CDU: Quereinsteiger soll den Neustart gestalten

Von: Anna Petra Thomas
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Heinsberg-Kempen. Die CDU in Kempen hat einen Neustart hingelegt. Guido Peters, 51 Jahre alt und Polizeibeamter, wurde bei der Versammlung des knapp 30 Mitglieder zählenden Ortsverbands, von der die Hälfte anwesend waren, einstimmig zum neuen Vorsitzenden gewählt.

Außerdem schlugen die Kempener Parteifreunde der CDU-Fraktion vor, dass er neuer Ortsvorsteher werden soll. Gewählt werden soll Peters in der nächsten Sitzung des Stadtrats am 6. Juli.

Obwohl die CDU im Heinsberger Stadtrat die absolute Mehrheit hat, stand sie im ehemals sehr stark von dieser Partei geprägten Stadtteil Kempen seit Jahresbeginn ohne eigene Führung da. Bereits Mitte Dezember 2015 hatte der bisherige Ortsverbandsvorsitzende Walter Forscheln sein Amt niedergelegt. Offen hatte er dabei seinen Unmut über die Entscheidung des Stadtrats zur Schließung der Grundschule im Ort kundgetan.

Anfang Januar dieses Jahres folgten ihm Ortsvorsteher Ralf Baumann, wie er erklärte aus gesundheitlichen Gründen, und sein Stellvertreter Werner Hawinkels, der persönlicher Gründe für den Rückzug angab. In der Führung des Ortsverbands verblieben danach nur noch zwei Beisitzer: der ehemalige stellvertretende Bürgermeister Walter Geiser und Josef Himmels.

In den Fußstapfen des Vaters

Dennoch blieb Geiser nicht untätig. Er hat Peters überzeugt, das Amt zu übernehmen und damit in die Fußstapfen seines Vaters Hans Josef zu treten, der die Politik der Kempener CDU und der Partei in der Stadt lange Jahre geprägt hatte, zuletzt im Vorstand der Heinsberger Senioren-Union. Schon in der Karnevalszeit habe der Ehrenvorsitzende der KG Kemper Gröne ihn angesprochen, verrät Peters, der selbst Präsident der Karnevalsgesellschaft ist.

Obwohl er bisher in der Kommunalpolitik nicht aktiv war, sind ihm politische Entscheidungsprozesse nicht fremd. Seit zehn Jahren ist er im NRW-Innenministerium tätig, er hat sich zudem bereits in der Ausbildung neuer Polizisten als Dozent für Staatsrecht engagiert. „Und da ich auch in Kempen in den Vereinen aktiv und vernetzt bin, glaube ich schon mitzubekommen, wo es hakt“, sagt Peters. Vor ihm lag jedoch die Aufgabe, nicht nur den Vorsitz in einem politischen Verband zu übernehmen, sondern den gesamten Vorstand erst einmal wieder neu aufzubauen.

Dazu tat er sich zunächst mit Christoph Tholen zusammen, dem Vorsitzenden der Karnevalsgesellschaft. „Wir sind nicht immer einer Meinung“, erzählt Peters aus der Kooperation mit ihm im Verein, „aber wir kommen fast immer zu einem guten Ergebnis.“ Die beiden stellten eine Liste mit Personen auf, deren Mitarbeit sie sich in einem neuen Vorstand vorstellen konnten. „So 60 bis 70 Namen hatten wir da schon aufgeschrieben“, verrät der neue Vorsitzende. Acht davon habe er angesprochen, und sechs hätten mitmachen wollen, lautet sein Ergebnis der Personalsuche für den neuen Vorstand. „Wichtig war mir, meinungsstarke und in unterschiedlichen Generationen verankerte Menschen für die gemeinsame politische Arbeit zu gewinnen“, sagt er. Bisher sei das jüngste Mitglied im Ortsverband knapp 50 Jahre alt gewesen und nur eine einzige Frau habe dazu gehört.

Gäste der Mitgliederversammlung waren neben dem Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat, Norbert Krichel, der Stadtverbandsvorsitzende Herbert Eßer und sein Stellvertreter Kai Louis, der die Wahl leitete. Jeweils einstimmig gewählt wurden Guido Peters als Vorsitzender, Christoph Tholen und Karl Heinz Erkens als stellvertretende Vorsitzende, Norbert Wolters als Geschäftsführer, Jana Wolters als stellvertretende Geschäftsführerin sowie Walter Geiser, Guido Geiser und Niklas Hausmanns als Beisitzer. Die Hälfte davon ist wie Peters ganz neu in der CDU. Die Mitgliedschaft ist jedoch vom CDU-Kreisverband bereits bestätigt.

Natürlich sei ihm bewusst, dass der Zeitpunkt denkbar ungünstig sei, in Kempen in die aktuelle Politik einzusteigen, räumte Peters im Gespräch mit unserer Zeitung ein. Dass der Zeitpunkt der Wahl sich unmittelbar an den Bürgerentscheid anschließe, sei dabei jedoch „echt Zufall“ gewesen, betont er. „Wie die Schulretter von außen können wir jedoch jetzt hier in Kempen versuchen, die Politik innerparteilich mitzugestalten.“

Als vorrangig gilt auch für ihn weiterhin das Thema Schule. „Ich war bei der großen Mehrheit der Kempener“, verrät er zu seinem Votum beim Bürgerentscheid. „Wir müssen den Istzustand des unechten Scheiterns dieses Bürgerentscheids jetzt so hinnehmen.“ Er habe zwar kein Stimmrecht in Fraktion und Rat, „dennoch werde ich die Interessen der Bevölkerung vertreten. Und wenn die anders liegen als die Beschlüsse der Fraktion, werde ich meine Stimme erheben“, verspricht er.

Ziele präsentieren

Ihm gehe es jetzt zunächst darum, eine ganz detaillierte Bestandsaufnahme zu machen, in Gesprächen mit seinen Vorgängern, mit den Gremien seiner Partei auf städtischer Ebene, mit der Bevölkerung und natürlich auch mit den Schulrettern. Im frühen Herbst soll dann eine Bürgerversammlung folgen, bei der die neue Kempener CDU den von ihr erarbeiteten Sachstand darstellen und ihre Ziele präsentieren will. Als weitere, größere Themen für Kempen sieht Peters auch die Ausweisung eines neuen Baugebiets oder Anliegen der Feuerwehr.

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