Demenz: Innere Haltung fotografisch sichtbar gemacht

Von: Ingo Kalauz
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Der Heinsberger Hans-Josef Jansen war viele Jahre Vorsitzender des Hückelhovener Fotoclubs. Seit einigen Jahren fotografiert er mehr themenbezogen. Foto: Ingo Kalauz
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„Verdrehte Welt“ ist dieses Bild von Hans-Josef Jansen betitelt, das in der Ausstellung in Haus Berg zum Thema „Konfetti im Kopf“ zu sehen ist.

Heinsberg/Hückelhoven-Brachelen. Der schnelle Schuss, also der Schnappschuss, ist sein Ding nicht: „Für mich wird Fotografie besonders spannend, wenn sie mit Menschen zu tun hat. Und das ist oft kompliziert“, sagt Hans-Josef Jansen, als er eine großformatige Mappe auf das Sofa im Wohnzimmer seines Hauses an der Begasstraße in Heinsberg legt.

Bilder, die er zum Thema „Demenz“ in Szene gesetzt und belichtet hat, sind darin bewahrt. Er öffnet die Mappe, zieht einen Stapel Fotopapier heraus und breitet die Abzüge, allesamt in schwarz und weiß gehalten, aus. „Das Thema Demenz, das ja inzwischen zu einem gesellschaftspolitischen Hauptthema geworden ist, beschäftigt mich schon seit geraumer Zeit“, sagt Jansen.

Zur Gründung der Alzheimer-Gesellschaft im Kreis Heinsberg hatte man 2012 bei ihm angefragt, ob er sich dem Thema, „das damals noch ein Tabu war, als Demenz noch ein Schattendasein fristete“, mit den Mitteln der Fotografie und mit der Sprache, in der er sich in diesem Medium ausdrückt, annehmen wolle.

„Diese sinnbildlichen Fotografien wurden dann in der Aula in Hückelhoven präsentiert“, sagt Jansen. Im Jahr zuvor hatte er sich dem Sujet bereits unter dem Titel „Glücklich trotz Demenz“ mit einer Ausstellung in Übach-Palenberg angenähert. Beim Betrachten der Fotografien Jansens zu diesem Thema lässt sich schon auf den ersten Blick etwas herauslesen, was heute selten geworden ist: Sie sind der sichtbare Ausdruck einer inneren Haltung.

Dass man ausgerechnet auf ihn zukam, als man dieses sensible Thema visualisieren wollte, kommt nicht von ungefähr: Der Autodidakt Hans-Josef Jansen ist seit mehr als einem Vierteljahrhundert mit seinen Fotografien national und international erfolgreich, er war an vielen Gruppenausstellungen mehrerer Fotoclubs beteiligt und zeigte seine Bilder auch in einigen sehr erfolgreichen Einzelausstellungen der Öffentlichkeit.

„Ich habe die Fotografie erst sehr spät, in den 1980er Jahren, für mich entdeckt“, sagt der heute 64-Jährige, der in seinem Arbeitsleben Diplom-Vermessungsingenieur war. Er schloss sich damals der Fotogruppe in Hückelhoven an, wurde nach vier Jahren Vorsitzender des Fotoclubs. „Den Vorsitz habe ich nach 15 Jahren abgegeben, ich wollte mich wieder mehr meinen eigenen Projekten widmen können“, sagt Jansen.

Die eigenen Projekte – das sind themenzentrierte Folgen von Einzelaufnahmen. „Im Glanz der Scheinwerfer“ beispielsweise ist das Projekt betitelt, bei dem Jansen über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg im Licht der blauen Stunde, also im Übergang von Hell zu Dunkel, angestrahlte Sehenswürdigkeiten im Kreis Heinsberg ins Bild gesetzt hat.

Eine Bildreihe ist so entstanden, die den Blick auf die kleine Einzelheit genauso zulässt wie sie die Sicht auf das große Ganze nicht verstellt. Jansen isoliert Details und zelebriert Weitblicke in seinen Fotografien gleichermaßen; seine Arbeiten sind geprägt von Geduld und Verständnis einerseits, Einfühlsamkeit und Ausdauer andererseits.

Natürlich hat Jansen sich längst neue Aufgaben gesetzt, drei Bildreihen sind bereits weitgehend abgeschlossen („Die Welt ist eine Bühne“, „Auf dem Weg zur Maas: Die Rur“ und „Verdrehte Ansichten“ sind die Arbeitstitel), andere Themen hat er im Auge.

„Konfetti im Kopf“ ist die bundesweite Kampagne betitelt, unter der die Fotografien von Hans-Josef Jansen zum Thema „Demenz“ jetzt im Haus Berg in Brachelen gezeigt werden. Das Fehlen von Farbe, also die Reduktion auf das reine Schwarz und das klare Weiß, lenkt die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche.

Das Zusammenspiel von Licht und Schatten, die sich daraus ergebenden Kontraste und die sich so entwickelnden Spannungen lässt Jansen in seinen fotografischen Arbeiten miteinander spielen und schöpft deren Polarität virtuos aus.

Diese Bilder fesseln, auch weil Hans-Josef Jansen sich visuell der komplexen Problematik des Themas „Demenz“ auf eine angemessene, auf eine warmherzige Art nähert: Er gibt in seinen Fotografien der Zeit die Zeit, die Zeit für den Bruchteil einer Sekunde anzuhalten.

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