Dalheimer Bahnhof als Tor zur neuen Welt

Von: Monika Baltes
Letzte Aktualisierung:
14251136.jpg
Der Vorsitzende des Heimatsvereins Wegberg-Beeck, Georg Wimmers, im Gespräch mit Menschen aus Sri-Lanka, die in der Region jetzt zu Hause sind. Foto: Monika Baltes

Wegberg-Beeck. Ausnahmsweise stehen nicht Textilien und Textilkunst im Vordergrund, diesmal geht es um ganz reale Menschen. Mit einer bunten, lebendigen Veranstaltung eröffnete das Europäische Volkstrachtenmuseum in Beeck die Sonderausstellung „Unterwegs: Die Heimat verlassen – eine neue Heimat finden“.

Musik und farbenfrohe Trachten gehörten ebenso dazu wie überraschende Einblicke, vielfältige Denkanstöße und die Frage, „ob wir Menschen aus unserer eigenen Geschichte für die Zukunft lernen können“.

Klara Schlömer, Organisatorin der Ausstellung, hat sie mit Begeisterung zusammengetragen, die wundervollen, abenteuerlichen, erschütternden und überraschenden Geschichten der Menschen in und um Wegberg, die ihre alte Heimat verlassen und eine neue Heimat gesucht haben – deren Hoffnung größer war als die Zweifel und deren Mut die Angst vor der Reise ins Ungewisse besiegte. Denn in den letzten 200 Jahren – diesen Zeitraum beleuchtet die Ausstellung – waren in Wegberg immer Menschen unterwegs: Auswanderer und Vertriebene, Flüchtlinge und Gastarbeiter, Aussiedler und Einwanderer. Mancher ging für immer, mancher blieb für immer.

Der Dalheimer Bahnhof mit seiner Auswandererhalle als Tor zur neuen Welt, die Geschichte von Aloys Bertrams aus Beeck, der vor etwa 100 Jahren nach Übersee auswanderte, die bewegenden Schilderungen von Hans-Joachim Haude, der als Vertriebener nach Wegberg kam, die überraschte Feststellung „Die von drüben sind ja alle evangelisch“ im erzkatholischen Wegberg – viele Aspekte machen die Geschichte in der Ausstellung erlebbar.

Gastarbeiter, Flüchtlinge aus Sri Lanka und deutschstämmige Aussiedler aus Russland haben in Wegberg eine neue Heimat gefunden. Giovanni Carmosino, der aus Italien kommend in Wegberg die erste „Milchbar“ eröffnete, Sun-Na Buschmeyer, die als koreanische Krankenschwester angeworben wurde und in Wegberg blieb, Flüchtlinge aus Sri Lanka, die die Kultur ihres Heimatlandes auch hier pflegen, der Wegberger Pfarrer Franz Xaver Huu Duc Tran, der als Bootsflüchtling von Vietnam nach Deutschland kam – sie alle sind Mosaikstücke der Ausstellung.

Neben den Infotafeln mit Daten, Zahlen, Fakten und Schilderungen machen Trachten, typische Kleidung für bestimmte Anlässe, Karten und andere Exponate die Vielfalt der Kulturen in und um Wegberg sichtbar.

„Schön, dass du da bist“, hatte Georg Wimmers, Vorsitzender des Heimatvereins Wegberg-Beeck, die vielen Gäste singend begrüßt, die zur Ausstellungseröffnung gekommen waren. Eigens umgedichtet hatte er den „Höhner-Hit“, um auch alle, die aus der Fremde kommen, musikalisch in die Arme zu nehmen. Buchautor Heiner Coenen kam ebenso zu Wort wie die Zeitzeugen Hans-Joachim Haude und Sun-Na Buschmeyer. Der Frauenchor „Rjabinuschka“ schlug singend eine Brücke in die alte Heimat Russland.

Zum zweiten Mal nehmen die Beecker Museen am gemeinsamen Jahresthema des Kulturgeschichtlichen Museumsnetzwerkes Niederrhein teil. Mehr als 40 Museen am Niederrhein erzählen Geschichten vom Unterwegssein. Die Sonderausstellung im Europäischen Volkstrachtenmuseum in Beeck, Kirchplatz 7, ist bis Ende November sonntags von 14 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert