„Davidstern und Lederball“: Holocaustgedenkfeier im Gymnasium

Von: hl
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Am Städtischen Gymnasium in Hückelhoven fand eine Gedenkfeier zum Holocaust-Gedenktag mit gleichzeitiger Ausstellungseröffnung zum Thema „Davidstern und Lederball-Juden im deutschen Fußball“ statt.

Hückelhoven. „Nie wieder“ war der rote Faden, der sich durch die Holocaustgedenkfeier unter dem Titel „Davidstern und Lederball – Juden im deutschen Fußball“ im C-Gebäude des Gymnasium zog. Der Schulleiter Arnold Krekelberg begrüßte als Hausherr eine erfreulich große Zahl an Teilnehmern, unter ihnen viele junge, und zeigte sich sehr angetan vom Engagement seiner Schülern.

Bürgermeister Bernd Jansen zitierte zu Anfang seiner engagierten und beeindruckenden Rede den hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts den Auschwitz-Prozess vorbereitet hatte: „Wir können aus der Erde keinen Himmel machen, aber jeder von uns kann etwas tun, dass sie nicht zur Hölle wird.“ Die Hölle sei die Todesfabrik Auschwitz gewesen, in der mehr als eine Million Menschen durch Gas, Folter und medizinische Experimente ermordet worden seien.

Eine Gedenkstunde wie die heutige lege Zeugnis darüber ab, was geschehen sei wie über das, was heute gelte. Eine freie, humane und tolerante Gesellschaft stelle sich dem Grauen der Vergangenheit und bekunde, dass sich ein solcher Zivilisationsbruch nie wiederholen dürfe. Jansen wies auch darauf hin, dass wir fassungslos gegenüber der Mordserie des NSU stünden und dass die Zwickauer Terrorzelle ein Jahrzehnt unentdeckt im Untergrund habe agieren können. „Wir bekräftigen, dass unser Land, dass die Erde nie wieder zur Hölle werden darf.“

Hans-Jürgen Knubben, Sprecher von Pax Christi Hückelhoven, erinnerte daran, dass seit 1997 dieser Gedenktag, nachdem er ein Jahr zuvor vom damaligen Bundespräsidenten Werner Herzog als Erinnerung an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 eingeführt worden war, in Hückelhoven begangen werde. Und erste Bedenken gegenüber dem ungewöhnlichen Leitwort dieser Gedenkfeier seien bald der Erkenntnis gewichen, dass „die große Begeisterung für den Fußball vielleicht einen Beitrag leisten (könnte), neue Wege der Geschichtsvermittlung und Erinnerungskultur bei jungen Menschen zu beschreiten“. Leider habe die Initiative des DFB, an Spielen um den 27. Januar herum der Gräuel der Vergangenheit zu gedenken, kaum ein Echo gefunden (siehe das Spitzenspiel Bayern-Schalke).

Die 13 Schüler der Teilkonferenz „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ hatten sich in monatelanger Arbeit mit dem Thema „Davidstern und Lederball – Juden im deutschen Fußball“ auseinandergesetzt. Unterstützt haben sie dabei die Lehrer Karolin Kaumanns, Christoph Esser, Jörn Grunewald und Christine Wolff, die Vorsitzende der Teilkonferenz.

Das Thema Fußball wurde ausgewählt, weil viele Jugendliche damit zu tun haben und es auch ein Thema für viele Menschen in unserem Land ist. Dazu wurden von den Schülern selbstständig einzelne Schwerpunkte erarbeitet, die mit Hilfe von Fotos, Grafiken und auch einem Beitrag der Tagesthemen vorgestellt wurden. Solche Schwerpunkte waren unter anderem Fußball in der Propaganda, der Deutsche Fußballbund, Fußball in den Konzentrationslagern, Spielerporträts, Makkabi Deutschland (ein Verband von jüdischen Sport- und Fußballvereinen).

Aber es ging nicht nur um die Aufarbeitung der Vergangenheit: An vielen Beispielen wurde aufgezeigt, wie auch heute noch in den Stadien Antisemitismus, Rassismus und Homophobie zu finden sind und wie schwer es denen gemacht wird, die dagegen angehen. Auch müssen sich Spieler, die dem jüdischen Turn- und Sportbund „Makkabi“ angehören, bei ihren Spielen Pöbeleien und Hasstiraden anhören.Übrigens ging der Judenhass im Dritten Reich so weit, dass auch jüdische Nationalspieler in Auschwitz ermordet wurden. Und Widerstand war höchst selten zu finden, wie etwa bei Borussia Dort-mund. Die Ausstellung zum Thema ist noch einen Monat im Brunnenhof des Gymnasiums zu sehen.

Rainer Kind (Cembalo) und Jost Mattar (Flöte) spielten Werke von Händel und Telemann und gaben mit ihrer meditativen Musik Zeit zum Nachdenken über das Gehörte und Gesehene.In seinen Abschlussworten dankte Pfarrer Frank Mischnik der Teilkonferenz für ihre engagierte Mitgestaltung der Gedenkfeier und wies darauf hin, dass Shalom (dieses Wort war in hebräischer Schrift auf einem Banner im Foyer zu sehen) in der Bibel nicht nur Frieden bedeute, sondern auch Heil und Wohlergehen für alle Menschen. Mit einem Segensgebet beendete er die beeindruckende Veranstaltung.

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