Brunnenschule: „Verkehrszähmer“ gegen Elterntaxi

Von: Anna Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
11287302.jpg
Sogar der kleine Hund Nano ist mit Reflexmaterial ausgestattet, wenn er seine Sarah zur Schule begleitet. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg-Kirchhoven. „Ihr Elterntaxi ist Teil des Problems!“ Deutliche Worte hatte Kerstin Mechs, Leiterin der Kirchhovener Brunnenschule, Mitte September in einem Brief an die Eltern ihrer rund 170 Schüler gewählt. Grund dafür: Mechs sah zunehmend die Sicherheit der Kinder kurz vor Schulbeginn unmittelbar vor der Schule gefährdet.

Mittlerweile ist das Problem hier gelöst mithilfe eines Programms namens „Verkehrszähmer“, das eine Kollegin von Mechs in Baesweiler „erfunden“ hat.

„Da wurde gehupt, beim Kampf um Parkplätze sogar auf den Gehwegen gehalten, gewendet oder geparkt“, erinnert sich die Schulleiterin. Andere Eltern hätten sogar mitten auf der Straße angehalten. Eine Abfrage in allen Klassen ergab: Knapp die Hälfte aller Schüler wurde mit dem Auto in die Schule gebracht, die doch eigentlich mitten im Ort liegt.

Zwei Tage später schrieb Mechs erneut an die Eltern und stellte ihnen das Projekt „Verkehrszähmer“ vor. Gezähmt werden sollten die „Drachenautos“ der Eltern. Und das mit Vorteilen für Kinder und Eltern: „Wenn Sie Ihr Kind zu Fuß zur Schule begleiten, wird dies Ihnen und Ihrem Kind guttun“, schrieb die Schulleiterin. „Sie erfahren, was Ihr Kind beschäftigt. Sie lernen andere Eltern und Schulkinder auf dem Weg näher kennen.“

Zudem würde auch das Kind einen Teil seines Wohnortes besser kennenlernen und könne auf dem Weg in die Schule neue oder festere soziale Kontakte zu anderen Schulkindern knüpfen. „Es kommt wacher in die Schule und kann sich besser auf den Unterricht konzen-trieren.“ Doch besonders wichtig sei: „Ihr Kind lernt, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen, Gefahren einzuschätzen und auf sich aufzupassen. Das ist wichtig für die Entwicklung des Kindes.“

Das Programm wurde in allen Klassen Teil des Sachkundeunterrichts, und mit der Aussicht, bei geändertem Verhalten auf dem Schulweg täglich für die Klasse Zaubersterne sammeln zu können, konnten Mechs und ihre Kollegen die Kinder schnell von ihrem Plan überzeugen. So erhielten die Kinder fortan jeden Morgen zu Unterrichtsbeginn einen Zauberstern, wenn sie zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule gekommen waren, wenn auch nicht immer ganz von zu Hause, aber zumindest zehn Minuten Fußweg vom Elternhaus entfernt.

Einen weiteren Stern gibt es jeden Morgen für alle, die auf dem Schulweg ihre Sicherheitsweste getragen haben und für diejenigen, die in Begleitung zur Schule kommen. Schließlich sammeln auch die Schüler einen Stern für ihre Klasse, die morgens eine Schulweggeschichte vorlesen können, die auch Vater oder Mutter, Großvater oder -mutter geschrieben haben können.

So ist am Morgen in der 3a ganz schön viel los. Erst einmal sammelt Oskar Zak die Zaubersterne seiner Mitschüler. 17 der heute 20 anwesenden Schüler sind zu Fuß oder mit dem Fahrrad gekommen, 15 davon mit Weste und elf in Begleitung. Zwei Kinder haben zudem eine Geschichte geschrieben und lesen sie vor. Macht insgesamt weitere 45 Zaubersterne für die Klasse.

Besonders aufmerksam verfolgen die Kinder heute die Geschichte von Jules Vater, der einmal zu spät zur Schule gekommen war, weil er mitten auf der Straße einen Frosch gefunden und diesen sicher auf die andere Straßenseite gebracht hatte.

Für jeden Zauberstern malt Oskar ein Sternenkästchen aus auf dem großen Blatt, das vorne auf dem Schrank der Lehrerin klebt. Ihrem nächsten Sammelziel sind die Drittklässler schon wieder nahe. Jedes Mal, wenn ein Ziel erreicht ist, dürfen die Kinder sich zur Belohnung etwas aussuchen, zum Beispiel eine verlängerte Pause oder, wie es sich Kirchhovener Zweitklässler gerade gewünscht haben, ihren Kindergarten noch einmal besuchen.

In einigen Klassen habe schon die 1000-Zauberstern-Marke geknackt werden können, hat die Schulleiterin den Eltern mitgeteilt. Für sie gibt es jetzt den Drachenauto-Aufkleber, wenn sie der Schulleiterin das Versprechen geben, dass sie aufmerksam fahren, sich an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, an Querungshilfen anhalten, in der Nähe von Kindern langsam fahren, nicht auf Geh- oder Radwegen parken und nicht mit dem Handy telefonieren. Und klar, für alle Eltern mit Aufkleber gibt es für die Klasse natürlich auch wieder einen Zauberstern.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert