Derzeit keine weiteren Rotoren in Sicht

Von: Franz Windelen
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Sollten weitere Konzentrationsflächen für Windanlagen im Selfkant ausgewiesen werden, müsste der Flächennutzungsplan geändert und die Öffentlichkeit beteiligt werden. Foto: imago

Selfkant. Konkret ist gar nichts, beschlossen erst recht nicht. Dennoch ist die Aktionsgruppe WKA (Windkraftanlagen) Selfkant aktiv – wohl nach dem Motto: Wehret den Anfängen! Sie hatten sechs Fragen formuliert und diese an Bürgermeister Herbert Corsten geschickt. Das Antwortschreiben aus dem Tüdderner Rathaus halten Iris und Herbert Meiers sowie Paul Beckers von der Initiative nun in der Hand. Das, was sie da lesen, müsste sie beruhigen.

Aufgeschreckt hat viele Bürger aus Schalbruch, Havert, Stein und Heilder eine Bürgerversammlung des CDU-Ortsverbandes Havert am 11. November. Bürgermeister Corsten hatte dort zu einem von vielen Themen gesprochen – unter anderem über moderne Windkraftanlagen im Allgemeinen. Viele Zuhörer deuteten dessen Aussagen als Signal für den Bau neuer riesiger Rotoren im Haverter Feld. Selbst Anrainer aus dem niederländischen Koningsbosch, unmittelbar an der Selfkantgrenze gelegen, sahen sich schon mit den 200 Meter hohen Anlagen konfrontiert und gingen auf die Barrikaden. Bürgermeister Herbert Corsten hatte auch in dieser Zeitung zu dem Thema Stellung bezogen und klargestellt, dass es derzeit keine Planungen für einen Windpark – wo auch immer – gebe.

Die Aktionsgruppe WKA Selfkant kann nun dem Antwortschreiben des Bürgermeisters Schwarz auf Weiß entnehmen, dass im aktuellen Flächennutzungsplan der Gemeinde lediglich bei Saeffelen – an der Grenze zu Waldfeucht – eine Konzentrationsfläche für Windenergieanlagen ausgewiesen ist. Die Gemeinde plane, so Corsten weiter, keine neuen Konzentrationszonen. „Sollte im Zusammenhang mit den Repowering-Bestrebungen auf dem Waldfeuchter Gemeindegebiet auch eine Erweiterung der Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Selfkant konkret angestrebt werden, werde ich die Öffentlichkeit darüber nicht im Unklaren lassen“, so Corsten.

Es gebe zudem keine Gutachten, die die Eignung von Standorten prüfen. Bauanträge und Bauvoranfragen zur Errichtung bzw. zum Repowering von Windrädern lägen noch nicht vor; ihm sei allerdings bekannt, dass es bei den Betreibern der Windanlagen wohl entsprechende Überlegungen gebe.

Nach Worten Corstens liegen derzeit keine „verhandlungsfähigen Angebote von Investoren“ vor. Der Bürgermeister hält es für denkbar, dass einzelne Investoren und Grundstückseigentümer, sprich Landwirte, über Pacht-Modalitäten verhandeln bzw. verhandeln werden. Zum Schluss seines Antwortschreibens betont Corsten: „Jedwede Änderung des Flächennutzungsplanes kann nicht ohne Beteiligung der Öffentlichkeit durchgeführt werden.“

Besonders sensibel

Die Botschaft hören sie wohl, allein der Glaube scheint Iris und Herbert Meiers sowie Paul Beckers zu fehlen. „Bereits 2003 sollte im Haverter Feld ein Windpark entstehen. Nach Bürgerprotesten wurde die Änderung des Flächennutzungsplanes wieder rückgängig gemacht“, erinnert sich Herbert Meiers.

Wegen dieser Episode sei man in Havert und Umgebung besonders sensibel. „Wir werden weiter wachsam bleiben“, sagt Beckers. Und weiter: „Wir werden die Entwicklung aufmerksam verfolgen, die Informationen, die wir kriegen können, verwerten und gegebenenfalls an die Öffentlichkeit gehen.“

Die Drei, die stellvertretend für die Aktionsgruppe sprechen, legen Wert auf die Feststellung, dass sie und die wachsende Schar der Mitstreiter nicht die Windkraft als solche verteufeln. Herbert Meiers: „Im Selfkant ist die Fläche halt so eng, dass es keine genügend großen Abstände der Anlagen zur Besiedlung geben kann.“ Außerdem, so argumentiert die Aktionsgruppe weiter, würde ein Heer an monströsen Rotoren das touristische Ziel des Westzipfels, eine Erlebniswelt zu sein, konterkarieren.

Um seine und die Position der Aktionsgruppe zu verdeutlichen, bemüht Herbert Meiers ein Zitat des Bergsteigers Reinhold Messner: „Alternative Energiegewinnung ist unsinnig, wenn sie genau das zerstört, was man eigentlich durch sie bewahren will: Die Natur.“

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