Der Heinsberger Bahnhof im Spiegel der Zeit

Von: Johannes Bindels
Letzte Aktualisierung:
7410313.jpg
Die Fotokombination zeigt einen Zeitsprung vom Zustand des Heinsberger Bahnhofes heute im Vergleich zum Gebäude um das Jahr 1890 (rechts). Foto/Repro: Bindels

Heinsberg. Am 29. Mai 1890 wurde die Bahnlinie Lindern – Heinsberg mit den Haltepunkten Lindern, Randerath, Dremmen und Heinsberg eröffnet. Davon zeugt ein aufwendig gestaltetes Plakat im damaligen Design. Eine Bahnlinie, die bis 1980 planmäßig betrieben wurde und über Jahrzehnte zur Weiterentwicklung der Region wirtschaftlich wie verkehrstechnisch beigetragen hat.

„Der erste Bahnhof Heinsberg wurde im zweiten Weltkrieg vollständig zerstört. Nach 1945 stand den Heinsbergern als Notbahnhof nur ein Schuppen zur Verfügung, bevor dann in den nachfolgenden Jahren der Nachkriegsbahnhof mit Gaststätte entstand“, erzählt Helmut Coenen, Vorsitzender des Heimatvereins der Heinsberger Lande, und belegt die Veränderungen jeweils mit Fotos aus seinem reichhaltigen Archiv.

Auf der Grundlage des Archivs lässt sich stichwortartig die Entwicklung der Bahnlinie Heinsberg – Lindern beschreiben. Schon 1844 wurden die ersten Gedanken zum Bau der Bahnlinie erörtert. Am 11. November 1852 wurde die Bahnlinie Herzogenrath-Rheydt eröffnet. Der folgte am 25. Januar 1878 die Einrichtung einer Schmalspurbahn zwischen Lindern und Heinsberg. Am 1. April 1887 wurde ein neuer Genehmigungsantrag für die Normalspurbahn gestellt, dem am 31. März 1890 entsprochen wurde. Am 29. Mai 1890 wurde die Bahnlinie für die Normalspurbahn mit einer Feier im „Herf‘scher Hotel“ eröffnet. Ab 1. Juni 1890 erfolgte der öffentliche Betrieb bis 1953 mittels der Dampflokomotiven. Nach dem zweiten Weltkrieg konnte der Betrieb wegen der vielen Zerstörungen erst am 1. Juni 1946 wieder aufgenommen werden. Ab 1953 bis zur Einstellung 1980 erfolgte der Betrieb mit dem Schienenbus mittels Dieselantrieb. Die letzte Fahrt war am 26. September 1980.

Lange Jahrzehnte war die Bahn das entscheidende Transportmittel, der Bahnhof auch Treffpunkt für den Anfang und das Ende einer Reise. Bahnhofsgaststätten gehörten deshalb in diese Infrastruktur wie auch in die damalige Zeit mit ihren Bedürfnissen.

Die Entwicklung des Individualverkehrs, auch aufgrund des wachsenden Wohlstands und der damit verbundenen Möglichkeit, einen eigenen Pkw zu kaufen, hat wohl zur Schließung und Stilllegung vieler Bahnlinien beigetragen. Und das Gefühl, mit dem eigenen Pkw zu jedem Zeitpunkt an jeden beliebigen Ort zu fahren, ist ein gewichtiges Moment, mit dem die Bahn auch heute noch im Wettbewerb steht.

Dass eine gewisse Skepsis neben der Euphorie mit der Eröffnung im Jahr 1890 verbunden war, belegt ein Gedicht von August Dorst, das mit den Worten schließt: „Lasst uns davon das Beste hoffen, dass keiner vom Unglück wird betroffen, dass Heinsberg die Bahn nicht wird bereu‘n und sich darüber nur kann freu‘n. Lasst muthig uns in die Zukunft schau‘n, und nur auf den lieben Gott vertrau‘n, zu ihm lasst uns bitten und flehen, dass alles zum Guten wird gehen.“

Mit der Eröffnung der neuen Bahnlinie am 15. Dezember letzten Jahres und 123 Jahre nach der ersten Eröffnung zeugt der Kopfbahnhof Heinsberg im Zentrum der Stadt wieder von der Anbindung an das Schienennetz. Und die Bewertungen fallen durchweg positiv aus.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert