Heinsberg - Das brasilianische Temperament zeigt sich beim Fußball

Das brasilianische Temperament zeigt sich beim Fußball

Von: Daniel Gerhards
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Dienstag treten die Nationalspieler gegen den Ball: Das WM-Halbfinale zwischen Deutschland und Brasilien wird auf dem Heinsberger Markt auf einer großen Leinwand gezeigt. Die Vorfreude ist groß. Brasilianische Fans zu finden, ist aber nicht so leicht. Foto: Daniel Gerhards
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Für sie ist die Entscheidung klar: Christina Voss fiebert mit dem brasilianischen Team. Foto: Daniel Gerhards

Heinsberg. Ein besseres Halbfinale kann sich ein Fußballfan kaum wünschen: Die deutsche Nationalmannschaft spielt bei der WM am Zuckerhut gegen das Team von Gastgeber Brasilien. Ein Klassiker. Die beiden Mannschaften haben sich in der Geschichte bereits packende Duelle geliefert.

Die Vorfreude auf das Spiel ist auch in Heinsberg groß. Die Organisatoren des Public Viewings am Markt erwarten wieder etliche Fußballfans.

Und in der Stadt sieht man eine Menge Schwarz-Rot-Gold: Fahnen an Häusern, Fähnchen an Autos und jede Menge Fanartikel in Geschäften. Grün-gelb-blaue brasilianische Accessoires muss man dagegen schon ein bisschen länger suchen. Auf den eigens für das Fußballfest bestückten Wühltischen finden die Anhänger der Seleção trotzdem allerhand: zum Beispiel Unterwäsche, Teddybären und Kaffeebecher – alles in den Farben des fünffachen Weltmeisters.

Ansonsten muss man lange suchen, um in Heinsberg einen Bezug zu Brasilien zu finden. 92 Brasilianer leben im Kreis. Einen brasilianischen Kulturverein gibt es nicht – zumindest haben wir bei unserer Recherche keinen gefunden. Auch andere Clubs oder Vereinigungen ließen sich nicht auftreiben. Wir haben uns in der Stadt umgeschaut, im Internet gesucht und herumtelefoniert. Doch, da ist etwas: eine Capoeira-Gruppe. Tanja Peters de Camargo und ihr Mann Tiago de Camargo trainieren Heinsberger Kinder in dem Kampftanz. Capoeira wurde von nach Brasilien verschleppten afrikanischen Sklaven in ihrem Widerstand gegen die Kolonialherren entwickelt. Jahrhunderte lang war Capoeira verboten. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Capoeira öffentlich erlaubt. „Mittlerweile ist Capoeira ein Nationalsport und ein kulturelles Erbe Brasiliens“, sagt Peters de Camargo.

Am Dienstag steht für die gebürtige Heinsbergerin Tanja Peters de Camargo und ihren Mann aber der Fußball im Mittelpunkt. „Das ist bei uns ein ganz heißes Thema. Wir haben uns 2002 kennengelernt. Damals hat Deutschland das Finale gegen Brasilien verloren. Deshalb ist das jetzt sowas wie ein Rückspiel“, sagt sie.

Familiäre Rivalität gibt es während der 90 Minuten auch bei Familie Voss in Oberbruch. Die Zwillinge Christina und Francisco kamen als kleine Kinder nach Deutschland. Günter und Renate Voss hatten die beiden heute 23-Jährigen adoptiert. Für Christina ist klar: „Ich halte zu Brasilien. Die Entscheidung ist für mich eindeutig. Bei anderen Dingen fühle ich mich nicht so stark zu Brasilien hingezogen. Aber beim Fußball ist das eine ganz klare Sache.“ Die Eltern feuern dagegen das DFB-Team an. „Ich war schon immer eher von den brasilianischen Spielern fasziniert“, sagt Christina Voss, die selber beim VfR Unterbruch Fußball spielt.

Beim Fußball setzt sie aber eher auf die deutschen Tugenden. „Ich spiele eher so wie die Brasilianer bei diesem Turnier“, sagt die Abwehrspielerin. Also wenig Zauberfußball.

Wie ihr Bruder Francisco, der ab der kommenden Saison in Waldenrath Fußball spielt, hat Christina Voss einen deutschen Pass. Brasilianische Charaktereigenschaften habe sie trotzdem – also Temperament. Und weil sich das Temperament vor allem beim Fußball zeigt, schaut sie das Spiel mit einer Freundin. Dann geht es im Wohnzimmer der Familie Voss etwas ruhiger zu.

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