Selfkant/Erkelenz - Der Trend geht zur Erdbeere aus dem Tunnel

Der Trend geht zur Erdbeere aus dem Tunnel

Von: Anna Petra Thomas
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Die Erdbeerernte hat in unserer Region begonnen: Auch Florentina Mirabela Iftimiciuc ist aus Rumänien gekommen, um den Croons in Lövenich bei der Erdbeerernte zu helfen. Foto: Anna Petra Thomas

Selfkant/Erkelenz. Fast sprunghaft wächst gerade die Bevölkerungszahl in einigen kleinen Orten der Region, etwa im Erkelenzer Stadtteil Lövenich oder im kleinen Ort Havert im Selfkant, und das aus nur einem Grund: Neben der Spargelernte sind jetzt auch die ersten Erdbeeren reif und müssen gepflückt werden. Dazu reisen immer noch einige Saisonkräfte aus Polen an, inzwischen sind es jedoch mehr und mehr Arbeiter aus Rumänien, die eine weite Reise auf sich nehmen, um hier bei der Ernte zu helfen.

„Ohne sie könnte ich die Ernte nicht einfahren!“, sagt Thomas Croon aus Lövenich, der im Lövenicher und im angrenzenden Gevelsdorfer Land rund 60 Hektar Ackerfläche mit Erdbeeren bepflanzt hat. „Ich habe größten Respekt vor diesen Menschen, die für zwei Monate alles hinter sich lassen, um uns hier bei der Ernte zu helfen“, betont er auf der Fahrt zu seinen Erdbeertunneln in Gevelsdorf, wo die roten Früchte schon in Massen an den Sträuchern hängen. „Wir haben in zwei Stunden schon 400 Kisten geschafft“, ruft ihm Vorarbeiter Livio Andrei Craciun, genannt „Adi“, freudig zu, als er seinen Chef am ersten Tunnel entdeckt.

Arbeiter aus Rumänien

50 Saisonkräfte sind schon hier, und von Tag zu Tag werden es mehr. Bis zu 220 Arbeiter beschäftigt Croon in der Saison. Aus Polen kämen kaum noch welche. Das Lohngefälle im Vergleich mit Deutschland sei dort nicht mehr so groß, sagt er. Daher wirbt er seine Mitarbeiter in Rumänien an, nicht mehr über eine Agentur wie früher, sondern über eigene Kollegen vor Ort. Damit stellt er vor allem sicher, dass dieselben Mitarbeiter immer wieder die Saison in seinem Betrieb verbringen können.

Das ist auch im Familienbetrieb Hensgens in Havert so, wo in jedem Jahr bis zu 170 Saisonkräfte arbeiten. Wie die Croons haben die Hensgens ebenfalls die Viehhaltung ganz aufgegeben und konzentrieren sich auf den Anbau von Erdbeeren, auf 35 Hektar Fläche. Hinzu kommen dort noch 20 Hektar Spargel und 15 Hektar Heidelbeeren. Die Croons bauen noch Erbsen für die Konservenindustrie an, ebenfalls im Wechsel mit dem ganz normalen Ackerbau in der sogenannten rheinischen Fruchtfolge mit Weizen oder Rüben.

Während die Croons ihre Erdbeeren noch überwiegend im Freiland rot werden lassen, haben die Hensgens schon stärker, rund 25 Prozent der Fläche, auf „Tunnel-Wirtschaft“ umgestellt. Hier gibt es schmale Feldwege hinter dem Hof, an dem sich beidseits Tunnel aufreihen, soweit das Auge reicht. In den Tunneln sind die Erdbeeren nicht nur früher reif und liefern einen etwa doppelt so hohen Ertrag. Hier könnten die Saisonkräfte auch immer vor Wind und Wetter geschützt arbeiten, erklärt Chris Hensgens. Thomas Croon ist zwar immer noch Befürworter der Freilandwirtschaft. „Ist noch echte Landwirtschaft und sieht einfach in der Landschaft schöner aus“, sagt er. Aber auch er sieht, dass der Trend ganz klar zur Aufzucht im Tunnel geht.

Die Hensgens sind da schon richtige Spezialisten. Sie ziehen ihre Erdbeeren in den Tunneln nicht nur in kleinen, mit schwarzer Folie verkleideten, wärmenden Erdwällen auf, sondern inzwischen auch in einer Art Blumenkästen, die auf 1,20m Höhe stehen und so die Ernte bequemer im Stehen ermöglichen. Nicht nur damit steuern die Erdbeerprofis die Reifezeit, denn diese Erdbeeren reifen später als die in den Erdwällen, sondern sogar mit der Art der Folie. Deren Lichtdurchlässigkeit hat ebenfalls Einfluss auf die Erntezeit.

Nach dem Vater benannt

Vorläufiger Höhepunkt in der Entwicklung der Erdbeerzucht ist bei Hensgens, neben der Ausschöpfung aller technischer Möglichkeiten, die Kombination verschiedener Sorten zu einer eigenen Marke, die bis in den Herbst hinein für dauerhaft süße Erdbeeren im eigenen Hofladen, in Kaufautomat,in Verkaufsbuden und in der Direktlieferung an regionale Lebensmittelhändler sorgen soll. „Bei Äpfeln achten alle auf die Marke, nicht aber bei Erdbeeren“, sagt Chris Hensgens. Das ändert sich im Selfkant gerade, denn die „Juppibeere“, benannt nach Vater Josef Hensgens, erfreut sich wachsender Beliebtheit. „Sie ist süß, aber nicht so lange haltbar“, erklärt Bruder Arne Hensgens. „Eine Erdbeere, die beides hat, Süße und Haltbarkeit, gibt es leider noch nicht.“

Die Haltbarkeit ist dagegen das wesentliche Kriterium für Thomas Croon, denn er beliefert hauptsächlich den Großhandel. Aber auch er hat süße Sorten für den Direktverkauf auf dem Hof oder in lokalen Verkaufsständen. Wieder zurück auf dem Hof in Lövenich erklärt er, warum auch die Erdbeerzucht ähnlich der Spargelzucht ganz schön aufwendig ist. So könne man Erdbeeren nur zwei Jahre hintereinander an demselben Standort pflanzen. Danach müsse man auf der Fläche etwas anderes anpflanzen für mindestens drei Jahre. Ein Jahr vor der erneuten Nutzung mit Erdbeerpflanzen hat er seinen Tipp auch für den Hobbygärtner: „Wir säen ein Jahr vorher Tagetes ein“, sagt er. „Diese Blumen bekämpfen die Schädlinge für Erdbeeren im Boden.“ Kartoffeln sollte man zudem niemals vor den Erdbeeren pflanzen, fügt er hinzu. „Das geht gar nicht!“

 

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