„Das Ende des Regenbogens“: Landestheater zeigt schwere Lost

Von: defi
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Das Landestheater Neuss gastierte mit dem Stück „Das Ende des Regenbogens“ auf Einladung der Kulturgemeinde der Stadt Heinsberg in der Stadthalle. Es gab Fischsuppe. Foto: defi

Heinsberg. Es gibt Theaterstücke, über die sollte man sich, bevor man sie anschaut, schlau machen. „Das Ende des Regenbogens“ könnte für den ein oder anderen Zuschauer, der die Aufführung des Rheinischen Landestheaters Neuss in der Heinsberger Stadthalle besuchte, so ein Stück gewesen sein.

Auch wenn die Kritik über Andrew Bovells Familiensaga schreibt „ein großartiges, exzellent konstruiertes Stück in einer durchdachten Inszenierung“, war das Stück doch „schwere Kost“.

„Das war ein Fisch“, sagte ein Zuschauer in der letzten Stuhlreihe. Der Mann muss gute Augen haben, oder er hatte sich vorher informiert, was an diesem Abend auf ihn zukommen würde. Also ein Fisch fällt gleich zu Beginn des Stücks vom Bühnenhimmel vor die Füße eines Schauspielers (Joachim Berger). Nachdem die gesamte Schauspielerschar in Regenkleidung und mit aufgespannten Schirmen kurz die Bühne betreten und dann wieder verlassen hatte, nahm Joachim Berger als Gabriel York die Zuschauer mit auf eine lange Reise, die auf den Traumpfaden der australischen Ureinwohner zur „Erlösung“ am „Ende des Regenbogens“ führte.

„Schwere Kost“ darf man das sicherlich nennen, und wer die verworrenen Pfade der Familienbande entwirren konnte, der durfte sich auf die Schultern klopfen. Im Bühnenhintergrund hing ein Regieeinfall, ein Glaskasten, in dem die Schauspieler isoliert vom Publikum agierten. Über Generationen und Kontinente hinweg spinnt Andrew Bovell seine Familiensaga. Wobei der Autor wohl bewusst darauf verzichtete, den Roten Faden zu dominant zu ziehen, denn im Denken der australischen Ureinwohner, den Aborigines, deren Mythologie ihn inspirierte, ist alles gleich wichtig.

Bovells Stück erzählt die Geschichte von einem Mann, der sich auf die Suche nach seinem Vater macht. Die Geschichte spielt im Jahr 2039 in der australischen Wüste, in Alice Springs. Es regnet seit Jahren sintflutartig, und dann fällt auch noch ein Fisch vom Himmel, und alle essen Fischsuppe und reden. Die Mutter sagt zum Sohn: „Wenn Du mich jetzt berührst, zerbreche ich.“ Der Vater, der außerhalb des Glaskastens in einem Koffer kramt, sagt den schönen Satz in das Geplatter des Dauerregens hinein: „Leidenschaft kann die Seele zu großen Dingen bewegen.“

Neben der Mythologie der Aborigines hat den Autor das grausige Gemälde „Saturn frisst seine Kinder“ des spanischen Malers Francisco de Goya angeregt. Es gab mal einen Film, da fiel auch gleich zu Beginn zwar kein Fisch aber eine Kuh vom Himmel und beendete eine Liebesgeschichte. Die herabstürzende Kuh erschlug in einem kleinen Boot auf einem großen See vor den Augen des Bräutigams die Braut. Vielleicht sind vom Himmel fallende Kühe anrührender als Fische?

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