Wassenberg - Der Kulturförderverein löst sich auf, die Arbeit soll weitergehen

Der Kulturförderverein löst sich auf, die Arbeit soll weitergehen

Von: Daniel Gerhards
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Nach 20 Jahren ist für den Kulturförderverein am Jahresende Schluss: In dieser Zeit organisierte er rund 200 Konzerte und Veranstaltungen, zum Beispiel ein „Happy Swing“-Konzert, ... Foto: Anna Petra Thomas (2), Daniel Gerhards (1), dpa (1)
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... den NEW-Musiksommer ... Foto: Anna Petra Thomas (2), Daniel Gerhards (1), dpa (1)
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... die Rock-und-Pop-Oldie-Night ... Foto: Anna Petra Thomas (2), Dettmar Fischer (1), Daniel Gerhards (1), dpa (1)
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... und viele klassische Konzerte, zum Beispiel am Klavier. Foto: Anna Petra Thomas (2), Dettmar Fischer (1), Daniel Gerhards (1), dpa (1)
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Hermann-Josef Kitschen, Vorsitzender, und Gabi Jansen, Geschäftsführerin, stehen bis zur Auflösung an der Spitze des Kulturfördervereins.

Wassenberg. Ende des Jahres wird der Kulturförderverein Wassenberg Geschichte sein. 20 Jahre nach der Gründung des Vereins geht damit eine Ära zu Ende, in der die Mitglieder um den Vorsitzenden Hermann-Josef Kitschen rund 200 Konzerte und Veranstaltungen auf die Beine gestellt und das kulturelle Leben in Wassenberg somit im besten Sinne gefördert haben.

Vor einer Woche beschlossen die Vereinsmitglieder bei einer Versammlung einstimmig, den Verein aufzulösen.

Kitschen, 65 Jahre, war von Anfang an dabei: „Ich habe den Verein gegründet, und ich trage ihn auch zu Grabe“, sagte er. 1997 sei er mit dem Verein in eine Lücke gestoßen. „Die Stadt Wassenberg hatte damals kein eigenes Kulturprogramm“, sagte Kitschen. Zwar habe es Konzerte einzelner Vereine gegeben, allerdings nur solche, wobei auch ein Gewinn zu erwarten war.

Der Kulturförderverein organisierte in der Folge zum Beispiel Kammermusik-, Cembalo- und Klavierkonzerte – und auch Konzerte mit Alter Musik. Finanziell war das ein Zuschussgeschäft, in künstlerischer Hinsicht allerdings ein großer Gewinn. Geld von der Stadt habe der Verein nie bekommen, er baute in erster Linie auf Sponsoren.

Später kamen auch große Veranstaltungen hinzu, die viele Besucher anlockten. Zum Beispiel der NEW-Musiksommer und die Rock-und-Pop-Oldie-Night. So ergibt sich eine beeindruckende Liste mit einer Vielzahl hochkarätiger Veranstaltungen, die auf Initiative des Kulturfördervereins über die Wassenberger Bühnen gingen.

Dass nun Schluss sein soll mit dem Verein, begründete Hermann-Josef Kitschen damit, dass der ursprüngliche Zweck des Vereins, der Stadt Wassenberg ein Kulturprogramm zu verschaffen, erfüllt sei. Und das seine Arbeit nun überflüssig werde, weil die Stadt in vielen Dingen „aufgesprungen“ sei: „Es gibt keinen besonderen Grund mehr, den Verein aufrecht zu erhalten.“

Dass der Verein nun am Ende ist, liegt aber auch daran, dass seine Führung eine Mammutaufgabe für Ehrenamtler ist. „Man muss auch erst einmal jemanden finden, der so bekloppt ist wie ich, das 20 Jahre lang ehrenamtlich und ohne Kostenersatz zu machen“, sagte Kitschen. Als er nach einem Nachfolger Ausschau hielt, habe sich niemand gefunden. Und weil der gesamte Vorstand beschlossen habe, zurückzutreten, hätte der Kulturförderverein ohnehin vor einem gewaltigen Umbruch gestanden.

Dem ist man mit der Auflösung des Vereins nun zuvorgekommen. „Ich gehöre nicht zu denen, die bis zur bitteren Neige an etwas festhalten. Man muss erkennen, wann die Zeit gekommen ist, Dinge zu ändern“, sagte Kitschen.

Wie es nun genau weitergeht, ist offen. Klar ist jedoch, dass die Stadt Wassenberg an die Stelle des Kulturfördervereins treten werde. Man sei aktuell damit beschäftigt, eine Organisationsform zu finden, die für die Nachfolge des Vereins geeignet ist, sagte Bürgermeister Manfred Winkens (CDU). Denkbar seien zum Beispiel ein Verein oder eine gemeinnützige GmbH. Trotz des Einschnitts in das kulturelle Leben, den die Auflösung des Kulturfördervereins darstellt, möchte die Stadt die Arbeit möglichst nahtlos weiterführen, sagte Winkens.

Für die Stadt bedeutet das in jedem Fall eine Menge Arbeit. Winkens kündigte an, dass man wohl nicht alle Veranstaltungen, die der Kulturförderverein auf die Beine stellte, weiterführen könne. In diesem Sinne beschrieb er die Gefühle, die die Auflösung des Vereins auslöste, als gemischt: „Glücklich war niemand. Aber eigentlich hatten alle Verständnis dafür.“ Das Engagement Kitschens lobte Winkens in den höchsten Tönen.

Welche Veranstaltungen die Stadt im Einzelnen beibehalten will, ist noch nicht abschließend zu sagen. Pressesprecherin Annika Schmitz sagte aber, dass die Rock-und-Pop-Oldie-Night weitergehen solle, auch ein Weihnachts- oder Neujahrskonzert sei vorgesehen, im Juni solle der Domchor aus Aachen kommen und man wolle die evangelische Hofkirche als Veranstaltungsort einbeziehen.

Und auch die Jugend wolle die Stadt weiterhin in Berührung mit der Kultur bringen. Hermann-Josef Kitschen gab der Stadt dafür gleich noch einen Vorschlag mit auf den Weg: Man solle sich um das „Theaterstarter“-Programm kümmern, sagte er. Er habe bei den Schulen schon einmal einen Vorstoß gewagt, der allerdings gescheitert sei, weil die Schulen lieber ihr „eigenes Süppchen“ kochen wollten. Da liege etwas brach, da könne die Stadt etwas bewegen, sagte Kitschen.

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