Buch „Durch die Zeit“: Mit den Zeugen eine Antwort finden

Von: Johannes Bindels
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Gesprächsrunde in der Heinsberger Jugendmusikschule mit Anna Petra Thomas, Friederike Goertz und Autor Karl Beumers (v.l.). Foto: Johannes Bindels

Heinsberg. Es war schon ein besonderes Erlebnis für die Teilnehmer bei der Vorstellung des Buches „Durch die Zeit“ im Rondell der Jugendmusikschule in Heinsberg. Der Autor Karl Beumers gab nicht nur bei der Lesung Einblicke in sein neues Buch; gemeinsam mit Ehefrau Maria führte er durch ein kulturelles Programm aus Literatur, Musikaufführungen und Zeitzeugengespräch.

Das musikalische Rahmenprogramm gestalteten seine Söhne Stefan und Thomas Beumers unter Begleitung von Theo Krings, Jugendmusikschulleiter, am Klavier und Lukas Rinkens, Preisträger des Landeswettbewerbs „Jugend musiziert“, mit seinen Gitarrenspielbeiträgen.

Höhepunkt war jedoch das Zeitzeugengespräch mit der 82-jährigen Friederike Goertz, einer Freundin der Jüdin Anita Lichtenstein, der Namensgeberin der Gesamtschule in Geilenkirchen. Einfühlsam geleitet durch die Gesprächspartnerin Anna Petra Thomas erzählte Friederike Goertz ihre bewegenden und leidvollen Erlebnisse in der Zeit des Nationalsozialismus.

Als Tochter einer katholisch-jüdischen Mischehe erlebte sie Hass, Vorurteile, Gewalt, Not und Angst nach der Scheidung ihrer Eltern. Im Dürener Judenhaus, in dem jüdische Familien untergebracht wurden, lernte sie Anita Lichtenstein kennen. „Du brauchst nicht traurig sein, wir können jetzt immer zusammen spielen“, versuchte diese Friederike zu trösten.

Beim Abtransport in die Konzentrationslager übergab Anita Lichtenstein ihr eine Puppe, auf die sie aufpassen sollte. „Mein Versprechen habe ich gehalten und die Puppe durch die schlimme Zeit von Krieg, Zerstörung und Verfolgung gerettet“, schilderte Goertz ihre schrecklichen Erlebnisse. Immer wieder versagte ihre Stimme, weil Kriege und Gewalt, wie in allen Zeiten, Narben in die Seele der Menschen brennen. Für die Anwesenden, die in respektvoller Stille lauschten, wurde das Buch lebendig. Eine der Geschichten, die auch Brücken schlägt zur Situation um die Asyl- und Schutzsuchenden heute in unserem Land.

Viele Gedanken gemacht

Karl Beumers hat diese und andere Erlebnisse in seinem Buch dokumentiert. Er habe sich viele Gedanken gemacht über den Sinn des Lebens, über Krieg und Frieden, verrät Beumers seine Motivation für das Entstehen seines Buches. Und man nimmt ihm ab, dass ihn die Frage, warum die Gräueltaten der Nazis entstanden sind, besonders beschäftigte und er durch das Festhalten der Erlebnisse von Zeitzeugen eine Antwort finden wollte.

Deshalb dürfe kein Schlussstrich gezogen werden. „Wir dürfen nicht vergessen, womit 1933 alles anfing“, formulierte Beumers. Denn auch heute würden wieder Unterkünfte in Brand gesteckt, es werde und gegen Flüchtlinge gehetzt. Seit Pegida zeigten die Leute wieder ihren Hass und ihre Wut, zieht er den Vergleich.

„Du leistest wertvolle Arbeit für uns, denn dein Werk ist persönlich und verbindet die aufgeschriebenen Geschichten mit Gesichtern“, formulierte Wolfgang Dieder als Bürgermeister und auch als Freund seine Wertschätzung für Karl Beumers, sein Buch und für die Veranstaltung.

Dem schloss sich auch der Alt-Bürgermeister der Gemeinde Hangelt Heinrich Aretz in seinem Grußwort an. Pfarrer Arnold Houf gab in seinem Dank an Beumers ein Jesus-Zitat wider: „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen.“ Dieses sei auch heute noch eine Verpflichtung für die Christen, meinte er.

Was mit Thomas Beumers Waldhorn-Beitrag „Vocalise“ von Sergei Rachmaninoff begann, beendete Stefan Beumers mit dem Konzert für Bassposaune von Ernst Sachsa, jeweils von Theo Krings am Flügel begleitet. Dazwischen zeigte Lukas Rinkens mit „Sons de Carrilhoes“ von Joao Pernambuko und „Sarabande“ von Silvius Leopold Weiß sein gekonntes Spiel auf der Gitarre.

Ein gelungenes Kulturprogramm als Synthese aus Geschichte, Literatur und Musik gelang rund um die Vorstellung des Buches. Dieses kann in den Buchhandlungen in Heinsberg, Geilenkirchen, Erkelenz und Übach-Palenberg erworben werden.

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