Heinsberg - Christuskirche mit Altpapier saniert

Christuskirche mit Altpapier saniert

Von: Anna Petra Thomas
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Professor Rongen erläuterte den Gästen des Empfangs die Ergebnisse des weltweit bisher einzigartigen Bauprojekts. Foto: Anna Petra Thomas
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Die sanierte und erweiterte Christuskirche mit dem neuen Vorbau und dem angebauten Mehrzweckraum. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. „Wir bauen hier ein Forschungsprojekt!“, hatte Professor Ludwig Rongen im Dezember 2011 verkündet und zugleich seine Vision vom weltweit ersten energetisch optimierten Nichtwohngebäude mit Innendämmung (nach EnerPHit, Passivhaus im Bestand) erläutert.

13 Monate später hat er das fertige Projekt, die Christuskirche in Heinsberg, im Rahmen eines offiziellen Empfangs wieder an die evangelische Kirchengemeinde übergeben. Der Empfang für mehr als 100 Ehrengäste folgte einem Festgottesdienst, durch den die Kirche offiziell wieder in Gebrauch genommen wurde. Bläser hatten vom Turm der katholischen Schwesterkirche St. Gangolf auf das Ereignis eingestimmt. „Nicht nur dafür ist die evangelische Kirchengemeinde der katholischen Gemeinde Heinsberg und ihrem Propst Markus Bruns dankbar, sondern auch für die herzliche Gastfreundschaft in der Zeit ohne Christuskirche“, so Pfarrer Sebastian Walde.

Liebe und Herzblut

„Ich kann diese Freude gar nicht in Worte fassen“, erklärte er zu Beginn des Empfangs. Dem Team des Architekturbüros Rongen bescheinigte er eine „großartige Leistung“, ebenso den beteiligten Ingenieurbüros. Er dankte den Mitgliedern des eigens für dieses Projekt gegründeten Kirchenbauvereins und den Mitgliedern des Presbyteriums, zudem den beteiligten Vertretern des Kirchenkreises Jülich. „Was Sie hier sehen, sind nicht nur Steine“, sagte er. Es sind Steine, die mit Liebe und Herzblut Gestalt angenommen haben.“

„Sie haben ein neues, gelungenes Einfallstor in Ihre Stadt“, stellte Superintendent Jens Sannig fest. „Seine Klarheit zeigt ein Stück reformierte Tradition.“ Der Kreissynodalvorstand sei von Anfang an begeistert gewesen, sagte er. In Heinsberg habe man mit dem Verkauf des ehemaligen Gemeindezentrums „Arche“ das eine aufgegeben, um für das andere, die „neue“ Kirche, etwas zu gewinnen. Zudem habe die Heinsberger Gemeinde durch den Passivhaus-Bau ökologische Verantwortung für die Schöpfung Gottes gezeigt, „die vielleicht auch für andere zum Zeichen werden kann.“

„Wenn ich das hier sehe, bin ich überwältigt“, sagte Bürgermeister Wolfgang Dieder in seinem Grußwort. „Und wenn ich mich hier umschaue, sehe ich, dass Pracht auch aus der Schlichtheit entstehen kann.“ Mit dem neu geschaffenen, für alle offenen Vorraum im Stil einer Citykirche, in dem ein Gebet gesprochen, eine Kerze angezündet, ein Anliegen aufgeschrieben und einem Gebetsbriefkasten anvertraut werden kann, stehe ein Raum zur Verfügung, in dem der Besucher Abstand nehmen könne von der Getriebenheit des Alltags. „Sie haben das Wohnumfeld mit dem Umbau und der Erweiterung des Gotteshauses unter diesem Leitgedanken deutlich mehr verbessert, als es jede städtebauliche Maßnahme vermag“, lobte er das Projekt.

Professor Rongen selbst erläuterte noch einmal die energetische Sanierung, die im Innern des Kirchenraumes mit Hilfe von Zellulose, also unbehandeltem Altpapier, erfolgt war. 95,4 Prozent der bisher verbrauchten Energie würden jetzt eingespart, 233 Tonnen CO2 pro Jahr, erklärte er. Hinzu komme eine eigene Photovoltaik-Anlage, die aus dem Gotteshaus zusätzlich ein Plusenergie-Gebäude mache.

Auf die neu geschaffene Krypta in Form einer Ellipse ging er ebenso ein wie auf die Gestaltung des Außengeländes mit Hilfe eines der bleiverglasten Fenster, das dem Durchgang zum neuen Mehrzweckraum der Kirche weichen musste. „Wir haben aber nur die Hülle gebaut und hoffen, dass die Gemeinde sie jetzt wieder als ihre Kirche annimmt“, schloss er und überreichte dem Pfarrer den Schlüssel für den neuen Gebetsbriefkasten im Vorraum, dazu das Zertifikat, das die Christuskirche jetzt als Passivhaus auszeichnet.

Das finanzielle Volumen des Bauvorhabens habe 1,4 Millionen Euro betragen. Davon fehlen würden noch 150.000 Euro, die als zinsloses Darlehen vom Kirchenkreis zur Verfügung gestellt worden seien, erklärte Walde abschließend. „Die Kirchengemeinde und der Kirchenbauverein hoffen, diese Summe durch Spenden noch aufbringen zu können.“

Kulturkirche

Dass sich das Gotteshaus aufgrund seiner weiterhin guten Akustik auch künftig als „Kulturkirche“ eignet, zeigten die musikalischen Beiträge während des Empfangs, mit Angelika Braumann (Violine), Dorota Zawada (Gesang), Theo Krings (Klavier) und Roman Viazovskiy (Gitarre).

Zu weiteren kulturellen Veranstaltungen lädt die Christuskirche für Samstag, 20. April, um 17 und um 21 Uhr ein. Auf dem Programm stehen unter dem Motto „Parallelwelten“ Wort und Musik unter Leitung des international bekannten Tenors Tilman Kögel (Rezitation: Christian Ernst, Musik: Vokalquartett). Am Sonntag, 28. April, folgt um 18 Uhr ein Konzert des Kammerchors „Constant“ unter Leitung von Harald Jers.

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