles-Song „All you need is Love“ der Auslöser für die Anfälle ist. Vielleicht ist das darin angedeutete Thema schon ein frühzeitiger Hinweis auf die Lösung? In der Lesung wird das Ende natürlich nicht verraten.

Die Autorin Raabe hat die Geschichte um Linda Conrads recht geschickt aufgezogen, indem sie deren einsames Leben und durchaus angeschlagene Psyche aus der Innensicht ausführlich darstellt. So fehlt in den ersten Kapiteln jeglicher Dialog. Ein Beleg auch für das einsam geführte Leben in der Villa am Starnberger See. In der Entwicklung der Geschichte wird es noch oft geheimnisvoll und verwirrend. Wie ein roter Faden zieht sich der Wechsel von Innensicht und Außensicht durch die Handlungen. Die Vielschichtigkeit, die auch darin liegt, dass die Romanfigur ebenso Autorin ist wie Raabe, trägt dazu bei.

Die Tätigkeit des Schreibens, die Beschreibung der Gedankengänge der Romanfigur Linda, all das ist identisch mit der Tätigkeit Melanie Raabes. Wie Spiegelbilder gleichen sie sich.

Über weite Strecken bleibt zudem unklar, was in der Mordnacht wirklich passiert ist: Spielt am Ende die Erinnerung Linda Streiche, war sie vielleicht selbst die Mörderin und hat sie nur ein zufällig im Fernsehen bemerktes Gesicht verinnerlicht? Die Auflösung soll aber auch hier nicht verraten werden. Wer wissen will, ob das hochgelobte Werk hält, was es verspricht, muss das Buch einfach lesen.

Die Autorin selbst strahlte bei der Lesung Charme und Überzeugung aus. Sie für die Lesung gewonnen zu haben, war in der Tat der „richtige Riecher“.

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