Das erste Sommelier-Bier Deutschlands kommt aus Hilfarth

Von: Daniel Gerhards
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Geschmacksprobe: Peer F. Holm, Ronny Schreiber und Braumeister Wilhelm Fell kosten vom Sommelier-Bier. Foto: Daniel Gerhards
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Nachdem das Sommelier-Bier in Flaschen abgefüllt wurde, klebt Ronny Schreiber das erste Etikett millimetergenau auf. Foto: Daniel Gerhards

Hückelhoven-Hilfarth/Heinsberg-Randerath. Sommelier Ronny Schreiber setzt den Aufkleber vorsichtig an. Das Emblem soll auf dem Bauch der Flasche nicht schief stehen, nicht zu hoch oder zu niedrig sitzen. Das ist noch ein Test. Es ist das erste Etikett, das er aufklebt. An diesem Tag hat Braumeister Wilhelm Fell die Flaschen gefüllt. In dieser Woche ist Schreiber mit den Flaschen auf der Messe Pro Wein in Düsseldorf. Dort stellt er das erste Sommelier-Bier Deutschlands vor.

Entstanden ist die Idee zum Bier von 20 jungen, talentierten Sommeliers aus dem deutschsprachigen Raum übrigens bei einem Glas Wein. Damals war auch Ronny Schreiber, 35 Jahre, Chef-Sommelier im Restaurant St. Jacques in Randerath, dabei. Eine Fortbildungsreise der 20 Teilnehmer des Sommelier-Colleges, der Spitzenförderung der Sommelier-Union Deutschland, ging damals ins Burgund. „Wir haben auf der Terrasse zusammengesessen und uns gefragt, ob wir nicht mal ein eigenes Bier brauen sollten“, sagt Schreiber. Sie entwickelten die Projektidee weiter und trafen sich im Februar in der Hilfarther Brauerei von Wilhelm Fell.

Aus der Idee wurde an diesem Tag das Bier, das mit seiner Frische zum Frühling passen soll. Nun, einige Wochen später, hat Schreiber das fertige Produkt in seinen Händen. Und natürlich schenkt er auch gleich etwas Bier ein. Das ist die Probe aufs Exempel in Sachen Geschmack. Und der stimme: Der Sommelier hält seine Nase über das Glas und riecht Mango, Papaya, Grapefruit und trotzdem noch den typischen Biergeruch. Der Schaum sei cremig, fast wie aufgeschlagene Sahne, was unterbewusst ein Wohlbefinden erzeuge, sagt Schreiber. Die fruchtige Note spiegele sich dann auch im Geschmack, und die Kohlensäure sei hervorragend integriert. „Hinten raus“ schmeckt Schreiber dann Bittermandel, Zedernholz, weiße Schokolade und an der Zungenseite Pfeffer. So kann wohl nur ein Sommelier über ein Bier reden. Und trotz all dieser Eindrücke schmeckt das Getränk noch immer nach Bier. „So viel Spaß kann man mit einem Glas Bier haben“, sagt Schreiber.

Insgesamt haben die Sommeliers mit Fells Hilfe 500 Liter helles untergäriges Lagerbier gebraut, das nun in rund 650 Sektflaschen mit 0,75 Liter Inhalt abgefüllt wurde. Und wahrscheinlich wird es ziemlich schnell vergriffen sein. Fast alle der 20 Teilnehmer des Sommelier-Colleges haben bereits Bier für die Restaurants bestellt, in denen sie arbeiten. Auch Schreiber wird das Bier im Randerather Sternerestaurant anbieten. „Das ist ein Bier mit Trinkfluss. Es ist ein Essenbegleiter. Aber man kann es auch bei den ersten Sonnenstrahlen einfach so auf der Terrasse trinken“, sagt er. Als nächstes wird er das Bier zusammen mit dem Küchenchef aus dem Restaurant St. Jacques probieren und eigens für das Pale Lager ein Gericht zusammenstellen, wozu es getrunken werden kann.

Die Tatsache, dass die teilnehmenden Sommeliers das Bier auch gleich in ihren Restaurants anbieten, sorge dafür, dass es in vielen „Top-Restaurants“ in ganz Deutschland vertreten sei, sagt Schreiber. Wichtig ist ihm, dass das Bier nach dem Deutschen Reinheitsgebot gebraut ist. „Wir wollten ein Bier, das frei von allen Zusatzstoffen ist. Pur, wie ein Bier sein soll“, sagt Schreiber. Bei der konventionellen Herstellung in den großen Brauereien werde das Bier mit vielen Zusatzstoffen versehen, um es lange haltbar zu machen. Darauf haben die Sommeliers bewusst verzichtet. Deshalb ist das Sommelier-Bier auch nur drei Monate haltbar. Die kurze Haltbarkeit hat es übrigens mit den handgemachten Bieren gemein, die Wilhelm Fell im Hilfarther Brauhaus das ganze Jahr über anbietet. Aber der Geschmack entschädige dafür, sagt Fell.

Das Pale Lager der Marke Somms Craft mit 5,2 Volumenprozent Alkohol, 12,7 Prozent Stammwürze und 33 Bittereinheiten soll nur ein Anfang sein: „Wir hoffen, dass das der Startschuss für eine ganze Kollektion von Bieren ist“, sagt Schreiber. Beim nächsten Mal kann er sich vorstellen, zum Beispiel ein Indian Pale Ale oder einen Doppelbock zu brauen.

Bleibt noch die Frage, ob ein Getränk wie Bier für einen Sommelier nicht eigentlich etwas Fremdartiges ist. „Gar nicht!“, sagt Schreiber. Der Sommelier sei ja nicht nur für den Wein zuständig. Auch für Wasser, Säfte, Kaffee, Tee, Zigarren – und eben auch für Bier. Und deshalb sei es sinnvoll, auch einmal selbst ein Bier zu brauen, sagt Peer F. Holm, Vizepräsident der Sommelier-Union: „Alles, was man selber angefasst hat, kann man dem Gast auch besser präsentieren. Das ist kein angelesenes, sondern erlebbares Fachwissen“, sagt er.

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