Bürgerinitiative: Naturschutz ja, aber Nachteile ausgleichen

Von: Anna Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
6701072.jpg
Die Gründungsmitglieder: Marion Tettinger, Rainer Schiffers, Arndt Kremers, Leo Rick, Clemens Graf von Mirbach-Harff, Wilfried Jennissen und Manfred Hermanns (von links). Es fehlt Daniel Coenen. Foto: anna

Wassenberg. Nach der Gründung Ende Oktober haben sich die acht Mitglieder des Vereins „Bürgerinitiative Zwangloser Naturschutz im Kreis Heinsberg“ jetzt im Restaurant „Tante Lucie“ in Wassenberg erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Ganz bewusst habe man zu dieser ersten Veranstaltung nur die von den Landschaftsplänen „Wassenberger Riedelland und untere Rurniederung“ und „Baaler Riedelland und Rurniederung“ sowie die von der europäischen Wasserrahmenrichtlinie betroffenen Menschen eingeladen, erklärte Gründungsmitglied Marion Tettinger, Richterin aus Köln, deren Eltern einen landwirtschaftlichen Hof in Horst betreiben.

Dass sich nicht nur die derzeitigen Mitglieder der Bürgerinitiative um die Zukunft ihres Eigentums im Gebiet der aktuellen Landschaftsplanung sorgen würden, stellte Vorsitzender Manfred Hermanns, Landwirt in Hilfarth, mit Blick auf die knapp 100 Zuhörer im Saal fest. Und wurde dann gleich deutlich in Bezug auf das Ziel der Initiative: „Wenn die Allgemeinheit 1700 Hektar Fläche für Naturschutz von uns will, dann muss die Allgemeinheit auch die Kosten dafür tragen.“

Im weiteren Verlauf des Abends führte Marion Tettinger detaillierter aus, was mit diesem Kernsatz gemeint ist. Dabei ging sie zunächst auf die Planungen zur Renaturierung von Flussläufen im Kontext der Wasserrahmenrichtlinie ein. Hier gebe es eine vorbildliche Vereinbarung, die der Wasserverband Eifel-Rur mit der Landwirtschaftskammer und mit dem Landwirtschaftsverband getroffen habe. „Der Wasserverband setzt hier auf Freiwilligkeit, Kooperation und Nachteilsausgleich“, erklärte sie.

Sie hoffe, dass diese Vereinbarung nicht nur für Land- und Forstwirtschaft sowie Gartenbau, sondern auch für die Hauseigentümer in diesen Gebieten gelte, die ebenfalls für die Zukunft Hochwasser fürchten würden. Vor allem aber solle sich die Verwaltung des Kreises Heinsberg im Rahmen der laufenden Landschaftsplanung das Vorgehen des Wasserverbandes zum Beispiel nehmen und Naturschutzgebiete sowie konkrete Maßnahmen zum Schutz der Natur nur mit Zustimmung der Betroffenen und unter Ausgleich entstehender Nachteile festsetzen.

Äcker, auf die jetzt das Schild Naturschutz gestellt werde, würden an Wert verlieren, betonte sie. Wichtig seien für diese Beurteilung nicht der aktuelle Boden- oder der Nutzwert, sondern der Marktwert. Kein Landwirt würde einen Acker kaufen, der unter Naturschutz stehe. Daher würden die Betroffenen die Planungen des Kreises als Enteignung sehen. „Und es drängt sich mir der Eindruck auf, dass der Kreis jetzt unsere Flächen entwertet, um sie dann irgendwann günstig zu kaufen.“

Als Forstwirt bemerkte Clemens Graf von Mirbach-Harff in diesem Zusammenhang, dass den Waldbesitzern durch die Planung sage und schreibe 28 Verbote auferlegt würden. „Da wird auch die Sozialpflichtigkeit überspannt!“

Wie ihre Kollegen in der Initiative sei sie durchaus für Naturschutz, erklärte Tettinger weiter. Aber die derzeit vorgesehenen Flächen müssten reduziert werden, vor allem aber müssten die aktuellen Besitzer entschädigt werden, etwa durch Vertragsnaturschutz, Flächentausch oder monetäre Entschädigung. Vor allem sollten jedoch vorrangig öffentliche Fläche vor privaten genutzt werden. Erste Gespräche der Initiative mit Landrat Stephan Pusch wertete sie als positiv. Mit Blick auf die anstehenden Kommunalwahlen wünsche sie sich aber eine eindeutige und verbindliche Positionierung des Landrats, schloss Tettinger.

Weitere Redner des Abends bestärkten die Initiative in ihrem Tun. So zum Beispiel Cornel Lindemann-Berk, selbst Landwirt und stellvertretender Vorsitzender des CDU-Agrarausschusses in NRW. „Ich werde Sie ermuntern, sich zu wehren und ihnen erklären, wie man es am besten macht“, sagte er.

Wenn man jetzt die Äcker unter Naturschutz stellen wolle, unterstelle man den Landwirten doch, dass von ihnen derzeit eine Gefährdung für die Natur ausgeht. „Das ist eine Zumutung!“ Wichtig sei jetzt, sämtliche Informationsquellen zu nutzen und seine Position deutlich zu machen. „Ein gewisser Lästigkeitsfaktor hilft“, ermunterte er zum Protest.

„Suchen Sie das Gespräch mit den Verantwortlichen!“, forderte Karl Bröcker, Kreislandwirt im Kreis Mettmann. Heinsbergs Kreislandwirt Hans-Gerd Joeris berichtete von einem aktuellen Gespräch mit dem Landrat zum Thema. „Sie kommen nicht umhin, Ihre persönliche Betroffenheit zu verdeutlichen“, erklärte er und informierte, dass derzeit rund 80 Eingaben gegen die aktuelle Planung vorliegen würden.

Von seinen Erfahrungen mit der Landschaftsplanung Geilenkirchener Wurmtal vor 33 Jahren erzählte Albrecht Freiherr von Wrede. Lambert Josef Aretz aus Himmerich berichtete schließlich von seinen Beobachtungen auf einem Nachbargrundstück, das der Kreis gekauft habe, um Naturschutz zu betreiben. Dort sei wertvoller Torfboden einfach weggebaggert und entsorgt, später dann Baustellen-Aushub eingebracht worden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert