Burg verkauft, Dach geplant, Geld gespart: Wo steht Wassenberg?

Von: Daniel Gerhards
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Entwicklungen in Wassenberg: Die Burg Wassenberg hat einen neuen Eigentümer, der dort wieder ein Hotel und Restaurant betreiben will.
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Die Graf-Gerhard-Straße soll attraktiver werden, ...
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...wenn die B221 nicht mehr durch den Stadtkern läuft.
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Und an Bergfried und Burg sollen neue Parkplätze gebaut werden.
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Die Stadt plant, den Roßtorplatz mit einem großen Textildach wetterfest zu machen.

Wassenberg. Die Stadt Wassenberg steht gut da. Die Finanzen sind stabil. Und wichtige Projekte sind in die Wege geleitet. So stellte es Bürgermeister Manfred Winkens (CDU) am Donnerstag jedenfalls in seiner Haushaltsrede dar. Demnach sei es der Stadtverwaltung gelungen, trotz eines erwarteten Fehlbetrages von rund 500.000 Euro für das laufende Jahr einen Überschuss von rund 600.000 Euro zu erwirtschaften.

Wir haben die Themen der Haushaltsrede zusammengefasst, die gleichzeitig zeigt, woran die Stadt derzeit arbeitet, wo sie Schwerpunkte setzt und welche Entwicklungen aktuell laufen.

Die Zahlen für das Jahr 2017: In der Wassenberger Haushaltssatzung für das kommende Jahr stehen Erträgen von rund 36,01 Millionen Euro Ausgaben von rund 36,67 Millionen Euro gegenüber. Der erwartete Fehlbetrag von 568.000 Euro ist schon durch den Überschuss aus dem laufenden Jahr gedeckt. Weil in der sogenannten Ausgleichsrücklage aktuell 3,6 Millionen Euro vorhanden seien, brauche die sogenannte Allgemeine Rücklage (65,3 Millionen Euro) nicht angetastet zu werden.

Daher bestehe bis 2020 keine Gefahr, dass die Stadt Wassenberg ein Haushaltssicherungskonzept aufstellen muss, sagte Winkens. Ein solches Haushaltssicherungskonzept würde den Handlungsspielraum von Rat und Verwaltung beschneiden. Die Prognosen für die kommenden Jahre sind positiv: Für das Jahr 2018 rechnet die Stadt mit einem Überschuss von einer Millionen Euro, 2019 sollen zwei Millionen übrig bleiben und im Jahr 2020 sogar 2,5 Millionen.

Schulden: Die Verbindlichkeiten der Stadt Wassenberg sind im Jahr 2016 von 4,7 auf 4,3 Millionen Euro gesunken. Die Pro-Kopf-Verschuldung sank damit von 264 auf 241 Euro. Bis zum Jahr 2020 will die Stadt die Schulden beinahe halbieren auf dann 2,3 Millionen Euro, so die Prognose von Winkens. Kämmerer Willibert Darius geht noch weiter. Er sprach von einem „konsequenten Abbau der Schulden. Auch wenn die Zinsen noch so niedrig sind. Denn Schulden bleiben Schulden und müssen irgendwann zurückbezahlt werden.“ Darius wolle mit den Banken über Sondertilgungen verhandeln, um den „Kernhaushalt“ für das Jahr 2020 „völlig schuldenfrei darstellen zu können“.

Investitionen: Laut Darius gebe es „keinen Sanierungsstau“ bei der städtischen Infrastruktur. Aktuell stünden die energetische Sanierung des Übergangswohnheims, die Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses neben dem Rathaus und der Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Myhl an. Im Jahr 2018 soll zudem die Sporthalle an der Bergstraße neu gebaut werden. Und die Stadt möchte auch die Planungen für die Freiluftsportstätte in Orsbeck vorantreiben.

Steuern: Eigentlich hatte die Stadt Wassenberg angedacht, die Grundsteuer im kommenden Jahr zu erhöhen. Hintergrund ist laut Darius, dass der Stadt eine Million Euro fehlt, die sie für Leistungen für Asylbewerber aufbringen musste. Dieses Loch in der Kasse wollte die Stadt durch den Verkauf von Grundstücken an den Betreiber des Kiesbaggersees in Forst stopfen. Dazu kam es allerdings nicht, weil die Katholische Kirchengemeinde, die dort ebenfalls Grundstücke besitzt, nicht verkaufen wollte. Der Kirchenvorstand befürchtete negative Auswirkungen für Anwohner und Natur. Darius bezeichnete diesen Vorgang nun als das „Desaster mit der Katholischen Kirche“.

Obwohl die Stadt ihre Grundstücke nicht zu Geld machen konnte, ist nun auch die Steuererhöhung vom Tisch. Damit gebe es in Wassenberg weiterhin die niedrigsten Hebesätze für die Grundsteuer A und B im Kreis Heinsberg.

Innenstadtentwicklung: Dass die Umgehungsstraße B221n für die Wassenberger Innenstadt zum Segen wird, darin ist man sich im Rathaus einig. Winkens verwies erneut darauf, dass die Stadt mit dem Umbau der Graf-Gerhard-Straße im Sommer des kommenden Jahres beginnen wolle, bevor die Umgehungsstraße fertig ist. Die Erlaubnis für diesen vorzeitigen Baubeginn zu bekommen, sei sehr aufwendig, aber unbedingt notwendig gewesen, damit die Kunden die Innenstadt nicht komplett links liegen lassen. „Ziel ist, die Attraktivität des Stadtzentrums zu steigern, das Erscheinungsbild zu verbessern und somit die Aufenthaltsqualität entscheidend zu verbessern“, sagte Winkens. Er verwies zudem darauf, dass die Arbeitsgruppe „Innenstadt“ erste Erfolge vorweisen könne. An der Roermonder Straße stünden vier Geschäfte nicht mehr leer, und an der Graf-Gerhard-Straße werde das älteste Haus der Stadt alsbald renoviert.

Burg Wassenberg: Nach langer Suche hat Robert Soltyszeck einen Käufer für die Wassenberger Burg gefunden. An dem Wahrzeichen der Stadt laufen derzeit die Restaurierungsarbeiten. Gekauft hat die Burg die Familie Willemsen, die auch Eigentümer und Betreiber der Dalheimer Mühle ist. Die Burg soll wieder ein Restaurant mit großem Veranstaltungssaal und ein Hotel beherbergen. „Der neue Eigentümer verfügt über gute Erfahrungen in der Sanierung alter Bausubstanz und in der Gastronomie“, sagte Winkens. „Das Burgareal soll wieder zu einem überregional bedeutenden touristischen und gastronomischen Anziehungspunkt werden.“

Parkplätze: Die Stadt Wassenberg möchte an der Burg eine Fläche von rund 2000 Quadratmetern kaufen, um Parkplätze anzulegen. Mittelfristig sollen in der Innenstadt dann 1000 kostenlose Parkplätze zur Verfügung stehen. Zurzeit seien es 660 kostenfreie Parkplätze, sagte Winkens.

Dach über dem Roßtorplatz: Auf dem Roßtorplatz soll ein Textildach Schutz vor Regen und starker Sonne bieten. Das Dach soll wie eine große Markise ein- und ausgefahren werden können. Aktuell liegen die Pläne bei der Bezirksregierung Köln. Winkens sagte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass der Platz – soweit es brandschutztechnisch möglich ist – überdacht werden solle. Das Dach dürfe nicht an den Hauswänden befestigt werden. Es werde vielmehr vom Roßtor aus bis zum Alten Rathaus gespannt, wo große Metallpfähle das Textildach halten sollen. Einen Kostenrahmen könne Winkens derzeit noch nicht nennen, weil noch geklärt werden müsse, wie dick der Stoff für das markisenähnliche Dach sein muss.

Tourismus und Naherholung: Weil klassischer Einzelhandel in Wassenberg in den Augen der Verantwortlichen im Rathaus nicht mehr funktioniert, setzt man seit einiger Zeit auf Kunst, Kultur, Genuss und Events. Winkens sagte, dass der Plan, wieder den Status Luftkurort oder Erholungsort zu bekommen, weiter verfolgt werde. Der Bau der Aufzüge am Bergfried soll Ende des Monats beginnen. Der Abendmarkt soll weitergeführt werden, das Naturparktor zum Naturpark Schwalm-Nette soll im kommenden Jahr in der Begegnungsstätte am Pontorsonplatz unterkommen und das angrenzende Waldgebiet nach dem Vorbild Oscar von Forckenbecks „unterschiedliche Aufenthalts- und Erlebnismöglichkeiten“ bieten.

Myhl: Wenn die Umgehungsstraße B221n fertig ist, soll auch der Myhler Ortskern profitieren. Wenn er nicht mehr vom Durchgangsverkehr belastet sei, könne man ihn umgestalten und das Wohnumfeld verbessern, sagte Winkens.

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