Heinsberg - Die Alte Stadtmauer: Wo Moderne und Geschichte verschmelzen

Die Alte Stadtmauer: Wo Moderne und Geschichte verschmelzen

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
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So soll der neue Gebäude-Komplex einmal aussehen, für den die Bagger im letzten Jahr kurz vor Weihnachten zwei alte Gebäude abgerissen haben. Die Bezeichnung „Heinsberger Höfe“ trägt er aufgrund der früheren baulichen Gegebenheiten. Foto: Bauherr
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Eine weiße Wanne, die derzeit entsteht, soll dem Grundwasser Einhalt gebieten. Das kleine Stück Stadtmauer (Mitte hinten) bleibt erhalten. Foto: Herwartz
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Hermann-Josef Claßen freut sich schon auf den neuen Blickfang in der Heinsberger Innenstadt. Foto: Herwartz

Heinsberg. Vergangenheit und Zukunft sind nicht selten intensiv miteinander verbunden. In der Heinsberger Hochstraße wird es bald ein schönes Beispiel dafür geben. Auch wenn der historische Fund eines Restes der alten Stadtmauer die Pläne für ein neues Wohn- und Geschäftshaus in der Innenstadt beinahe über den Haufen geworfen hätte.

„Wir haben, als wir erfuhren, dass ein Stück der Stadtmauer gefunden wurde, nicht damit gerechnet, dass dies eine solche Tragweite haben würde“, sagt Hermann-Josef Claßen, der die Bauherren Jörg Jacobs und seine Schwester Sylke Goertz vertritt. „Wenn sie quasi historische Schätze auf ihrem Grundstück finden, müssen sie für die Kosten der Sicherung, der Bergung und Dokumentation aufkommen. Das ist gesetzlich so geregelt.“ Ein Häuslebauer, der sich seinen mit spitzer Feder gerechneten Traum vom Eigenheim erfüllen möchte, könne diesen dann auch schon einmal schnell zerplatzen sehen, glaubt Claßen.

Allein die so entstandenen Zusatzkosten erreichten im Fall des Bauprojekts „Heinsberger Höfe“ an der Hochstraße locker die 80.000-Euro-Marke. Doch das sei längst nicht alles, was an zusätzlichen Kosten angefallen sei. Da ein Stück der Stadtmauer ja erhalten und für die Öffentlichkeit gut sichtbar bleiben soll, musste auch die Statik des Gebäudes verändert werden. „Wir hatten außerdem eine Bauverzögerung von einem halben bis dreiviertel Jahr. Dadurch sind einige potenzielle Käufer und Mieter abgesprungen. Alles zusammen kostet die Bauherrn rund 200.000 Euro.“ Auf die Tränendrüse drücken möchte Claßen allerdings keineswegs, denn: „Es lag den Bauherren sehr am Herzen, dass im Einvernehmen mit der Stadt die alte Stadtmauer zumindest ein Stück weit der Bevölkerung zugänglich bleibt, weil es so etwas in Heinsberg bislang ja noch nicht gibt.“

Von der Hochstraße aus werde dies dann zukünftig möglich sein. Im Eingangsbereich des 2500 Quadratmeter umfassenden Gebäudes werde der Mauerrest durch eine Glasabdeckung erleuchtet und Tag und Nacht zu sehen sein. „Das Gebäude soll im Frühjahr 2019 bezugsfertig sein“, sagt Claßen.

Und wie wird der neue Blickfang der Heinsberger Innenstadt dann aussehen? Vier Etagen und eine Tiefgarage mit 13 Stellplätzen wird er haben, wobei die oberste Etage ein sogenanntes Staffelgeschoss ist. Darin findet eine Penthouse-Wohnung von über 300 Quadratmetern mit einem atemberaubenden Ausblick Platz. Sie hat bereits einen Käufer gefunden. Ebenso wie zwei der insgesamt fünf Wohnungen im zweiten Obergeschoss. Für die stattlichen 500 Quadratmeter im ersten Obergeschoss werden noch Käufer gesucht, sagt Claßen. Sollte sich jemand hier lieber für einen langfristigen Mietvertrag entscheiden, sei dies aber auch kein Problem, dann bliebe der Bauherr eben der Eigentümer. Auf Claßens Wunschliste stünden, daraus macht er keinen Hehl, vielleicht zwei Arztpraxen, die sich die Etage teilen könnten. Im Erdgeschoss seien schon 300 Quadratmeter langfristig an ein Bekleidungsunternehmen vermietet. Ähnliches erhofft sich Claßen auch für die noch verbleibenden 180 Quadratmeter.

Das KfW-55-Haus wird ein Nie-drigenergiehaus mit kontrollierter Wohnraumbelüftung und Erdwärme-Nutzung. Die Fassade bestehe aus einem Wärmedämm-Verbundsystem, das in weiß verputzt wird mit anthrazitfarbenen Absetzungen.

„Derzeit wird eine weiße Wanne erstellt, bis zu fünf Meter Tief, denn das Grundwasser wird später wieder bis auf 2,60 Meter ansteigen“, sagt Claßen. Nasse Füße brauche so niemand zu befürchten.

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