Das Begas-Bild „Die Loreley“ reist an den Rhein

Von: Daniel Gerhards
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Die Loreley von Carl Joseph Begas ist bald in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen. Am Mittwoch wurde das Gemälde in Heinsberg abgehängt, verpackt und per klimatisiertem Lkw abtransportiert.

Heinsberg. Behutsam gehen die beiden Mitarbeiter der Kunstspedition an das Gemälde heran, das im ersten Stock des Begas Hauses hängt. Sie ziehen ihre weißen Stoffhandschuhe an, tasten den Rahmen ab, fühlen, wie das Bild aufgehängt ist. Dann heben sie an und haben das etwa 40 Kilogramm schwere Werk in ihren Händen. Das ist der Beginn der Reise des Begas-Bildes „Die Loreley“ an den Rhein.

Der Weg führt nach Bonn, in die Bundeskunsthalle, wo es in der Ausstellung „Der Rhein – eine europäische Flussbiographie“ zu sehen sein wird. Eine Rheinausstellung ohne die Begas-Loreley – kaum vorstellbar. So hat es zumindest Dr. Rita Müllejans-Dickmann, die Leiterin des Heinsberger Begas Hauses, erlebt. Denn als sie zusagte, das Bild an die Bundeskunsthalle zu verleihen, hatte sie das Gefühl, über Bonn sei ein Freudenfeuerwerk in die Luft gegangen.

„Die wollten die Loreley unbedingt dabei haben, weil es das Kernwerk der Rheinromantik ist“, sagt Müllejans-Dickmann. Deshalb wird das Bild vom 9. September bis zum 22. Januar 2017 eines der „Leitexponate“ der Bonner Ausstellung sein, sagt Müllejans-Dickmann.

Eigentlich wollte sie das Bild aber gar nicht hergeben. Zu wichtig ist es auch für die Ausstellung in Heinsberg. „Auf ein solches Werk fünf Monate lang verzichten, das wollten wir nicht“, sagt sie. Also rief sie ihre Restauratorin an. Mit einem klaren Hintergedanken: „Liefere mir einen Grund, die Leihe abzusagen.“

Carl Joseph Begas malte in einer sehr feinen Lasurtechnik. Allerdings zuweilen zu schnell. Er ließ die Farbe wohl manchmal nicht lange genug trocknen, bevor er die nächste Schicht auftrug. Deshalb sind bei vielen seiner Werke feine Risse zu sehen. Wenn sie größer werden, könnten sich „Farbschollen“ bilden, die im Extremfall abfallen können, sagt Müllejans-Dickmann. Trotzdem lieferte die Restauratorin keinen Grund, die Leihe abzublasen. Zu gut ist das Gemälde in Schuss, zu sicher ist es hinter seiner UV-Schutz-Panzerglasscheibe aufgehoben.

Müllejans-Dickmann schlief noch einmal eine Nacht über die Entscheidung – und sagte trotzdem ab. Sie wollte die Loreley nicht hergeben. Es sollte also nichts werden mit der Begas-Loreley in Bonn. Bis die Idee mit der Repro ins Spiel kam. Solange das Gemälde in Bonn ist, hängt in Heinsberg eine sogenannte, über den Bonner Ausstellungsetat finanzierte Groß-Reproduktion. So muss das Begas Haus nicht komplett auf eines seiner wichtigsten Werke verzichten.

Aber als das Bild in eine Spezialfolie, ein sogenanntes Tyrec, eingewickelt ist, bleibt an der Wand zunächst nur noch eine leere Stelle. „Das ist schon ein Gefühl der Wehmut“, sagt Müllejans-Dickmann.

Vorsichtig tragen die Transporteure das Kunstwerk zur mit Styropor und Schaumstoff ausgepolsterten Klimakiste. Nun ist verhüllt, was Begas malte: Die für den Ausklang der Biedermeierzeit mutige halbentblößte Brust der Femme fatale, die im Mondlicht am Rande eines Felsplateaus sitzt. Die betörten Fährmänner, deren Kahn schon untergeht. Und die Symbole des Bösen, die in das Gewand der Sagengestalt eingearbeitet sind.

Beim Transport passt zunächst alles. Treppen, Türen, Durchgänge – kein Problem. Aber dann will das Bild nicht in die eigens angefertigte Kiste passen. Offensichtlich ist der Rahmen des Bildes leicht verzogen.

Was dann folgt, ist Zentimeterarbeit mit Maßband und Messer. Die Kunstspediteure schneiden ein Loch in den weißen Schaumstoff, in das der Rücken des Bildes genau hineinpasst. „In so einem Moment wird man nervös. Man muss vermeiden, dass das Bild in der Kiste in irgendeiner Weise unter Spannung steht“, sagt Müllejans-Dickmann.

Als endlich alles passt, geht es im klimatisierten Lkw auf direktem Weg nach Bonn. Die Museumsleiterin schätzt, dass der Transport etwa 2500 bis 3000 Euro pro Strecke kostet.

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