Dem Baseball zuliebe hinter Gittern

Von: agsb
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Gar nicht mal so einfach: Die Baseball-Spieler erklären den Inhaftierten die Grundlagen des Sports. Dabei lernen sie, dass vor allem die Rolle des Schlagmanns im Spiel entscheidend ist. Foto: agsb

Heinsberg. Viele Vereinsmannschaften aus dem Kreis Heinsberg haben schon hinter die Gefängnismauern der Justizvollzugsanstalt (JVA) Heinsberg geblickt, wenn auch nur für einen begrenzten Zeitraum. Mit den Inhaftierten absolvierten sie Trainingseinheiten, bestritten Freundschafts- und Testspiele. Die JVA erlebte nunmehr eine Premiere: Erstmals schaute ein Baseball-Verein vorbei.

So betraten nicht nur die Squirrels aus Wassenberg bei dem dreistündigen Training Neuland, auch die ausgewählte Sportgruppe der Inhaftierten – 13 Spieler – schnupperte an der ihnen noch unbekannten Sportart. Und die Wassenberger Baseballspieler hatten schweres Gepäck dabei.

Nicht nur die umfangreiche Trainingsausrüstung war im Gepäck, auch ein mobiler Schlagkäfig wurde neben dem Sportplatz aufgebaut. Dieser Schlagkäfig besteht aus einem geschlossenen Rechteck aus Netzen oder Maschendraht, in dem der Schlagmann trainiert. Schon beim Aufbau des Trainingsgeräts zeigte sich der Teamgeist der Squirrels, schnell stand der Käfig. Dass bei diesem Training nicht nur die Sportler aus Wassenberg ordentlich ins Schwitzen kommen sollten, betonte Squirrels-Vorsitzender Peter Dohmen, indem er gleich zum nächsten Morgen blickte: „Auch wenn ihr gut im Training seid, morgen zwickt es hier und da, der Muskelkater kommt bestimmt.“

Der Vorsitzende stellte die Grundausstattung im Baseballsport vor, zückte aus seiner großen Sporttasche Schläger, Bälle, Handschuhe und Helme. Damit das Baseball-Training in der JVA keine einmalige Aktion bleibt, übergab er die Sporttasche samt Inhalt den Sportbeamten Leif Herfs und Peter Gülpen für ihren Unterrichtssport. Diese zeigten sich überrascht und dankten dem Vereinsvorsitzenden. Der Gründung einer neuen Sportgruppe innerhalb der JVA sollte somit nichts mehr im Wege stehen.

Die Inhaftierten zeigten sich begeistert, die erste Trainingseinheit machte schon Lust auf mehr. Besonders das Training im mobilen Schlagkäfig weckte die Motivation der 13 Spieler. Eine Ballwurfmaschine schleuderte den Ball in Richtung des Schlagmanns, dieser musste dann versuchen, den Ball zu treffen. „Ganz einfach“, sagten einige Mutige und wurden schnell eines Besseren belehrt. Mit Schwung schlugen sie am Ball vorbei. „Ihr müsst stehen bleiben und den Blick voll auf den Ball richten. Der Schlag muss aus der Hüfte heraus kommen, ansonsten wird zu viel Kraft verpulvert“, erklärte Dohmen und zeigte, wie es geht. Die Bälle wurden nur so weggefegt, wobei auch die Vereinsspieler nicht ohne Fehlschläge waren.

Während eine Gruppe im Wurfkäfig ihr Glück versuchte, trainierte eine andere Gruppe auf dem Platz das Werfen und Fangen. Die Experten gaben Tipps zum Wurf, zeigten, wie man mit dem Handschuh die Bälle sicher auffängt. Auch das sah einfach aus, doch mit jedem Wurf wurden die Arme schwerer – zumal der Abstand zwischen den Partnern mit jedem Wurf größer wurde. Kondition und Geschick waren gefragt.

Die Experten staunten über das Talent der Jugendlichen der JVA, wobei im Training die anfänglichen Berührungsängste endgültig abgelegt wurden. Nachdem die Grundlagen des Baseballspiels klar waren, bildeten die Sportler im zweiten Teil der Trainingseinheit zwei gemischte Teams. Es folgte ein packendes Spiel. Das Erstaunen auf Seiten der Squirrels und der Jubel der Insassen waren groß, als dann tatsächlich ein Jugendlicher den ersten Home Run seines Lebens schlug und den Ball über die 65-Meter-Markierung zimmerte. Eine sportliche Leistung, die manchem gestandenen Squirrels auch nach vielen Jahren Spielpraxis immer noch nicht gelungen ist. Und so wundert es nicht, dass der Ruf nach einer Wiederholung des Trainings mit den Wassenbergern groß war. Erste Anmeldungen für eine JVA-Baseball-Mannschaft gab es schon.

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