Der Westwall im Jahr 1945: Die Zeitzeugen machen das Buch lebhaft

Von: Daniel Gerhards
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Hart umkämpft: Im Kreis Heinsberg hielt die Wehrmacht den Angriffen der alliierten Truppen (Aufnahme von US-Soldaten im Jahr 1944) besonders lange stand. Die Anlagen des Westwalls wurden in Wassenberg noch im Jahr 1945 ausgebaut. Foto: imago/Leemage (1); Daniel Gerhards (2)
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Das Buch „Der Westwall im Raum Wassenberg – und die deutschen Rückzugskämpfe im Kreis Heinsberg“ von Markus Morgenweg umfasst 236 Seiten und beinhaltet 383 Fotos und 38 Skizzen.

Wassenberg. Als die Amerikaner Wassenberg am 28. Februar 1945 besetzten, endete für die Alliierten die Operation Grenade. Mit diesem Ereignis, der Vorgeschichte und der Zeit ab März 1945 beschäftigt sich Markus Morgenweg in seinem neuen Buch „Der Westwall im Raum Wassenberg – und die deutschen Rückzugskämpfe im Kreis Heinsberg“.

Mit der Besetzung durch die Alliierten waren auch die monatelangen Kämpfe zwischen Düren und Roermond beendet. Und die Verteidigungslinie Westwall war gefallen.

Unsere Region ist für den Aachener Westwallexperten dabei besonders spannend, weil es gerade in Wassenberg „viele Besonderheiten“ gegeben habe. Die Front habe überaus lange bei Wassenberg gestanden. Es bildete sich die sogenannte Heinsberger Fronttasche.

Außerdem seien auf deutschem Boden im Jahr 1944 nur noch vier Bunker gebaut worden. Morgenweg konnte nun nachweisen, dass zwei davon bei Wassenberg gebaut wurden. Das ist auch für Historiker eine neue Erkenntnis. Auch wurden bei Wassenberg noch bis in das Jahr 1945 hinein Feldstellungen gebaut. Und weil es in Wassenberg viele Lazarette gegeben habe, gebe es dort auch so viele Soldatengräber.

„Dieses Buch beschreibt die Geschichte um den Westwall in dieser Region und somit einen Teil der Geschichte von Wassenberg und des Kreises Heinsberg“, sagt Morgenweg. Dabei fing alles ganz klein an. Er wollte eigentlich nur einen Artikel für den Heimatkalender des Kreises Heinsberg schreiben.

Weil Wassenberg für Westwallkenner so besonders ist, überlegte er dann, ob dabei nicht eine kleine Publikation herauskommen könnte – etwa 20 Seiten. Nach acht Jahren intensiver Arbeit steht nun das fertige, umfassende, 236 Seiten starke Buch. „Es ist ein dicker Schinken geworden. Ich bin stolz darauf“, sagt Morgenweg.

Wie viel Arbeit das war, wird schon daran deutlich, dass Morgenweg alle Bunker, Panzer- und Laufgräben bei Wassenberg kartiert hat. „Dafür bin ich jeden Quadratmeter Wald abgelaufen“, sagt er. Insgesamt habe es 45 Bunker im Raum Wassenberg gegeben, wovon noch fünf sichtbar seien. Einer zum Beispiel im Hang unterhalb des Bergfrieds. Ein anderer Bunker sei mit einem Haus überbaut worden. Und man gelange nur durch die Sauna des Hauses in den ehemaligen Kampfraum, sagt Markus Morgenweg, der 43 Jahre alt ist und in Aachen wohnt.

Impulse für die Recherche

Ein wichtiger Baustein seiner Arbeit waren die Gespräche mit Zeitzeugen. Einerseits machten ihre Berichte das Buch lebhaft. Es ist dadurch mehr als eine historische Abhandlung über Fakten und zeitliche Verläufe. Anderseits lieferten ihm die Schilderungen der Zeitzeugen immer wieder neue Rechercheansätze. „Von den Zeitzeugen habe ich die Impulse bekommen. Nach den Gesprächen wusste ich, wonach ich in den Archiven suchen muss“, sagt Morgenweg.

Für solche Interviews sei es aber auch höchste Zeit gewesen. Ein Viertel der Zeitzeugen, die er befragte, seien bereits gestorben. „Ich wollte etwas festhalten, was es in der Form nicht mehr geben wird“, sagt er. Das ist ihm gelungen.

Morgenweg hat sich in seinem Buch aber nicht nur mit den Bauwerken des Westwalls, der politischen Situation, den Verläufen der Front und den Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung beschäftigt. Er beleuchtet auch die Zeit unmittelbar nach der Befreiung. „Die meisten Westwallbücher enden mit der Kriegszeit. Ich habe mich auch mit der Zeit danach beschäftigt“, sagt er. Und die sei ebenso relevant. Mienen und herumliegendes Kriegsmaterial seien eine ständige Gefahr gewesen – die noch viele Menschenleben kostete.

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