Damit die eigenen Wände persönliche Schutzburg bleiben

Von: Nicola Gottfroh
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Man muss kein Profi sein. Wolfgang Ulbrich demonstriert an „Schau-Fenstern“, wie schnell ein Fenster mit einem einfachen Schraubenzieher aufgehebelt ist. Er braucht nur wenige Sekunden. Foto: Gottfroh

Kreis Heinsberg. Eigentlich scheint alles wie immer, als die Guido W. mit seiner Frau und den beiden Kindern nach der Ostermesse zurück ins Wassenberger Eigenheim kommt. Nur über die weit geöffnete Terrassentür wundert er sich.

Der Fernseher steht an der selben Stelle wie zuvor, der Fotoapparat, mit denen er zuvor noch ein paar Oster-Schnappschüsse aufgenommen hat, liegt auf dem Küchentisch. Doch als er ins Obergeschoss kommt, folgt der Schock! Sämtliche Schränke sind von Fremden aufgerissen und durchwühlt worden. Den Familienschmuck haben die Einbrecher mitgehen lassen und vom Bargeld, das sie hier und da finden, können sie nicht lassen. „Doch der materielle Schaden, das muss ich gestehen, ist deutlich geringer ist als der psychische“, sagt Guido W. Immerhin sei jemand in die Privatsphäre eingedrungen, die er mit Schlössen und Türen zu schützen versucht hatte. „Der Spruch „My home is my castle“ stimmt jetzt nicht mehr so ganz“, sagt der zweifache Familienvater.

Nicht nur er und seine Frau, vor allem seine Kinder hätten an dem Ereignis zu knabbern gehabt, betont er. Die elfjährige Annika habe sich eine Weile nicht getraut, alleine zu schlafen. „Ein Einbruch kann auf die Geschädigten schon sehr traumatisch wirken“, bestätigt auch Kriminalhauptkommissar Wolfgang Ulbrich. Seit 15 Jahren arbeitet er im Kommissariat Prävention. Gemeinsam mit seinem Kollegen Kriminalhauptkommissar Jakob Liebernickel arbeitet er daran, die Menschen im Kreis Heinsberg für das Thema Einbruchschutz zu sensibilisieren und bereits anzusetzen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist, „bzw. ein Einbrecher die Haustür aufgehebelt hat“, sagt Ulbrich. Sie beraten unter anderem Interessengruppe, Bauherren, Einbruchsopfer und jeden Interessierten. Kostenlos.

830 Wohnungseinbrüche registrierte die Kreispolizeibehörde Heinsberg im vergangenen Jahr. „Das ist eine Zahl, die auch im Vergleich zu den Vorjahren konstant hoch ist – nicht nur im Kreis Heinsberg, sondern in ganz NRW“, so der Hauptkommissar. Allerdings, so betont er, sei ein Drittel der 830 Einbrüche im Kreis im Versuch steckengeblieben. „Vielleicht, weil die Täter überrascht wurden. Vermutlich aber auch, weil einige der Bewohner Sicherheitsmaßnahmen ergriffen haben“, erklärt Wolfgang Ulbrich.

Denn Haus- und Wohnungsbewohner könnten sich dreifach vor Einbrechern schützen. Zunächst einmal, indem sie eindeutige Signale setzten. „Wenn das Licht brennt, gehen Täter davon aus, dass sich die Bewohner im Haus befinden. Runtergelassene Rolladen am helllichten Tag dagegen seine für Einbrecher schon fast eine Einladung, weil daraus ersichtlich wird, dass man nicht zu Hause oder sogar im Urlaub ist“, erklärt Liebernickel.

Keine Scheu vor 110

Und auch eine gute Nachbarschaft sei von Vorteil. „Die landesweite Aktion ‚Riegel vor‘ zielt genau darauf ab. Nachbarn sollten Personen, die nichts an dem Haus der Nachbarn zu suchen haben oder sich auffällig verhalten, ansprechen oder direkt den Notruf 110 der Polizei wählen“, sagt Ulbrich. Zu viele Menschen scheuten sich noch davor, die drei Nummern zu wählen. „In solchen Fällen sollten die Bürger die 110 als Servicenummer begreifen“, so Liebernickel.

Eine weiteren Schutz vor Wohnungseinbrüchen bieten mechanische Sicherungen. „Dem Einbrecher geht es darum, schnell in die Wohnung rein und schnell wieder raus zu kommen“, sagt Ulbrich. Routinierten Tätern gelinge es oft schon nach drei Sekunden, ein Fenster aufzuhebeln. Für Haustüren bräuchten sie nicht sehr viel länger. „Fenster mit Pilzkopfzapfen, Aufschraubsicherungen und abschließbare Fenstergriffe erschweren Einbrechern den Zutritt in die eigenen vier Wände. Denn: Einbrecher investieren nicht gerne viel Zeit. Wenn sie zwei-, dreimal versucht haben, das Fenster oder die Türe aufzuhebeln, und das nicht geklappt hat, räumen sie in der Regel das Feld“, so Ulbrich.

Auch Guido W. aus Wassenberg hatte beim Hausbau auf Pilzkopfzapfen und abschließbare Fenster gesetzt. „Trotzdem kamen die Einbrecher rein“, sagt er. Das liege auch daran, dass der Begriff „Sicherheit“ in diesem Zusammenhang nicht geschützt sei. „Wer neu baut oder nachrüstet sollte darauf achten, dass die Sicherheitssysteme nach der EN 1627 Widerstandsklasse gekennzeichnet sind“, appelliert Liebernickel. Wer anständige, genormte mechanische Sicherungssysteme besitze, der sei relativ sicher vor Einbrechern. Die kosteten beim Neubau rund 1500 bis 2000 Euro mehr als normale Fenster – der Einsatz lohne sich aber. „Denn wer schlechte Erfahrungen macht und später nachrüstet, muss viel tiefer in die Tasche greifen.“ Um ganz sicher zu gehen, und dem i das Tüpfelchen aufzusetzen, kann man auch elektronischen Sicherungen, etwa Alarmanlagen, installieren. „Das Geld, das man in eine Alarmanlage investiert sollte man lieber zunächst für mechanische Sicherungssysteme ausgeben.

W. lässt sich nun den empfohlenen Pilzkopfzapfen einbauen. Er schiebt Einbrechern den Riegel vor.

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