Erkelenz - Der „Coach“ nimmt Abschied von den „Jungs“

Der „Coach“ nimmt Abschied von den „Jungs“

Von: Kurt Lehmkuhl
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Franz Frings, den alle nur „Fringo“ nennen, macht nach 19 Jahren Coaching beim SC 09 Erkelenz Schluss. „Seine Jungs“ bereiteten ihm einen stilgerechten Abschied, der den großen Respekt vor ihm bezeugte. Foto: Sommer

Erkelenz. „Hört endlich mit dem Gekicke auf, ihr macht nur den Platz kaputt!“ Mit diesem hämischen Ausruf – oder sinngemäß einem ähnlichen – eines unzufriedenen Betrachters eines Fußballspiels der zweiten Mannschaft der D-Junioren beim SC 09 Erkelenz, begann vor 19 Jahren eine Ära, die morgen ihr Ende findet. Franz Frings, damals als Vater eines Mitspielers der D2 ebenfalls Beobachter des Spiels, ärgerte sich maßlos über diese Bemerkung.

 „Kinder sollen spielen, sich bewegen, Sport treiben. Wir sind doch nicht in der Bundesliga!“ Zum Ärger kam der Ehrgeiz, es dem Nörgler zu zeigen.

Der Lehrer für Sport und Französisch am Cusanus-Gymnasium entschloss sich, diese so arg kritisierte Truppe der fußballbegeisterten, angeblich total untalentierten Kinder zu übernehmen. Man kennt ihn in Fußballerkreisen, viele seiner ehemaligen Schüler haben bei ihm trainiert, viele Spieler, Trainer, Schiedsrichter wurden von ihm unterrichtet. Morgen, nach dem letzten Meisterschaftsspiel in Katzem, beendet Frings seine Tätigkeit für seine „Jungs“, die auch eine segensreiche Tätigkeit für den geplagten SC 09 Erkelenz war.

19 Jahre lang als Trainer und Betreuer in einem Verein aktiv zu sein, das war nur die letzte Station von Frings, den alle nur „Fringo“ nennen. Insgesamt 46 Jahre lang hat er erfolgreich als Trainer fungiert, zunächst an der Sporthochschule des Saarlands bei einer Mannschaft, mit der er als Spieler-Trainer auch Deutscher Hochschulmeister wurde, danach in der Region, unter anderem bei Viktoria Alsdorf, und schlussendlich beim SC 09.

Altersgerecht taktisch geschult

Konsequent ging er seinen Weg, stets „seine Jungs“ fördernd, altersgerecht taktisch schulend. Und „seine Jungs“ zahlten es ihm durch Leistung zurück. Der erste Sieg, das wachsende Zusammengehörigkeitsgefühl, neue Spieler, die gerne zu „Fringo“ kommen wollten. Andere, die mit seinem bisweilen rauen, aber immer herzlichen, ehrlichen Stil nicht zurechtkamen, verließen die Gruppe. Aber der Kern, „seine Jungs“, die blieben, wurden zur C2, B2 und A2 und waren durchaus erfolgreich: Kreispokalendspiel gegen die eigene B1 oder Kreismeisterschaft in der A-Jugend.

Dann wäre „eigentlich“ Schluss gewesen. Aber es kam, wie es kommen wollte: „Seine Jungs“ wollten mit ihrem „Coach“ weitermachen als Seniorenmannschaft. Start in der C-Klasse – und prompt der Aufstieg in die B-Klasse. Ein kurzes Verschnaufen in dieser Liga und dann ein Durchstarten mit dem Aufstieg in die Kreisliga A in der Saison 07/08. Die Spieler waren stolz auf ihre Mannschaft, auf ihre „Zweite“, wollten gar nicht „Erste“ sein. Doch notgedrungen mussten sie als Erste spielen, als nämlich die Bezirksligamannschaft des SC 09 sang- und klanglos im Nichts verschwand. Ohne Frings und seine Truppe hätte der SC 09 ein großen Problem gehabt.

Inzwischen spielt die Mannschaft wieder in der B-Liga und hat in den letzten Jahren ihr Gesicht verändert. Verständlicherweise, viele „seiner Jungs“ haben studiert, eine Ausbildung absolviert und wohnen längst nicht mehr in Erkelenz. Jetzt ist es Zeit zu gehen, sagte sich Frings.

Doch „seine Jungs“ wären nicht „seine Jungs“ gewesen, hätten sie ihn nicht am letzten Trainingsabend seiner Karriere überrascht. Fast alle waren noch einmal gekommen, auch die, die schon in D-Jugendzeiten dabei waren, um mit ihm zu trainieren und gegen die aktuelle Mannschaft zu spielen. Und auch hier bliebt dem inzwischen fast 73-jährigen Frings der Schlussakkord überlassen. Beim Stande von 4:3 „seiner Jungs“ gegen die jetzige Mannschaft gab es mit dem Schlusspfiff einen Elfmeter. Frings musste ran. Sein letzten Tor in seinem letzten Trainingsspiel führte zum 4:4. Es würde passen, wenn er in seiner launigen Art gesagt hätte: „Hört endlich mit dem Gekicke auf, ihr macht nur den Platz kaputt.“

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