Bürgermeisterkandidat Thissen will Winkens vom „Thron“ stoßen

Von: Nicola Gottfroh
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Hermann Thissen vor dem Rathaus, das möglicherweise sein neuer Arbeitsplatz werden könnte. Der 51-jährige Birgelener ist der Bürgermeisterkandidat der SPD. Foto: Gottfroh

Wassenberg. Der 51-jährige Polizeihauptkommissar tritt für die SPD als Bürgermeisterkandidat an. Mit seinem Konzept zur Bekämpfung des Leerstands will er punkten. Hermann Thissen, der als Polizeifachlehrer an der Bundespolizeiakademie lehrt, hat ein großes Ziel: Er will Manfred Winkens aus dem Bürgermeistersessel befördern und selbst Erster Mann Wassenbergs werden.

Unterstützt wird er dabei nicht nur von seiner Partei, der SPD, sondern auch von seiner Frau Anke, Tochter Maike und Sohn Torsten. Welche Chancen er sich gegen Winkens ausrechnet und was er anders machen möchte, erzählt er im Interview mit unserer Zeitung.

Ein Bürgermeister hat nicht nur repräsentative Aufgaben. Er muss sich als Chef der Verwaltung auch auskennen mit Vorschriften, Gesetzten, Fristen und Verträgen. Glauben Sie, dass Sie für dieses Amt qualifiziert sind?

Hermann Thissen: Ich bin seit über 30 Jahren bei der Bundespolizei tätig. Dadurch sind mir die Strukturen einer Behörde sehr vertraut. Ich bin Diplom-Verwaltungswirt und war einige Jahre Dienstgruppenleiter in der Bundespolizeiinspektion am Düsseldorfer Flughafen mit rund 60 Mitarbeitern. Inzwischen arbeite ich als Polizeifachlehrer bei der Bundespolizeiakademie im Fachbereich „Recht und Verwaltung“. Ich halte mich daher sehr qualifiziert für dieses Amt. Ich besitze Führungsstärke. Vielleicht ärgere ich mich auch gerade deswegen so sehr über die mangelhafte Struktur und Kopflosigkeit, die derzeit in der Wassenberger Verwaltung herrscht.

Wer handelt Ihrer Meinung nach kopflos?

Thissen: Wenn man im Rathaus hinter die Kulissen schaut, dann wird klar, dass Bürgermeister Winkens die Verwaltung nicht im Griff hat. Erst vor kurzem hat ein Bürger eine Untätigkeitsklage gegen ihn erhoben. Grund dafür ist, dass ein von dem Bürger eingelegter Widerspruch nach mehr als sechsmonatiger Bearbeitungszeit noch immer nicht bearbeitet wurde. Mehrmalige vergebliche Aufforderungen des betroffenen Bürgers ließen ihn letztendlich den Weg zum Verwaltungsgericht beschreiten. Das hätte nicht sein müssen, denn eine Untätigkeitsklage stellt für einen Behördenleiter immer eine Bankrotterklärung dar.

Manfred Winkens ist außerordentlich beliebt. Rechnen Sie sich als Herausforderer überhaupt Chancen gegen ihn aus – vor allem, wenn Sie so scharf schießen?

Thissen: Selbstverständlich rechne ich mir Chancen aus. Ich habe gute Konzepte. Sie haben zwar recht – Manfred Winkens ist bei den Bürgern sehr beliebt, weil er Dinge auf den Weg bringt. Allerdings sind das alles Dinge, die für den Normalbürger nicht viel bewegen. In meinen Augen ist Manfred Winkens ein Mann für seltene, aber populäre Entscheidungen. Wenn er tatsächlich einmal eine Entscheidung trifft, dann geht es um schöne Dinge, mit denen alle einverstanden ist. Sobald sich aber aus einer Ecke Kritik rührt, dann entscheidet er nicht mehr gerne und lässt die Anregungen und Pläne im Sande verlaufen. Hätte Leo Stassny von der SPD in Sachen B 221 nicht das Ruder übernommen, dann wären wir in diesem Thema noch immer keinen Schritt weiter. Und das haben auch viele CDU-Anhänger bemerkt. Deshalb glaube ich, dass ich den Weg ins Rathaus schaffen kann.

Sie möchten also als Sozialdemokrat auch ganz gezielt um die Stimmen der CDU-Wähler werben?

Thissen: Nach zehn Jahren Winkens sehen nicht nur die Christdemokraten das Ziellose im Handeln des Bürgermeisters kritisch. Vor allem aber möchte ich die klassischen SPD-Wähler ansprechen, diejenigen, die der Arbeiterpartei ihre Stimme schenken, diejenigen, die mit der von Winkens propagierten Kunst-, Kultur- und Genussstadt Wassenberg wenig anfangen können. Bürger, denen es sauer aufstößt, dass sie im Bergfried ein Eventzentrum mitfinanzieren müssen und dass im Rathaus für 100 000 Euro eine neue Empfangstheke gebaut wurde.. Menschen, die viele, viele Jahre arbeiten müssen, um 100 000 Euro zu verdienen. Und Wassenberger, die der Meinung sind, das Geld könnte man so gut anders investieren als in Prestige-Objekte.

