Deutsches Fußball-Museum: Glasfassade made in Heinsberg

Von: Rainer Herwartz
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Die Fassade des Deutschen Fußball-Museums in Dortmund stammt aus der Heinsberger Werkstatt. Foto: Laumen
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In den großen Fertigungshallen des Heinsberger Unternehmens Metallbau Jansen wird mit modernen, aber auch traditionellen Mitteln Metall verarbeitet. Foto: Herwartz

Heinsberg/Dortmund. Einen festen Standort für ein Fußballmuseum gebe es bei keinem anderen Fußballverband in der Welt, sagt Daniel Laumen. Das sei schon einzigartig, was da in Dortmund entstanden ist. Ebenso einzigartig dürfte jedoch der Umstand sein, dass es ein Unternehmen aus Heinsberg war, das den Zuschlag erhielt, um die komplette Fassade des neuen Deutschen Fußballmuseums zu erstellen.

Angesichts der 36 Millionen Euro teuren Gesamtkosten für das ambitionierte Unterfangen auch für Metallbau Jansen ein Millionenprojekt.

Den Heinsberger Metallbauern, die seit 1910 mittlerweile in der vierten Generation ihr Traditionsunternehmen führen, war es gelungen, bei der europaweiten Ausschreibung zu überzeugen. „Im Juli 2013 war der Kick-off“, sagt Simon Jansen, der mit Vater und Bruder die Geschäfte der Firma leitet. Bis zum Oktober dieses Jahres habe es bis zur Fertigstellung gedauert.

Leider sei es zwischenzeitlich durch die Insolvenz des Rohbauers und zweier Ausbaufirmen zu einer Verzögerung gekommen, denn eigentlich sollte das Museum schon Mitte des Jahres fertig sein. 30 Handwerker waren für Jansen im Einsatz. Selbst beschäftigt das Unternehmen 60 Mitarbeiter, doch kann es stets auf bis zu 100 versierte Experten zurückgreifen.

Ohne eine solche Personalstärke wären die Großprojekte, die das Heinsberger Unternehmen in der Vergangenheit bereits geschultert hat, wohl kaum zu bewerkstelligen. Das Kreissparkassengebäude in Heinsberg oder das Minto in Mönchengladbach gehören dazu. „Alle Bauteile werden dabei in unserer Niederlassung in Heinsberg geplant und mit modernster Fertigungstechnik hergestellt“, sagt Jansen. „Zur Philosophie unseres Unternehmens gehört es, den Nachwuchs selbst auszubilden und diesen auch später bei erfolgreichem Abschluss zu übernehmen. Um kompetentes Fachpersonal auch in Zukunft sicherzustellen, beschäftigen wir regelmäßig bis zu zehn Auszubildende.“

Am Deutschen Fußballmuseum wurden durch die Heinsberger 7300 Quadratmeter Fassadenarbeiten aus Aluminium und Glas realisiert. Das Gebäude wird im Wesentlichen durch die transparente Glasfassade im Erdgeschoss mit dem aufgehenden Foyer und die metallene Haube des schwebenden Körpers gegliedert. Durch das transparente Erdgeschoss mit seinen rundum öffentlich wirksamen Nutzungen entstand ein Gebäude ohne Rückseiten.

Die großflächigen Glasfassaden wurden in einer sogenannten Pfosten-Riegel-Bauweise ausgeführt. Eine besonders kniffelige Angelegenheit war die nach außen geneigte Skybar im Obergeschoss mit ihren über eine Tonne schweren Glasteilen. Sie stellte höchste Ansprüche an die Technik und Montage. „Hier musste mit speziellen Hebezeugen von der Sauganlage bis zum Kran gearbeitet werden“, sagt Jansen.

In die Glasfassade im Erdgeschoss wurde eine als Ein- und Ausfahrt für den DFB-Bus der Nationalmannschaft genutzte zweiflügelige Glas-Rahmen-Türanlage mit einer Breite von fünf Metern und einer Höhe von vier Metern inte-griert. Auch dabei wurden die Türflügel als einmalige Sonderkons-truktion mit Gewichten über 600 Kilogramm in Heinsberg geplant und hergestellt.

Die metallene Haube des Museums gehört ebenso zu einem Highlight am Objekt. Diese wurde durch Stanzungen und Prägungen strukturiert. Die Struktur von großformatigen sechseckigen Elementen soll an einen Fußball erinnern. Doch das Beste kommt noch. Im Zwischenraum von Metallfassade und Wärmedämmverbundsystem wurden auf der dem Bahnhof zugewandten Seite Werbebanner mit entsprechenden Fußballmotiven gespannt, die thematisch bespielt werden und in den Abendstunden durch eine integrierte Beleuchtung imposant erstrahlen.

Beinahe könnte man schon denken, dass Jansen und Laumen, die früher selbst begeistert gegen das runde Leder traten, nicht nur im Hinblick auf das Deutsche Fußballmuseum jetzt auch beruflich ihre Liebe zum Lieblingsspiel der Deutschen ausleben. Denn an die BayArena in Leverkusen legte das Team von Metallbau Jansen ebenfalls Hand an. Sie wurde ergänzt um hochwertige Kioske und Fanbereiche.

In diesem Zusammenhang entstanden durch die Heinsberger über 2000 Quadratmeter Fassadenarbeiten, 70 Türen und 28 Rolltore. „Eine besondere Herausforderung war die Integration der Spieltage mit Bundesliga, Pokal und Champions League“, sagt Laumen. Doch Herausforderungen scheinen für die Heinsberger Metallbauer geradezu das Salz in der Suppe zu sein. Momentan sanieren sie das nordrhein-westfälische Familienministerium in Düsseldorf.

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