Denkmalschützer bedauern den Abriss an der Brassertstraße

Von: Ingo Kalauz
Letzte Aktualisierung:
10976167.jpg
Abriss: Häuser der Bergarbeitersiedlung an der Brassertstraße müssen Platz machen für 100 neue, moderne Wohneinheiten. Das ruft Kritik von der Denkmalpflege hervor. Die Stadt wollte verhindern, dass sich dort ein sozialer Brennpunkt entwickelt. Foto: Lenz

Hückelhoven. Nur noch ein Bagger und ein großer Haufen Schutt erinnern an der Brassertstraße auf der Höhe über der heutigen Kernstadt noch an die Häuser der Siedlung für die Bergarbeiter. Die hatte man in den 1920er Jahren dort hingebaut, um den für die Maloche im Schacht dringend gesuchten Kumpeln ein anständiges Dach über dem Kopf zu geben.

Weil für die Knochenarbeit untertage übertage ein Ausgleich da sein musste, gehörte ein großes Stück Garten zu den Häusern dazu: Nach der Schicht Unkraut jähten und Kartoffeln setzen, frische Luft schnappen.

Große Mehrfamilienhäuser

Andere Zeiten waren das damals, so ist das immer, die Zeit bleibt nie gleich, eigentlich sind immer „andere“ Zeiten. Die Häuser jedenfalls wurden jetzt dem Erdboden gleich gemacht, dort sollen in den kommenden Monaten in drei großformatigen Mehrfamilienhäusern knapp 100 modernen Wohnansprüchen gerecht werdende Wohneinheiten errichtetet werden; die Gärten werden überbaut. Keine Sozialwohnungen – „hochwertiger Wohnraum“ soll da entstehen. Die Lage mit Blick bei guter Fernsicht bis rein in die Eifel ist ohnehin eins A. Soweit, so gut. Oder nicht?

„Der Bebauungsplan 1-130-0, Hückelhoven, Brassertsraße wird einschließlich der dazugehörigen Begründung nach §10 BauGB als Satzung beschlossen.“ Jetzt kann also neu gebaut haben werden, denn diesem Beschlussvorschlag haben in der letzten Sitzung des Rates vor den Herbstferien die Stadtverordneten mehrheitlich durchgewunken.

Auch die Sozialdemokraten haben zugestimmt, wenn auch mit ganz erheblichen Bauchschmerzen. Deren Fraktionsvorsitzender Jörg Leseberg sprach von einem „massiven Eingriff“ und von einem „Hau-Ruck-Verfahren“, mit dem der Abriss der alten Siedlungshäuser durchgezogen wurde; er klagte darüber, dass man die parlamentarischen Gremien nicht so eingebunden habe, wie das bei einem Entschluss dieser Tragweite nötig gewesen wäre („der Beschluss wurde durchgepeitscht“) und verwies auf die Stellungnahme des Amtes für Denkmalpflege im Rheinland.

In dieser Stellungnahme des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) heißt es: „Mit großem Bedauern wird der vollzogene Abbruch dieses bedeutenden Teils einer der drei wichtigen Bergarbeitersiedlungen zur Kenntnis genommen, von dem seitens des LVR-Amtes für Denkmalpflege zuvor dringend abgeraten worden war.“

Warum also hat die Stadt sich dennoch für den Abriss der Häuser und eine Neubebauung entschieden? Die Gründe dafür sind von der Verwaltung in einem Schreiben an das LVR-Amt für Denkmalpflege vom April dieses Jahres so formuliert worden: „Die Stadt Hückelhoven ist bei den Bemühungen zur Bewältigung des Strukturwandels in der Postmontanzeit auf einem sehr guten Weg.

Dennoch sind die Auswirkungen der ehemaligen dominanten Wirtschaftsstruktur an vielen Stellen noch deutlich spürbar. Insbesondere in dem Viertel der ehemaligen Zechensiedlung „Am Wadenberg“ sind ein erheblicher Downgradingsprozess sowie deutliche Segregationseffekte feststellbar, so dass die Gefahr einer Entstehung eines sozialen Brennpunktes besteht. Dieser Entwicklung gilt es entgegenzuwirken.“

Soweit also die allgemeine, sozusagen sozialpolitische Begründung für die Umsetzung der Maßnahme. Die Verwaltung begründet auch, warum sie aus ihrer Sicht schnell handeln musste: „Zwar ist die Beteiligung der Stadt am Sozialmonitoring, das auf Ebene des Kreises Heinsberg installiert wurde, möglicherweise eine Alternative zu der jetzt initiierten Maßnahme, allerdings ist die Dauer der Vorbereitungen realistischer Weise mit mehreren Jahren zu beziffern. Um die Zeit bis dahin nicht verstreichen zu lassen, kam die Verwaltung zu dem Entschluss, Sofortmaßnahmen umzusetzen.“

Das Amt für Denkmalpflege im Rheinland bleibt dabei: „Die vorgesehene Art der Bebauung ist aus Sicht der Denkmalpflege abzulehnen.“

In einem Gespräch zwischen Denkmalpflegeamt und Verwaltung konnten die Wogen zwischenzeitlich allerdings etwas geglättet werden: Man hat den Abbruch der Siedlungshäuser an der Brassertstraße zum Anlass genommen, „eine gründliche Analyse und Neubewertung der erhaltenen Siedlungsstruktur Hückelhovens und der sie prägenden Bergarbeitersiedlungen vorzunehmen.“ Erklärtes Ziel beider Seiten soll dabei sein, dem Baubestand „hinsichtlich der denkmalpflegerischen Erhaltungsziele“ in Zukunft besser gerecht zu werden als bisher.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert