Die Eisprinzessin und die Schneekanone

Von: Mirja Ibsen
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Gut gepolstert: Circus Aladin hat den Zuschauern statt eines roten Teppichs viel Streu ausgelegt. Im Zelt warten Clowns, Artisten, Feuerspucker und dressierte Pferde. Sie sind froh, in Heinsberg gastieren zu können.
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Wer bist denn Du? Neugierig beschnuppern sich Kamelhengst Jamal vom Circus Aladin Kamera und Kameraträgerin. Fotos (2): mib Foto: mib
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Blizzard, das Einhorn, ist gar nicht wild und auch kein Wildtier. Er mag es nur nicht, wenn man versucht, auf ihm zu reiten, dafür liebt er den Auftritt in der Manege. „Manchmal müssen wir ihn regelrecht rausschieben“, sagt Sina Timm. Elsa und ein Einhorn namens Blizzard wollen die Zuschauer in der Manege verzaubern. Elsa, die eigentlich Jemie Timm heißt und in Heinsberg geboren wurde, hat natürlich ihren kleinen Freund Olaf dabei. Foto: mib

Heinsberg. „Seit Montag bin ich nicht mehr aus den Gummistiefeln herausgekommen“, sagt Nicci Halfmann. Das Wetter meinte es gar nicht gut mit dem kleinen Familienzirkus Aladin. Als die Artisten Anfang der Woche begannen, auf dem Freigelände am Hallenbad an der Schafhausenerstraße in Heinsberg ihr nagelneues Zelt aufzubauen, regnete es.

Keine Bindfäden, keine Ströme, einfach Wasser, und zwar von oben und wirklich reichlich. Der Boden auf der Freifläche neben der Realschule ist noch am Mittwoch völlig aufgeweicht.

Mehr als sechs Tonnen Rindenmulch und Streu hat Benjamin Kaselowsky bereits auf den Boden aufgebracht, aber er braucht noch mehr. Denn er will, dass seine Tiere trockene Hufe haben, und natürlich sollen auch die Besucher ohne Gummistiefel zu ihren gepolsterten Gartenstühlen im beheizten Zelt laufen können. Dafür sorgt Tiertrainer Kaselowsky selbst, denn hier beim Zirkus muss jeder mit anfassen.

Zirkus seit acht Generationen

Die Zirkusleute kennen das nicht anders. Zirkus liegt in der Familie, seit acht Generationen. Auch Sina Trumpf (32) ist in die Zirkusschule gegangen, so wie heute ihre Tochter Jemie, die vor fast zehn Jahren in Heinsberg zur Welt kam. Am 29. März wird Geburtstag gefeiert.

Die Wohnwagen, zwischen denen auf dem matschigen Boden Bobbycars stehen, haben ein HS-Kennzeichen, denn die Familien sind im Selfkant gemeldet. Ihr Winterquartier haben sie in Aldenhoven. „Wir kommen von hier“, sagt Benjamin Kaselowsky. Deshalb wusste der 34-jährige Juniorchef auch, an wen er sich wenden musste, um so viel Rindenmulch zu organisieren.

Nicht so leicht ist es allerdings für den Familienbetrieb, immer wieder Plätze für ihr Zelt zu finden. Die Stadt Hückelhoven zum Beispiel hat ihnen kurzfristig abgesagt, weil es neue Vorschriften für den gepflasterten Platz gebe. Es dürften keine Steine entfernt werden, das heißt, sie können ihr Zelt nicht mehr verankern. Eigentlich wollten sie dort in der nächsten Woche auftreten. Aber jetzt müssen sie sich schnell etwas anderes suchen. „Vielleicht sind wir dann in Gangelt“, sagt Nicci Halfmann. „Ich telefoniere mal.“ Die 22-Jährige macht nämlich nicht nur eine „Luftnummer“ in der Manege, sondern kann auch organisieren.

Nicht immer ist die Stimme am anderen Ende der Leitung freundlich, wenn die Frau vom Zirkus bei den Ordnungsämtern anruft – und wieder eine Absage kassiert. Gerade jetzt, da viele Kommunen noch Flüchtlinge erwarten, werden freie Plätze nicht vergeben, weil die Städte dort im Notfall Container für die Flüchtlinge aufstellen wollen. Diese Antwort bekommt die Artistin immer öfter. „Dabei brauchen wir gar nicht so viel Platz, und wir würden ja auch Vorstellungen für die Flüchtlinge geben“, sagt sie. Aber das überzeuge selten.

Ohne Tiere?

Trotzdem: „Es muss immer weiter gehen“, sagt Kaselowsky. Die Familien müssen ernährt, die Tiere versorgt, der Strom bezahlt werden. Einen Zirkus ohne Tiere, wie es Tierschützer fordern? Kann er sich nicht vorstellen. Die gehören doch zur Familie. Sie sind ihre Haustiere, nur eben im Zelt. „Ich weiß morgens, wenn ich in das Stallzelt komme, welches Tier keine Lust hat.“ Ein Leckerchen gibt es dann trotzdem. Ob es den Tieren gut geht, davon könnten sich die Besucher selbst überzeugen, sagt er.

Am Donnerstag bei der ersten Familienvorstellung fallen draußen dicke Schneeflocken auf das Streu – und drinnen auch, dann nämlich, als Jemie und ihr Bruder Damian als Elsa und Olaf auftreten. Auf Olaf hat sich die kleine Lena Walter besonders gefreut, denn der hat die Dreijährige im Kindergarten besucht. Das Einhorn und die Pferde findet sie auch toll. So nah kommt sie sonst nur ihrem Plastikpferd, das sie fest in ihrer kleinen Faust hält. Sie und ihre Schwester Hannah (6) mögen den ganzen Zirkus.

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