Das Übungsszenario: Frau im Parkhaus überfallen

Letzte Aktualisierung:
12409425.jpg
Wie setzt man sich gegen einen Angriff zur Wehr: 15 Frauen und Mädchen haben das jetzt bei einem Selbstverteidigungskurs des Ju-Jutsu-Clubs Heinsberg gelernt. Foto: imago/Becker&Bredel

Heinsberg. Was tun, wenn man sich als Frau nicht sicher fühlt? Zum Beispiel abends auf dem Heimweg. Viele Frauen versuchen sich in Selbstverteidigungskursen Fähigkeiten anzueignen, mit denen sie – im Falle des Falles – einen Angreifer abwehren können. Solche Kurse bieten auch Sportvereine an, zum Beispiel der Ju-Jutsu-Club Heinsberg.

Gerade ist dort ein zehnwöchiger Selbstverteidigungskurs für Mädchen und Frauen zu Ende gegangen. Die 15 Teilnehmerinnen, zwischen zwölf und 60 Jahren, waren nicht zuletzt durch die Vorkommnisse in der Kölner Silvesternacht motiviert, regelmäßig am Kurs teilzunehmen. Durch die Einheiten führte der dafür speziell ausgebildete Kursleiter und Vereinstrainer, Roland Tillmanns. Er ist Inhaber des 2. Dan im Ju-Jutsu.

Die Mädchen und Frauen gingen mit völlig unterschiedlichen Erwartungen an den Kurs heran. Während die eine Teilnehmerin ihre Sinne schärfen wollte, stand bei der Anderen das Bestehen einer Gefahrensituation und bei wiederum einer anderen einfach die Angstbewältigung auf dem Plan. Sehr zur Freude des Kursleiters, denn genau das waren drei der wesentlichen Themen des Lehrgangs.

Jeder Kursabend wurde vom Ausbilder so gestaltet, dass es vor der praktischen Einheit immer eine theoretische Einheit gab. Hier wurden Themen wie Grenzen setzen, die persönliche Distanzschwelle, Angstbewältigung, Angsträume, Wahrnehmungsschulung, Stimmschulung und viele weiter wichtige Themen ausgearbeitet. „Die Mitarbeit der Teilnehmerinnen war grandios, es wurde viel diskutiert und auch gelacht, aber letztlich wurde das Thema ernsthaft bearbeitet“, sagte Tillmanns. „Die drei L, wurden zum Leitsatz der gesamten Ausbildung: Licht, Lärm und Leute.“

Diese Begriffe beziehen sich auf den Fortlauf der Ausbildung und sollten fest verankert in den Köpfen der Frauen sein. Sie beschreiben eine Abfolge, die im Falle eines Angriffs sehr hilfreich sei, wenn man sie beherzt anwende.

In solchen Kursen gibt es auch praktische Einheiten. Im Kurs „Starke Frauen für Heinsberg“ wurden spezielle Abwehrtechniken gegen eine Vielzahl von Angriffen wie zum Beispiel würgen am Hals oder eine Überwältigung am Boden geübt. Weiterhin wurden Hebel, Schlag- und Tritttechniken ausgebildet, frei nach dem Motto: weniger ist mehr. Denn „eine Überflutung mit Selbstverteidigungstechniken macht in einem zehnstündigen Kurs wenig Sinn“, sagte Tillmanns. Vielmehr sollten die Teilnehmerinnen ermutigt werden, wenige wesentliche Techniken zu erlernen und im Ernstfall auch anzuwenden.

Nach der neunten Kurseinheit offenbarte der Kursleiter den Frauen den Höhepunkt des Kurses. In enger Absprache mit der Stadt Heinsberg und der Kreispolizeibehörde fand am letzten Kursabend unter Unterstützung von vier männlichen Teilnehmern (Nikolai Benden, Christoph Schröders, Dominik Jansen und Peter Siebertz, allesamt erfahrene Ju-Jutsu Sportler) ein Szenariotraining im Parkhaus am Krankenhaus in Heinsberg statt. Hier wurden bei passender Szenerie von den „Bösewichten“ Angriffe realistisch dargestellt und „die Frauen wurden tatsächlich kontrolliert angegriffen“, sagt Tillmanns.

Nun galt es die Inhalte des Kurses so umzusetzen: Die Frauen sollten sich schnell aus der Affäre zu ziehen – ohne sich in Gefahr zu bringen. „Das hat vortrefflich geklappt“, sagte Tillmans.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert