Das Handbuch der regionalen Obstbäume

Von: Dieter Schuhmachers
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Streuobstwiesen sind seltener
Streuobstwiesen sind seltener geworden. Aber Naturschützer in der Region haben viele alte Obstbaumsorten gefunden, um eine neue Generation nachzuziehen. Foto: imago/imagebroker

Aachen/Wegberg. In die Rolle von Obst-Detektiven sind in den vergangenen drei Jahren Biologische Stationen und Naturschützer vom Nabu aus dem gesamten Rheinland geschlüpft.

13 Projektpartner haben sich dank finanzieller Unterstützung vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) und unter Federführung der Biologischen Station der Städteregion Aachen auf die Suche nach alten Obstsorten gemacht und sind fündig geworden: „Tausenden von Hinweisen aus der Bevölkerung und aus Fachkreisen wurde nachgegangen, Hunderte von Fruchtproben wurden genommen und durch Pomologen untersucht”, berichtete Katharina Tumbrinck von der Nabu-Naturschutzstation Haus Wildenrath am Donnerstag in Wegberg.

Die hilfreichen Tipps von Obstfreunden, die intensive Recherche der Naturschützer und nicht zuletzt der Expertenrat der Obstkundler machten es schließlich möglich, dass von 143 erfassten Obstsorten 49 als Lokal- und Regionalsorten bestätigt werden konnten. Das Ergebnis der Spürnasenarbeit liegt nunmehr in gedruckter Form vor. Am Donnerstag wurde gemeinsam von LVR und Nabu das 144 Seiten umfassende Handbuch vorgestellt, das die 49 Sortensteckbriefe präsentiert. Da sind diverse Apfelsorten ­ von Cornelys Hausapfel aus dem Raum Aachen über den Eifeler Rambur und den Linnicher Bohnapfel bis zum Schönen aus Elmpt zu entdecken, aber auch acht Birnen-, zwei Kirschen- und eine Pfirsichsorte, der Wassenberger Sämling.

Nicht nur in alten Aufzeichnungen und in der Literatur wurden die Obst-Detektive fündig. Von fast allen Sorten waren noch Altbäume im Rheinland vorhanden. „Um eine erste neue Generation an Jungbäumen nachzuziehen, wurden Edelreiser genommen”, erklärte Tumbrinck. Wer also nun bei der Lektüre des Buches auf den Geschmack kommen sollte und selbst Bäume seiner Wahl besitzen möchte, kann noch rasch bis Ende Februar (oder in den folgenden Jahren) die entsprechenden Sorten bei einzelnen Obstbaumschulen in Auftrag geben. Eine Liste der Obstbaumschulen haben die Biologischen und Naturschutzstationen in der Region. Die Reiser, die einjährigen Triebe, können nur im Winter geschnitten werden, um sie dann im März zu veredeln und schließlich im Herbst einzupflanzen.

Denn mit der vom LVR getragenen Förderung von rund 300 000 Euro sollte nicht nur ein reich bebildertes Sortenhandbuch entstehen (die Arbeit an einem Folgeband hat bereits begonnen). Ein bedeutsames Ziel ist die Rettung der vom Aussterben bedrohten Sorten, um sie für die Nachwelt zu erhalten. „In wenigen Jahren schon werden die Jungbäume Obst tragen und dann darf der Genießer sich wieder über das knackige Fruchtfleisch eines Credes freuen oder in eine süßaromatische Münsterbirne beißen”, ist Katharina Tumbrinck überzeugt. Dazu beitragen wird auch der erste Rheinische Obstsortengarten, der derzeit unter ihrer Regie auf dem Wassenberger Stadtgebiet entsteht.

Expertenin der Region beantworten Fragen

„Lokale Obstsorten im Rheinland - vom Aussterben bedroht. Ein Handbuch mit 45 Sortensteckbriefen” ist gegen eine Schutzgebühr von fünf Euro beim Landschaftsverband Rheinland, bei den Biologischen Stationen und bei verschiedenen Obstbaumschulen erhältlich.

Fragen rund ums Streuobst und die alten Obstsorten beantworten die Vertreter der Projektpartner: Biologische Station Städteregion Aachen: Herbert Theißen, Christoph Vanberg, 02402/126170.

Biologische Station im Kreis Düren: Heidrun Düssel-Siebert, 02427/949870.

Nabu-Naturschutzstation Haus Wildenrath: Katharina Tumbrinck, 02432/902740.
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