Heinsberg-Aphoven - Christel Louis: 45 Jahre lang den Ton in der Kirche angegeben

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Christel Louis: 45 Jahre lang den Ton in der Kirche angegeben

Von: Rainer Herwartz
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An ihrem antiken Klavier blüht Christel Louis richtig auf. Die Last des Alters verfliegt rasch, wenn sie gut gelaunt in die Tasten greift und durch manche Improvisation vielen Musikstücken ihren eigenen Stempel aufdrückt.
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Christel Louis und Ehemann Matthias, ein gelernter Schneidermeister, schwelgen in gemeinsamen Erinnerungen. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg-Aphoven. Ach, wären ihre Beine doch noch so flink wie ihre Hände. Wer weiß, wie lange die fast 81 Jahre alte Christel Louis aus Kirchhoven die Orgeln in Herz-Jesu Aphoven und St. Josef Laffeld noch zur Freude der Kirchenbesucher zum Klingen gebracht hätte. Sage und schreibe 45 Jahre lang sorgte Christel Louis für den richtigen Ton, doch jetzt ist ihr der Weg über die Treppe hinauf zur Orgel zu beschwerlich geworden.

Am nächsten Freitag wird sie in der Aphovener Kirche ab 18 Uhr wohl zum offiziell letzten Mal die Register ziehen.

„Komm setz Dich, spiel doch mal was“, drängt Matthias Louis seine Frau sanft und stolz in Richtung Klavierhocker in ihrem gemütlichen Haus in Kirchhoven. Lange bitten muss er nicht, denn für Christel Louis, die im November 81 Jahre alt wird, ist ihr Klavier wie ein kleiner Jungbrunnen. Schwuppdiwupp fliegen die Finger über die Oktaven und erwecken einen schwungvollen kleinen Marsch zum Leben. Danach noch ein gefühlvoller Walzer und jedem ist klar, dass hier eine Vollblutmusikerin mit Herzblut bei der Sache ist.

Ganz zu Beginn, als kleines Mädchen, war dies nicht einmal abzusehen, denn die treibende Kraft, das Klavierspiel zu erlernen, sei eigentlich der Vater gewesen, erzählt Christel Louis. „Er sang im Kirchenchor und hatte eine Freude an dem Gedanken, dass ich Klavier spielen würde.“ Wahrscheinlich hatte der Vater aber den richtigen Riecher für die Begabung seiner Tochter. Denn schon mit vier oder fünf Jahren – gar so genau erinnert sich Christel Louis nicht mehr – entdeckte sie bei dem Heinsberger Musiklehrer Josef Schmitz recht schnell, wie sehr ihr das Musizieren Spaß machte. Dass sie auch noch die Orgel als Instrument entdecken sollte, ergab sich später eher durch einen Zufall.

„Vater hatte in Erfahrung gebracht, dass es in Allenstein in der späteren DDR einen sehr begabten Organisten gab, den er nach Kirchhoven geholt hat, weil es hier niemanden gab.“ Ein Glücksfall, wie sich herausstellen sollte. Georg Lettau wohnte zunächst auch bei der Familie von Christel Louis, die ein Textilgeschäft betrieb. Er übernahm das Orgelspiel in St. Hubertus und sollte auch den Instrumentalverein in Kirchhoven viele Jahre lang leiten.

Der Musiker nahm schließlich auch die kleine Christel unter seine Fittiche und führte sie mit Geschick an das Orgelspiel heran. Mit durchschlagendem Erfolg. Nach und nach sprang das junge Mädchen immer wieder einmal für den Organisten in der Kirche ein. Die Scheu, vor fremden Menschen in die Tasten zu greifen, hatte sie da längst abgelegt. „Wenn in unser Geschäft die Vertreter kamen, musste ich denen immer etwas vorspielen“, lacht Christel Louis. „Dafür machte mir das später auch nichts, vor vielen Menschen zu spielen.“

Nach dem Krieg hatte man auch in der Realschule für Mädchen, die sich damals an der Hochstraße befand, rasch das Talent von Christel Louis erkannt. Fortan begleitete sie schon als 14-Jährige in der hölzernen Notkirche an der Patersgasse die Schulmessen musikalisch. Ihr Klavierspiel habe sie auch davor bewahrt, aktiv am Turnunterricht teilnehmen zu müssen, sagt Christel Louis und schmunzelt. Turnen sei einfach nicht ihr Ding gewesen, weil aber ein Klavier in der Sporthalle stand, durfte sie den Mädchen beim Sport musikalisch den Rhythmus vorgeben.

„Das wäre was für Dich“

Als Georg Lettau schließlich davon erfuhr, dass in Aphoven ein Organist gesucht wurde, waren die Weichen schnell gestellt. „Das wäre was für Dich“, hatte er gesagt. Der niederländische Pfarrer, der seinerzeit in Aphoven seinen Dienst versah, war aber noch ein wenig skeptisch. Sie solle doch erst einmal für eine Werktagsmesse vorbeikommen, meinte dieser, um dann gleich nach dem Spiel seinen Segen zu geben.

Am 15. Juli 1972 unterschrieb Christel Louis ihren Vertrag als Organistin und Chorleiterin. 23 Jahre lang, bis zu ihrem Renteneintritt, leitete die Kirchhovenerin den Aphovener Männerkirchenchor, zwischendurch auch drei Jahre den Kirchenchor Laffeld. Auch war sie 20 Jahre lang für den gemischten, weltlichen Chor aus Scheifendahl als Dirigentin tätig. Doch nicht nur das. Fünf Jahre lang begleitete sie zudem den Liederkranz Lieck, gelegentlich den Männergesangverein St. Josef und den Kirchenchor Kirchhoven.

Ob Weihnachtsfeier oder Kameradschaftsabend, auf Christel Louis war Verlass. „Da konnten die Leute immer zu ihr gehen, sich ein Musikstück wünschen und schon hat sie was gezaubert“, sagt Ehemann Matthias begeistert. Ob sie lieber heitere oder ernstere Stück bevorzuge? „Ich spiele beides gerne, aber das Flotte liegt mir besonders.“ Ihr Talent sei „ein Geschenk von oben“, meint Christel Louis.

Ein wenig vererbt hat sie es an Sohn Josef, der früher Saxophon spielte. Stolz ist sie in jedem Fall auf ihn und ihre Enkeltochter Kristina, die als Lehrerin an der Realschule in Heinsberg arbeite. Sie werden am Freitag wohl den Reigen der Gratulanten in Aphoven anführen.

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