Bücherkiste bietet kostenlosen Lesestoff

Von: mb
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Wegberg ist zurzeit die einzige Stadt im Kreis Heinsberg mit einer Bücherkiste. Foto: Baltes

Wegberg. Leseratten sind sie alle, die an der Bücherkiste auf dem Wegberger Rathausvorplatz gesichtet werden. Marlies Schmidt ist Bücherkistenpatin und jeden Tag einmal hier. Dabei hat sie hat viele Unterarten dieser Spezies angetroffen.

Da sind die Schlaflosen, die sich morgens um vier Uhr auf den Weg zur Bücherkiste machen, um einen „Einschlafkrimi“ zu holen. Da sind die Schlechtwetterleser, die vom Reisemobilstellplatz am Hallenbad gekommen sind, um sich Lektüre für einen Regentag zu besorgen.

Da sind die Schatzfinder, die nach langem Suchen völlig überraschend auf den ersten Band der alten „Pucki-Reihe“ von Magda Trott stoßen und endlich ihre Sammlung vervollständigen können. Da sind die Bücherfreunde, die es niemals übers Herz bringen würden, wegen Platzmangel ein Buch in eine Mülltonne zu werfen. Da sind die Pragmatischen, die zum Beispiel Lebensphasen wie Geburt und Stillen entwachsen sind und das angesammelte Bücherwissen an die nächste Mutter weitergeben wollen.

Und da sind die Ungeduldigen, die dringend auf ein Bilderbuch warten. „Ich habe doch vorige Woche eines meines Bücher hierhergebracht, ist denn jetzt eins für mich da?“, fragt der Steppke mit treuherzigem Hundeblick. Schmidt muss ihn vertrösten: „Komm einfach immer wieder her. Schau, in dieser Reihe hier unten, die du gut sehen kannst, stehen Bücher für Kinder.“ „Kinder- und Jugendbücher suchen wir ständig händeringend“, erzählt sie. Gerade Kinderbücher werden in vielen Familien für kommende Generationen verwahrt. „Alles aus der Sparte ist kaum da, dann ist es schon wieder weg.“

Ende Juni ist die Bücherkiste von der Gruppe „Westen im Wandel“ aufgestellt worden, „wir haben den kompletten Inhalt bereits mehrfach umgeschlagen“, freut sich Schmidt über die Erfolgsgeschichte.

An der Bücherkiste muss weder bezahlt werden, noch müssen Bücher direkt getauscht werden. Man nur geben, man kann nur nehmen – oder beides tun. Das ist gut fürs Portmonee, gut für die Umwelt und gut für die Seele. „Denn hier trifft man immer auf nette Leute und oft auf ein interessantes Gespräch.“

Ansprechendes Bild und Hygiene

Dreimal täglich wird die Kiste kontrolliert, „Wir legen großen Wert auf ein ansprechendes Bild und bemühen uns um eine grobe Sortierung“. Hin und wieder kommt es vor, dass Bücher eingestellt werden, die den Hygiene-Vorstellungen der Bücherkistenpatin nicht entsprechen. „Die sortieren wir sofort aus, das soll keine Müllhalde werden. Bitte nur gut erhaltene Bücher einstellen“, appelliert sie an die Geber.

Die Bücherkiste entstand in Eigenleistung und wurde privat finanziert. Sie ist ein Geschenk an die Wegberger Bürger und wird offensichtlich pfleglich behandelt. Nennenswerte negative Überraschungen gab es bisher nicht. „Einmal ist sie komplett umgeworfen worden, hat aber keinen Schaden genommen. Wir denken allerdings über eine Verankerung nach“, berichtet Schmidt.

Wegberg ist zurzeit die einzige Stadt im Kreis Heinsberg mit einer Bücherkiste und der Rathausvorplatz eine erste Adresse für alle, die dem Leben „neue Seiten“ abgewinnen wollen.

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