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Der sehr milde Winter schont die Stadtkasse

Von: Nicola Gottfroh
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Diesen Winter mussten die drei Streu- und Räumfahrzeuge des Wassenberger Bauhofs noch kein einziges Mal ausrücken. Fotos (2): Gottfroh Foto: Nicola Gottfroh
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Noch erinnern die Temperaturen eher an Frühjahr als an Winter. „Aber da kommt noch was“, ist sich Willi Schellartz sicher. Foto: Nicola Gottfroh

Wassenberg. Auf die tägliche Nachricht vom Deutschen Wetterdienst mit der „Winterdienst-Prognose“ braucht Willi Schellartz dieser Tage eigentlich nicht zu warten. Es reicht dem Leiter des Wassenberger Bauhofs ein Gang ins Freie schon völlig aus, um sicher zu sein, dass es in den nächsten 24 Stunden weder schneien noch frieren wird.

Und um zu wissen, dass er und sein Team einen weiteren Tag „Schonfrist“ bekommen. Schellartz hat als Bauhofleiter schon viele Winter mitgemacht. Aber nein, an einen bis in den Januar hinein so milden kann er sich in den letzten 22 Jahren seines Berufslebens nicht erinnern.

„Es ist sogar so, dass wir in diesem Winter noch nicht ein einziges Mal zum Winterdienst ausrücken mussten. Das ist sehr ungewöhnlich“, sagt er.

Doch auch wenn er bisher noch ganz froh darüber ist, dass seine Mitarbeiter diesmal nicht wie in vielen anderen am Limit arbeiten müssen und zumindest winterdiensttechnisch einen ruhigen Dienst schieben, ist er sicher: „Da kommt noch etwas nach!“ Und dann sind er und sein Team vorbereitet.

Die Salzlager des Wassenberger Bauhofs sind voll. Ein Winterdrama wie 2010 soll nicht noch einmal passieren. Nachdem der Winter vor vier Jahren viele Kommunen kalt erwischt hatte und nach wenigen Wochen der Eiseskälte das Streusalz zwar nicht verpulvert, aber doch verstreut war, hat auch Wassenberg nun vorgesorgt. Das Salzsilo ist bis zur Decke gefüllt. 40 Tonnen warten darauf, auf die Straße gebracht zu werden. Und im Keller des Bauhofes wurden noch einmal Streusalzvorräte von 25 bis 30 Tonnen untergebracht.

„Das allein ist schon genug, um in einem durchschnittlichen Winter über die Runden zu kommen“, sagt Schellartz. Aber für den Fall eines überdurchschnittlich kalten Winters hatte Schellartz schon vor Monaten vorgesorgt. „Einen Engpass wie im Winter 2010 wird es sicherlich nicht noch einmal geben“, versichert er. Es seien Verträge mit Salzlieferanten geschlossen worden, die Wassenberg noch einmal 70 Tonnen Salz garantieren. Und die zum festgelegten Preis von 90 Euro pro Tonne. Denn wie bei allen anderen Dingen im Leben bestimmt auch beim Salz die Nachfrage den Preis. „2010, als in ganz Europa das Salz fehlte, hat man auch mal 250 Euro pro Tonne zahlen müssen. So etwas sollte nicht noch einmal passieren“, sagt Schellartz.

Doch auch wenn die milden Temperaturen die Salzvorräte und die personellen Ressourcen – und damit auch die Stadtkasse – schonen, könnte es doch teuer als erwartet werden, wenn sich Väterchen Frost diesen Winter gar nicht mehr meldet. „Dann muss das Salz, zu dessen Abnahme wir uns verpflichtet haben, beim Lieferanten eingelagert werden. Das kostet natürlich auch Geld“, sagt der Bauhofleiter.

Es gehört also Kalkulationsgeschick und ein Quäntchen Glück dazu, gut und günstig über den Winter zu kommen. Und natürlich großer Einsatz. Für insgesamt rund 200 Kilometer Straßennetz sind die Mitarbeiter vom Wassenberger Bauhof zuständig. „Gestreut wird aber nicht jeder Kilometer dieser Straßen, sondern nur die wirklich verkehrswichtigen“, sagt der Bauhofleiter. Doch selbst wenn die nur einen Bruchteil des Straßennetzes darstellen, ist das Räumen und Streuen viel Arbeit.

Fallen die Temperaturen unter drei Grad, sind die Bereitschaftsteams des Bauhofs jederzeit einsatzbereit, um Straßen, Radwege und Bürgersteige vom Eis zu befreien. Das heißt für sie: zu nachtschlafender Zeit aufstehen, Salz streuen und dabei jede Menge Überstunden schieben. „Viele Mitarbeiter machen das aber wirklich gerne“, betont Schellartz. Denn die Überstunden können später im Jahr wieder abgebaut werden – am liebsten dann, wenn die Sonne scheint. Und so hat dann auch ein frostiger Winter seine guten Seiten für die Bauhofmitarbeiter.

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