Der ungelöste Mordfall Dr. Schmitz

Von: Marlon Gego
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Nachgestellte Szene aus der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“: So stellt sich die Polizei die Tat vom 8. Januar 2010 vor. Der mit mehr als 40 Kugeln erschossene Erkelenzer Augenarzt Udo Schmitz und sein Mörder bei Erkelenz-Immerath. Nur: Wer ist dieser Mörder? Foto: ZDF

Aachen/Mönchengladbach. Der Mörder des Erkelenzer Augenarztes Udo Schmitz ist immer noch nicht gefasst, alle Hinweise, Vernehmungen und Vermutungen führten bislang nicht zum Täter. Schmitz, damals 51 Jahre alt, war am Nachmittag des 8. Januar 2010 neben der Landstraße 19 in Erkelenz zwischen Immerath und Holzweiler mit mehr als 40 Kugeln aus einer Maschinenpistole geradezu hingerichtet worden.

Doch trotz langer Suche nach Zeugen selbst in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ erhielt die zuständige Staatsanwaltschaft Mönchengladbach bis heute keine Hinweise, die sie zum Täter geführt hätten. Der Mordfall Udo Schmitz wird als einer von ganz wenigen als ungelöst in die deutsche Kriminalgeschichte eingehen, jedenfalls sieht es im Moment danach aus.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Akte des Falles 2011 schon einmal geschlossen, bis sie 2012 noch einmal geöffnet wurde. In einem anonymen Schreiben hatte vergangenen Sommer jemand Sachverhalte geschildert, die die Staatsanwaltschaft ohne Weiteres nicht erhärten konnte. Dem Schreiben war eine Zigarettenkippe beigelegt, die der Mörder Udo Schmitz‘ weggeworfen haben soll, ohne dass der Verfasser des Briefes ihn beim Namen nannte. Die Staatsanwaltschaft wollte wissen, wer den Brief geschrieben hat und reichte ihn beim Landeskriminalamt (LKA) in Düsseldorf zur Untersuchung ein.

Das LKA nahm DNA-Spuren sowohl des Briefschreibers als auch des Rauchers der Zigarettenkippe. Doch die Datenbank lieferte keine Übereinstimmung: Weder Briefschreiber noch Raucher sind bislang in der DNA-Datei des LKA gespeichert, auch die vorerst letzte Hoffnung, den Täter zu finden, erfüllte sich nicht.

Am Tag, als Schmitz‘ Leiche entdeckt wurde, machte die Polizei vielleicht entscheidende Fehler bei der Spurensicherung. Trotzdem stießen die Ermittler schnell auf Schmitz‘ Kontakte zu Manfred H. Sechs Tage nach dem Mord durchsuchte die Polizei H.s Haus in Hückelhoven und stellte Waffen und eine Bombe sicher. Schmitz und H. teilten ihre Leidenschaften für Waffen und Motorradfahren. In einem Prozess im Frühjahr 2012 gestand Manfred H., Schmitz die Maschinenpistole verkauft zu haben, mit der er, wie die Staatsanwaltschaft annimmt, später ermordet wurde. Bewiesen ist das nicht, da die Tatwaffe nie gefunden wurde.

Zunächst glaubten die Ermittler, in H. den Täter gefunden zu haben, in einer ersten Vernehmung widersprach er sich, sein Alibi war zweifelhaft. Später widerrief er seine Aussage und konnte mit Hilfe seiner Frau ein jetzt nicht zu widerlegendes Alibi angeben. Die Staatsanwaltschaft schloss H. aus dem Kreis der Verdächtigen aus, im Laufe der Jahre konnte sie keinen weiteren Verdächtigen ermitteln.

Im Frühjahr 2012 wurde H. wegen diverser Verstöße gegen Waffen- und Sprengstoffgesetze zu einer Haftstrafe von 22 Monaten verurteilt, weswegen er seine Mitgliedschaft im Rat der Stadt Hückelhoven niederlegen musste. Zum Mordfall Schmitz aber wurde er nie wieder befragt.

Doch Schmitz‘ Umfeld gab nicht auf, auch als der Staatsanwaltschaft die Hinweise ausgingen: Schmitz‘ Mutter setzte eine Belohnung von 20.000 Euro für Zeugenaussagen aus, die den Mörder überführen. Frühere Freunde des Augenarztes stellten eigene Ermittlungen an und stießen bald auf Indizien und Aussagen, denenzufolge der unverheiratete Schmitz wahrscheinlich eine Affäre gehabt hatte, die in Zusammenhang mit dem Mord stehen könnte.

Dazu passte, dass die mehr als 40 Kugeln, die bei der Obduktion in seiner Leiche gefunden wurden, fast alle auf seinen Unterleib abgefeuert worden waren. Auch die Ermittler waren deswegen schon früh von einer Beziehungstat ausgegangen. Doch da die Zuständigkeit für den Mordfall Schmitz bei der Staatsanwaltschaft im Laufe der Jahre wechselte, ist heute nicht mehr ganz einfach nachzuvollziehen, ob die Staatsanwaltschaft diesen Indizien damals sorgfältig nachgegangen ist. Auch eine Bonner Rechtsanwältin, die Schmitz‘ Mutter engagiert hatte, interessierte sich für diese Indizien bestenfalls am Rande.

Eine seltsame Anzeige

Kurz vor seinem dritten Todestag vergangenen Januar schaltete Schmitz‘ Mutter eine Jahrgedächtnis-Anzeige in einem örtlichen Anzeigenblatt. Das Inserat las sich mehr wie eine Anklage, es enthielt vier Mal und nur leicht chiffriert den Vornamen des Mannes, den sie und Schmitz‘ frühere Freunde für den Mörder halten. Genutzt hat es nichts. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte die zuständige Staatsanwältin, es gebe im Moment keinen neuen Ermittlungsansatz. Allerdings wies sie darauf hin, dass die Ermittlungen jederzeit wieder aufgenommen werden könnten: Mord verjährt nicht.

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