Demografischer Wandel: Politik muss die richtigen Schlüsse ziehen

Von: agsb
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Wohin geht die Reise: Demografischer Wandel fordert die Politik heraus. Darüber sprach Norbert Reyans in Tüddern. Foto: agsb

Selfkant-Tüddern. Selfkants Bürgermeister Herbert Corsten fand es bemerkenswert, dass Anna Stelten von der Jungen Union das Thema Demografischer Wandel aufgriff und zusammen mit den beiden Jugendverbänden aus Gangelt und Waldfeucht sowie den drei CDU-Gemeindeverbände zum Referat eingeladen hatte.

Als Referent sprach Norbert Reyans, Kreistagsfraktionsvorsitzender der Christdemokraten. Er befasst sich seit langem mit diesem Thema: „Dieses Thema beschäftigt uns auf Dauer. Städte, Gemeinden Kreis, Land und Bund sind gefordert, wobei wir hier auf kommunaler Ebene nicht warten dürfen, bis es kurz vor 12 ist“, sagte Reyans.

Er sprach eine Studie an, die bis in das Jahr 2030 hineinreiche. Für die Gemeinde Selfkant sah Reyans die Zahlen von 9910 Einwohner (Stand 2012) drastisch auf 9200 zurückgehen. Waldfeucht soll demnach einen Rückgang von 8730 (2012) auf 8410 verzeichnen, lediglich für Gangelt gibt es eine Wachstumsprognose: von 11.450 (2012) auf 11.720 (2030).

Weitere Hochrechnung für den Kreis Heinsberg sorgten für Erstaunen: Die Altersgruppe der 60- bis 70-Jährigen soll sich von rund 27.000 im Jahr 2012 um 57,2 Prozent auf rund 45.000 Menschen vergrößern. In der Altersgruppe der 70- bis 80-Jährigen erwartet die Studie ein Plus von 27,3 Prozent, bei den 80- bis 85-Jährigen kämen 21,3 Prozent hinzu und in der Gruppe der 85- bis 90-Jährigen soll die Steigerung 51,8 Prozent betragen. Auch in der Gruppe ab 90 Jahre gibt es ein dickes Plus.

Besorgnis erregten die prognostizierten Zahlen bei der jüngeren Generation: Die Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen verliert 26,5 Prozent und soll im Jahr 2030 noch rund 25.000 Personen stark sein. Die Gruppe der 14- bis 18-Jährigen wird um 29,2 Prozent kleiner und rutscht unter die 10.000er-Marke. 19 Prozent Minus werden bei in der Gruppe zehn bis 14-Jährigen erwartet.

Aus diesen Zahlen muss die Politik nun die richtigen familienpolitischen Schlüsse ziehen: „Wenn wir wollen, dass junge Familien hier eine Heimat finden, müssen wir sichere Arbeitsplätze schaffen. Ausbildungsplätze sind enorm wichtig, damit junge Menschen hier bleiben“, warf Reyans einige Diskussionspunkte zum Nachdenken in die Runde.

Einen weiteren wichtigen Punkt beim Demografischen Wandel sah Reyans in den Kindergärten. Kitaplätze könnten eine Stellschraube sein, an der die Kommunalpolitik drehen könne.

Ebenso spiele der Öffentliche Personennahverkehr eine wichtige Rolle. Derzeit verursacht er jährlich 8,5 Millionen Euro Miese in der Haushaltskasse des Kreises Heinsberg. Er sei aber bei diesem Thema von Bedeutung. Der Erka-Bus (für den Raum Erkelenz) sowie der Multi-Bus sollten noch mehr eingebunden werden. Ein Bürgerbus bleibt für Norbert Reyans vorerst Wunschdenken. „Und in Sachen Nachversorgung ist es wichtig, uns heute schon mit diesem Thema zu befassen“, sagte Reyans weiter.

Ferner sprach Reyans auch über neue Baugebiete. Vielleicht sei dabei eine neue Ausrichtung nötig. „Die Familien werden immer kleiner, vielleicht sind Single-Wohnungen – auch für ältere Menschen – hier ein Lösungsansatz“, sagte er.

Einig waren sich alle Anwesenden, dass auch das Vereinsleben sowie die Bewahrung von Traditionen – wie Kirmesveranstaltungen – ein Dorf am Leben halten.

Reyans forderte, dass die Akteure im ganzen Kreis in der Alterspolitik an einem Strang ziehen: „Wir alle sind der Kreis Heinsberg, wir müssen da zusammenarbeiten. Das Miteinander hat über Jahrhunderte die Gegend geprägt und so lebens- und liebenswert gemacht“, sagte er.

Nach dem Referat folgte eine lebhafte Diskussion. Einigkeit herrschte dabei in einem Punkt: Der Demografische Wandel nimmt schnell an Fahrt auf und lässt sich nicht aufhalten.

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