Erkelenz - „Der Steppenwolf“: Intensive Inszenierung verlangt Akteuren alles ab

„Der Steppenwolf“: Intensive Inszenierung verlangt Akteuren alles ab

Von: hl
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Erkelenz. Das gern gesehene Landestheater Dinkelsbühl war wieder in Erkelenz zu Gast. Es gab „Der Steppenwolf“ nach dem Roman des Nobelpreisträgers für Literatur von 1946, Hermann Hesse.

Der Dramaturg und Regisseur Joachim Lux hat versucht, den stark autobiografischen Roman des Schweizer Dichters für die Bühne einzurichten und dabei dessen Anliegen und Bekenntnisse zu komprimieren und durch die Schauspielkunst der Darsteller dem Publikum verstehbar zu machen.

Hesse zu begreifen ist nicht immer einfach, begibt er sich doch mit seinen philosophischen Ansichten und mit den psychoanalytischen Erkenntnissen seiner Zeit auf Gebiete, die sowohl den Zuschauer in seiner eigenen Existenz ansprechen als auch dessen Widerspruch herausfordern. Und das alles in knapp einer Stunde als Theater darzustellen und zu vermitteln, erfordert ein hohes Maß an Konzentration und Aufmerksamkeit von beiden Seiten – von denen auf der Bühne und denen davor.

Die Hauptfigur Harry Haller (nicht von ungefähr mit den Initialen des Dichters und überzeugend dargestellt von Thorsten Engels) leidet unter der Zerrissenheit seiner Persönlichkeit. Diese lässt sich beschreiben – wie es auch in dem Stück geschieht – durch ein Zitat aus Goethes Faust: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, die eine will sich von der andern trennen: Die eine hält in derber Liebeslust sich an die Welt mit klammernden Organen; die andre hebt gewaltsam sich vom Dust zu den Gefilden hoher Ahnen.“

Verstörende Momente

Und diese Zerrissenheit wird in dem Stück in immer neuen Variationen und Zusammenhängen dargestellt, so dass es oft schwer fällt, einen roten Faden auszumachen, wenn dies überhaupt beabsichtigt ist. Man kann auch sagen, dass es auf der Bühne immer wieder ein Hin und Her gibt zwischen Suchen und Finden, wobei ein endgültiges Ergebnis wohl offen ist und sich allem Anschein nach erst im Jenseits, wenn überhaupt, zeigt.

Unter der Regie von Peter Cahn, der auch für das bunte Bühnenbild verantwortlich war, wird Harry Haller auf seiner Suche nach einem Ausgleich zwischen seinem in Konventionen gefangenen Menschsein und der Freiheit des Steppenwolfes vor allem begleitet von Hermine, einer Gelegenheitsprostituierten (Katharina Felling). Die Schauspielerin zeichnete sich nicht nur durch ihre mimischen Fähigkeiten aus, sondern auch durch eine immer und überall verständliche Aussprache.

Dass ausgerechnet sie von Harry ermordet wird, gehört zu dem einen oder anderen Verstörenden in diesem Stück. In verschiedenen Rollen agieren Julian Niedermeier, Stefanie Steffen und Andreas Peteratzinnger, die sich unter anderem auch die gesellschaftskritischen Ansichten der Hippie-Bewegung, einschließlich Drogenkonsum, zu eigen machen und auch Hesses Anti-Kriegsposition zwischen den beiden Weltkriegen (Der Steppenwolf erschien 1927).

Viel Beifall am Ende und mehrere „Vorhänge“ für das mit großer Intensität gespielte Stück, das dem Zuschauer einiges abverlangte.

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