Was für Investitionen würden Sie mit dem Geld tätigen?

Thissen: Sicher nicht solche Projekte voller Prunk und Protz. Schauen Sie sich den Burgberg an. Zugegeben, die Umgestaltung und die Beleuchtung sind sehr schön anzuschauen. Oder waren es. Inzwischen ist die Treppenbeleuchtung vermoost und überall haben Sprayer ihre Graffiti hingesprüht. Hier wurde wieder ein Prestige-Objekt auf den Weg gebracht, das dann nicht sauber gehalten werden kann. Das ist wieder einmal ein Beweis für die Kopflosigkeit, die derzeit im Rathaus vorherrscht. Ich bin der Meinung, der Stadt stünde ein wenig mehr Bescheidenheit gut zu Gesicht.

Damit haben Sie aber noch immer nicht erklärt, welche kommunalpolitischen Ziele für Sie Vorrang haben! Was ist Ihrer Meinung nach Wassenbergs größtes Problem?

Thissen: Ganz klar: der Leerstand der Geschäfte. Ich möchte, falls ich gewählt werden sollte, die Leerstandsproblematik in der Innenstadt angehen. Als einzige Möglichkeit, die Innenstadt wieder zu beleben, sehe ich die Idee, dass mit Hilfe weniger Investoren alle Geschäfte zeitgleich bestückt werden und dann auf einen Schlag öffnen können, ähnlich wie es in Bad Münstereifel gemacht wurde. Dadurch, dass viele Geschäfte dicht zusammen, teilweise sogar nebeneinander liegen, sehe ich gute Chancen, dass ich Investoren auf die Wassenberger Innenstadt aufmerksam machen kann. So könnten wir die Menschen nach Wassenberg locken.

Nach dem Gerangel um den Effelder Waldsee und den Beschwerden der Anwohner glauben Sie tatsächlich, dass das gelingen kann?

Thissen: Sicher werden einige Leute dagegen sein. Und ich halte es für sehr wichtig, diese Gegenstimmen auch mit aller Ernsthaftigkeit anzuhören und entsprechende Entscheidungen transparent zu machen.

Und wie genau wollen Sie die Wassenberger in die kommunalpolitischen Fragen mit einbeziehen?

Thissen: Indem ich mit den Bürgern auf Augenhöhe kommuniziere und jederzeit Gesprächsbereit bin. Es ist ganz klar, dass ich alle Anregungen sorgfältig abwägen und mit den Bürgern durchsprechen würde. Kommunikation ist das Wichtigste. Ich habe meinen Mitarbeitern bei der Bundespolizei stets Kommunikation und Problemlösung geboten – und als Bürgermeister würde ich diese auch den Bürgern bieten. Ganz nach dem Motto: Ihr seid für die Probleme zuständig, ich für die Lösungen. Allerdings ist es dabei auch wichtig klarzustellen, dass man zwar über alles reden kann, das Leben in einer Stadt aber kein Wunschkonzert für Einzelne ist...

Natürlich wird eine mögliche Amtszeit auch für Sie kein Wunschkonzert, die Bürger werden Erwartungen haben. Sicher wird man Sie bald fragen, wie sie Entwicklung der Ortsteile stärken wollen...

Thissen: Ich muss gestehen, dass ich aus den Ortsteilen noch wenig Input bekommen habe. Aber ich stehe in engem Kontakt mit allen Kandidaten in den Ortsteilen.

Haben Sie einen Plan, wie Sie mit dem demografischen Wandel umgehen werden. Auch Wassenberg muss sich der Herausforderung der älter werdenden Bevölkerung stellen – ohne die Jungen zu vergessen.

Thissen: In Wassenberg heißt es zu oft „geht nicht“. Mein Motto lautet allerdings „Geht nicht, gibt‘s nicht.“ Alle Anliegen der Bürger – von Jugendlichen, Senioren und Familien – sollten erst einmal ausgiebig geprüft werden, bevor man sie abschmettert. Außerdem möchte ich dafür sorgen, dass sich die Menschen sicher fühlen.

Bei so vielen Diengen, die Sie ändern würden, verraten doch einmal, was Sie an Wassenberg mögen.

Thissen: Wassenberg ist meine Stadt, ich bin noch nie umgezogen, habe nie irgendwo anders gelebt. Wir liegen wunderschön zwischen Wald und Feld. Vor allem aber mag ich die Gemeinschaft. Ich bin in vielen Vereinen bis hin zur Feuerwehr aktiv – und habe vor allem den Gemeinschaftssinn der Menschen schätzen gelernt.

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