Crash Kurs für Schüler: Drastische Bilder, harte Worte

Von: Daniel Gerhards
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Jede Hilfe kommt zu spät: Schlimme Folgen von schweren Verkehrsunfällen, wie hier im Dezember 2015 auf der L 410, möchte die Polizei jungen Leuten im Crash Kurs vor Augen führen. Foto: Gerhards (5), CUH (1)

Kreis Heinsberg. Als Martina Wilmes vom Tod ihrer Tochter Nadine sprach, hielten es einige der jungen Zuhörer nicht mehr aus. Sie mussten die Aula des Hückelhovener Gymnasiums verlassen. Zu betroffen waren sie, zu sehr hatte sie das, was sie am Dienstagmorgen gehört und gesehen hatten, mitgenommen. Und genau darum geht es der Polizei auch.

Sie will jungen Leuten mit drastischen Bildern und harten Worten zeigen, was passieren kann, wenn man im Straßenverkehr Fehler macht. Die Reihe heißt Crash Kurs NRW, sie tourt seit fünf Jahren durch die Schulen im Kreis und hat bereits 10.000 Schüler erreicht.

Ein Opfer, 100 Betroffene

Martina Wilmes erzählte also die Geschichte ihrer Tochter, die gerade den Führerschein und ein Auto bekommen hatte. Eines Nachts meldete sich ihr Freund, er stehe in der Diskothek in Himmerich und wisse nicht, wie er nach Hause kommen soll. Nadine stieg ins Auto und fuhr los. In dieser Nacht tobte ein Unwetter über dem Kreis Heinsberg. Nadine kam mit ihrem Auto zwischen Wegberg-Klinkum und -Arsbeck auf den Seitenstreifen und raste gegen einen Baum. In dieser Nacht ging Nadines Leben zu Ende.

Ihre Familie leidet noch heute unter ihrem Tod. „So wie man das Auto nach dem Unfall nicht mehr hinbekommen konnte, kann man auch unsere Familie nicht wieder hinbekommen“, sagte Martina Wilmes, die sich nach dem Unfall zunächst in die Arbeit flüchtete und dann irgendwann auch ihren Job wechseln musste.

Polizeihauptkommissar Georg Schippers sagte, dass es nach schweren Unfällen vielen Menschen so gehe wie Martina Wilmes. An jedem Unfallopfer hingen 100 Betroffene – Familie, Freunde, Mitschüler, Vereinskameraden.

Wie genau die letzte Sekunde in Nadines Leben ablief, weiß niemand. Die Polizei zeigte aber einen möglichen Ablauf des letzten Augenblicks vor einem tödlichen Aufprall in all seiner Drastik. So, als habe man eine Zeitlupe über diese letzte Sekunde in einem Menschenleben gelegt. Sie beginnt mit der viel zu kurzen Reaktionszeit, geht über brechende Knochen und den Aufprall des Kopfes auf die Windschutzscheibe bis zu dem Moment, in dem das Herz aufhört, zu schlagen.

Dann kommen Frauen wie Polizistin Angela und Notärztin Birgit Jansen, Männer wie Feuerwehrmann Michael Wassen und Notfallseelsorger Manfred Jung an die Unfallstelle. Sie alle haben dann noch etwas zu tun. Sie nehmen den Unfall auf, sie versuchen Wiederzubeleben, sie kümmern sich um Angehörige, andere Beteiligte und Zeugen. Aber wenn das Herz nicht mehr schlägt, dann kämpfen die Helfer einen Kampf, den man nicht gewinnen kann.

Tempo, Alkohol, Drogen

Schippers sagte dazu, dass Unfälle keine Schicksalsschläge seien. „Verkehrsunfälle passieren nicht, Verkehrsunfälle werden verursacht“, sagte er. Die häufigsten Gründe: zu hohes Tempo, Alkohol und Drogen am Steuer, Ablenkung, fehlender Sicherheitsgurt und Imponiergehabe. Jeder dieser Punkte ist ein Thema für sich, und zu jedem zeigte Schippers einen kleinen Film mit drastischen Bildern.

Zum Beispiel diesen: Ein Auto fährt gegen eine Bordstein, es überschlägt sich. Ein Kind spielt in einem Garten. Das Auto kommt durch die Hecke geflogen und überrollt das Kind. In der nächsten Szene kniet der Vater über dem blutverschmierten Leichnam. Der Autofahrer hatte Drogen genommen und musste – später auch im klaren Kopf – mit seiner Schuld leben.

Als Nadine Wilmes tödlich verunglückte, hatte sie keine Drogen genommen und keinen Alkohol getrunken. Aber die Rettungskräfte fanden ein Feuerzeug in ihrer Hand. „Ich weiß, dass meine Tochter im Auto geraucht hat“, sagte Martina Wilmes. Vielleicht war es der Moment, in dem sie nach einer Zigarette kramte, in dem sie von der Fahrbahn abkam. Vielleicht hätte sie überlebt, wenn sie die Zigarette vor der Fahrt geraucht hätte.

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