Den Schulfrieden in Hückelhoven nicht gefährden

Von: Daniel Gerhards
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Gute Ergänzung: Das dreigliedrige Schulsystem und die Gesamtschule funktionieren nebeneinander, meint Realschulleiter Sven Hagen. Foto: Daniel Gerhards

Hückelhoven. Steht das dreigliedrige Schulsystem mit Gymnasium, Realschule und Hauptschule vor dem Aus? Diesen Eindruck kann man bekommen, wenn man in der vergangenen Woche das Interview mit Georg Schiefelbein, Leiter der Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule in Hückelhoven, gelesen hat.

Schiefelbein hatte darin gesagt: „Das dreigliedrige Schulsystem geht den Bach runter. Es läuft alles auf ein zweigliedriges System von Gymnasium und Gesamtschule hinaus.“ Diese Einschätzung will Sven Hagen, Leiter der Realschule in Hückelhoven-Ratheim, nicht so stehen lassen.

Kein Frontalangriff

Im Gespräch redet Hagen über ein gutes Schulsystem, das durchlässig sei, das jederzeit alle Chancen biete – und er setzt nicht zum Frontalangriff auf die Gesamtschule an. Darum geht es ihm nicht. Hagen will klarmachen, dass die Gesamtschule und das dreigliedrige Schulsystem aus seiner Sicht nebeneinander funktionieren.

Das könne er zumindest für seine Stadt sagen: „Wir haben in Hückelhoven einen Schulfrieden, der sehr geschickt vom Schulträger herbeigeführt wurde“, sagt Hagen. Weil Gesamtschule und Realschule in ihrer Größe gedeckelt sind, könnten beide Schulen – genauso wie die Hauptschule – existieren. Die Schülerzahlen gäben es für alle Schulformen her. Die Gesamtschule kann also nicht auf Kosten der Realschule wachsen – und umgekehrt geht das auch nicht.

Das bedeute für die Eltern, dass sie nach der vierten Klasse die freie Auswahl haben. Eine Wahl, die vielen sicher nicht leicht fällt. „Ich ärgere mich darüber, dass die Eltern verunsichert werden. Es wird in Hückelhoven viel Geld in das dreigliedrige Schulsystem gesteckt. Da kann man sich nicht hinstellen und sagen ,das dreigliedrige Schulsystem geht den Bach runter‘.“

Natürlich weiß auch Hagen, dass in vielen Orten Hauptschulen geschlossen werden. Dass Gesamtschulen gegründet werden. Das liege dann aber auch an den Entscheidungen in den jeweiligen Stadträten. „Schulpolitik wird in den Kommunen gemacht“, sagt er. „Wenn in einer Kommune eine Hauptschule geschlossen wird, dann macht man damit das dreigliedrige Schulsystem porös. Dann steht man nicht hinter dem dreigliedrigen Schulsystem.“

Hinter solchen Entwicklungen steht die Sorge der Eltern, dass ihre Kinder auf der Hauptschule nicht gut aufgehoben sind. Dass ein Hauptschulabschluss nichts wert ist. Und dass das Klientel an der Hauptschule dem eigenen Kind schadet. Das sei einerseits ein medial erzeugtes Bild, sagt Hagen.

Andererseits müsse man sich die Frage stellen, welche Schüler denn eine Gesamtschule besuchen, die anstelle einer Hauptschule eröffnet wird. Wenn die Schülerzahlen an der Realschule und dem Gymnasium in der gleichen Kommune sich nicht verändern, dann besuchen dieselben Schüler diese Gesamtschule, die sonst zur Hauptschule gegangen wären. An den Voraussetzungen für die Wahl der richtigen Schulform ändert sich dann wenig.

Dass die Gesamtschule nun vielerorts den drei klassischen Schulformen Konkurrenz macht, habe „gutgetan“. „Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien mussten sich bewegen. Und das haben sie auch getan. Der Unterricht hat sich verändert. Das Schüler-Lehrer-Verhältnis ist besser geworden“, sagt Hagen.

Ein Blick auf die Zahlen

Aber der Vorteil des dreigliedrigen Schulsystems sei geblieben: In einer eher homogenen Lerngruppe kann man das einzelne Kind besser fördern, so das Argument. Und das führe zu besseren Lernergebnissen: „Die durchschnittliche Schulleistung eines Gesamtschülers rangiert nach Pisa gerade einmal zwischen der eines Haupt- und eines Realschülers“, heißt es in einem Papier des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages.

Dass das dreigliedrige Schulsystem nicht am Ende sei, zeige schon ein Blick auf die Zahlen. „Es entscheiden sich viel mehr Eltern für das dreigliedrige Schulsystem als für die Gesamtschule“, sagt Sven Hagen.

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