Bürgerinitiative: Sturmlauf gegen Gewerbeparkerweiterung

Von: Anna Petra Thomas
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Die Skizze zeigt den Gewerbepark (graue Flachdächer), östlich davon die geplante Erweiterungsfläche, darunter das bestehende Baugebiet Kirchhover Bruch und westlich davon das gerade erschlossene, neue Baugebiet. Grafik: Stadt Heinsberg
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Nur ein Stück Rasen trennt die Terrasse der Wolterys von dem Graben, hinter dem die Erweiterung des Gewerbeparks entstehen soll. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg-Kirchhoven. War es Absicht oder nur eine unglückliche Verkettung von Fakten in der Chronologie der Ereignisse? Wer die Argumente der Bürgerinitiative liest, die sich gerade in Kirchhoven gegen die Erweiterung des dortigen Gewerbeparks gegründet hat, spürt, wie sich die Bewohner der Neubauten im angrenzenden Kirchhover Bruch verschaukelt fühlen. Denn sie hatten beim Grundstückskauf auf eine dauerhafte Aussicht ins Grüne vertraut.

Ernst Schamong dagegen, Betreiber des Gewerbeparks, kann den Argumenten der Bürgerinitiative nicht folgen. Und die zuständigen Planer bei der Stadt sprechen von einem „dynamischen Prozess“. Ausgelöst wurde die aktuelle, heftig geführte Diskussion mit einer Anzeige in unserer Zeitung, in der die Kirchhovener eingeladen wurden zu einer im Baugesetzbuch vorgesehenen Bürgerbeteiligung.

Dabei ging es um die vom Planungs- und Verkehrsausschuss im Dezember vergangenen Jahres beschlossene Aufstellung zur Änderung des Flächennutzungsplans für Kirchhoven und die Aufstellung des Bebauungsplans für den Gewerbepark Kirchhoven. Hintergrund der Planungen ist der Wunsch von Schamong, seinen Gewerbepark im hinteren Bereich zu erweitern.

Dagegen laufen die Bewohner des Kirchhover Bruchs, die ihre Grundstücke seit der Erschließung des Baugebiets im Jahre 2002 von Schamong erworben haben, regelrecht Sturm. 22 Familien zählt die gegen dieses Vorhaben gegründete Bürgerinitiative, die mittlerweile von einem Fachanwalt vertreten wird. Und gleich fünf von ihnen haben eine eidesstattliche Versicherung abgegeben.

Darin erklären sie, dass Schamong ihnen beim Kauf ihres Grundstücks versichert habe, dass das Gelände hinter ihren Gärten Landschaftsschutzgebiet sei und nicht bebaut werden könne. Auf die Frage nach einer eventuellen Bebauung der Freifläche hinter dem von ihnen ausgesuchten und später erworbenen Grundstück habe ihnen Schamong erklärt, dass Blick auf Ackerland und Wald dahinter erhalten bleiben und die Fläche nicht bebaut werde, schreiben zum Beispiel Heinz-Willi und Angelika Woltery in ihrer eidesstattlichen Versicherung.

Und dabei hätten sie zuvor ein Haus Am Naturschutz in Kirchhoven besessen mit unverbaubarer Lage und Aussicht auf das Naturschutzgebiet, räumt Angelika Woltery ein. Auch andere Anwohner erinnern sich an derartige Gespräche mit Schamong beim Kauf ihrer Grundstücke. Im Kaufvertrag mit dem Verkäufer vereinbart hat dies aber niemand. Tatsächlich habe er bereits seit langem den Wunsch gehegt, seinen Gewerbepark zu erweitern, so Schamong.

Aber bei der Stadt habe man ihm immer jegliche Hoffnung genommen mit dem Hinweis darauf, dass das mögliche Erweiterungsgebiet eben ein Landschaftsschutzgebiet sei. Bis zum Jahre 2005, als im Rahmen des Erlasses einer neuen Landschaftsschutzverordnung auch die Stadt Heinsberg beteiligt wurde und sich diese der Gespräche mit dem Betreiber des Gewerbeparks erinnerte. So wurde diese Fläche teilweise aus dem Landschaftsschutz herausgenommen. Genau diese 8000 Quadratmeter will Schamong nun mit neuen Hallen bebauen und diese vermieten.

Hallen mit einer Firsthöhe von 10,50 Meter, wie sie im Plan stehen und die Gemüter der Anwohner erregen, werde er jedoch nie bauen, versichert Schamong. „Wir werden nicht höher als fünf Meter bauen, weil wir die Hallen sonst gar nicht vermieten könnten“, erklärt er. Und auch die Lärmwerte würden in diesem eingeschränkten Gewerbegebiet eingehalten, 60 Dezibel bei Tag und 50 in der Nacht. „Das sind übrigens die gleichen Werte, die im Kirchhover Bruch auch gelten. Auch das ist ein Mischgebiet“, betont er.

Kopfschütteln ruft bei ihm zudem die Argumentation der Bürgerinitiative hervor, dass die Erweiterung des Gewerbeparks eine Verschandelung der Landschaft und eine Vertreibung seltener Tiere zur Folge habe. Bei der Erschließung des Kirchhover Bruchs habe dies keiner der Grundstücksbesitzer bemängelt, sagt er. Eine negative Auswirkung auf das Naherholungsgebiet Lago Laprello sieht Schamong durch die Erweiterung ebenfalls nicht. Zusätzlich zu dem vorhandenen Baumbestand sei im Anschluss an die geplante Erweiterungsfläche bereits eine Ausgleichsbepflanzung erfolgt für die Erschließung des Mischgebiets an der Stapper Straße, gleich neben dem Gewerbepark.

Dieses gehörte bisher ebenfalls Schamong und wird jetzt mit 15 Einfamilienhäusern bebaut. Auch hier sieht die Bürgerini-tiative ein Problem. Genau diese Fläche sei doch bisher als gewerbliche Baufläche im Flächennutzungsplan ausgewiesen gewesen, bemängelt sie. Dagegen spricht die Information von Stadtplaner André van Vliet. Tatsächlich sei diese Fläche eine Waldfläche gewesen, es habe sich schlicht um eine falsche Darstellung im Flächennutzungsplan gehandelt, erklärt er.

Die zeichnerische Darstellung der seit Jahrzehnten bestehenden gewerblichen Nutzung und des Waldgebiets nebeneinander seien schlicht vertauscht worden. Man befinde sich doch erst ganz am Anfang der Planung, versucht auch Stadtrechtsdirektor Hans-Walter Schönleber die Wogen zu glätten. „Es handelt sich bisher nur um einen Vorentwurf!“ Viele unterschiedliche Stellen würden dazu gehören.

„Wenn alles vorliegt, werden wir uns wie immer mit dem Vorhabenträger zusammensetzen und alle Punkte besprechen“, sagt er. Einigen Punkten könne eventuell direkt abgeholfen werden, für andere seien vielleicht Gutachten erforderlich. Ergebnis sei dann in einem zweiten Schritt ein Entwurfsbeschluss, dem vor dem Satzungsbeschluss eine erneute Beteiligung folge.

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