Die andere Seite der Schützen: Nicht nur Schießen und Feiern im Kopf

Von: Anna Petra Thomas
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Dies ist nur ein Beispiel für das Engagement von Schützen in unserer Region. Ein Wegekreuz in Gangelt-Birgden wird mit viel körperlichem Einsatz auf ein sicheres Fundament gesetzt. Foto: agsb
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Josef Spiertz, Markus Paulsen und Herbert Knur (von links) verkaufen fleißig Lose für die Spendenaktion beim Bundesschützenfest zugunsten sozialer Einrichtungen und Projekte. Foto: anna

Heinsberg. Die Schützenbruderschaften feiern ihre Kirmes oder ihr Schützenfest in großen Umzügen oder mit Bällen. Beim Vogelschuss ermitteln sie einmal im Jahr ihren neuen Schützenkönig, oft auch noch einen oder mehrere Prinzen oder Prinzessinnen, die dann die Bruderschaft für ein Jahr repräsentieren. Alles nur aufs Schießen oder Feiern ausgerichtet, könnte man denken.

Dass die Schützen auch in unserer Region darüber hinaus ein großes soziales Engagement an den Tag legen, bleibt da eher im Verborgenen.

Das will der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BDHS) jetzt ändern, denn er hat in den vergangenen Jahren erstmals Umfragen unter seinen knapp 1300 Mitgliedsbruderschaften gestartet, die in mehr als 100 Bezirks- und sechs Diözesanverbänden organisiert sind.

Die Zahlen, die dabei herauskamen, waren beeindruckend: In den Jahren 2010 bis 2015 haben die Schützen im BDHS rund zwei Millionen Euro gesammelt für gemeinnützige Zwecke und mehr als 800.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden geleistet. „Im vergangenen Jahr waren es rund eine Million Euro und rund 180.000 Arbeitsstunden“, weiß Herbert Knur aus Hilfarth. Er ist nicht nur Bezirksbundesmeister in Hückelhoven, sondern für die Diözese Aachen auch Mitglied im caritativen Ausschuss des BDHS.

„Diese Zahlen zeigen, welche soziale Kompetenz die Schützenbrüder und Schützenschwestern haben und welch wichtige Stütze sie für das Allgemeinwohl in unserer Gesellschaft sind“, betont auch Hermann-Josef Kremer aus Gerder-hahn, der stellvertretende Diözesanbundesmeister. „Unser soziales Engagement und die caritativen Leistungen sind unsere Markenzeichen und ein deutlich sichtbares Signal unserer traditionellen Schützenkultur.“

Ein paar Beispiele

An Beispielen können die beiden da auch für unsere Region viele nennen, etwa die Schützen, die an der Gestaltung von Fronleichnamsprozessionen und anderen kirchlichen Feiern beteiligt sind, die zu Altennachmittagen in ihren Gemeinden einladen, die Friedhöfe pflegen oder sich an Altkleidersammlungen beteiligen. „Es gibt sicherlich noch viele andere Beispiele“, erklärt Knur, „und ich gehe davon aus, dass die hier genannten Zahlen noch um eine Dunkelziffer von etwa einem Drittel ergänzt werden müsste, das uns nicht offiziell gemeldet worden ist.“

Für Knur lassen sich all diese Beispiele unter dem Begriff „Heimat“ subsumieren, der neben Glaube und Sitte für die Schützen ein ganz wichtiges Stichwort ist. „Die Schützen haben das Wohl ihrer Heimat immer im Blick“, sagt er. Und darum hat er sich für das Bundesschützenfest, das größte Fest des BDHS, das vom 8. bis 10. September mit vielen tausend Schützen in Heinsberg gefeiert wird, etwas Neues einfallen lassen, um für bedürftige Menschen Spenden zusammenzutragen.

Es wird anlässlich des Bundesfestes eine eigene Spendenaktion geben, deren Erlös vollständig und direkt vier sozialen Einrichtungen oder Projekten in der Region zugutekommen wird: der Interessengemeinschaft „Hilfe für krebskranke Kinder“ in Ophoven, der Palliativstation des städtischen Krankenhauses Heinsberg sowie zwei Tafeln. Jedes Los kostet fünf Euro. Die Gewinner der ersten drei Preise in Höhe von 4000, 2000 und 1000 Euro werden nach dem Festzug des Bundesfestes am 10. September im Festzelt ausgelost.

Erhältlich sind die Lose direkt bei Herbert Knur, Brückstraße 30 in Hilfarth, Telefon 02433/41850. Seit Wochen schon besucht er darüber hinaus Kirmesfeierlichkeiten und Schützenfeste, um dort die Lotterie vorzustellen und Lose zu verkaufen. Dabei wird er unterstützt von Markus Paulsen aus Erkelenz, Telefon 02431/77430, und Josef Spiertz aus Houverath. „Leider sind wir nur noch drei“, sagt er. Weitere emsige Mitstreiter wie sein Vorgänger Willi Küppers aus Houverath oder Ludwig Kaprot aus Hastenrath seien leider inzwischen verstorben.

So würde er sich freuen, wenn sich weitere aktive Schützenbrüder oder Schützenschwestern bereitfänden, ihn beim Losverkauf in den sieben Bezirken des Kreises Heinsberg zu unterstützen, damit nach dem Bundesfest nicht nur die Gewinner glücklich sind, sondern auch die Einrichtungen und Projekte, denen der Erlös der Spendenaktion zugutekommen soll.

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