Wassenberg - Brockhage-Denkmal ist wieder in Wassenberg

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Brockhage-Denkmal ist wieder in Wassenberg

Von: Anna Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
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Die lange Reise eines Kunstwerkes: Für fast ein Jahr stand das Brockhage-Mahnmal vor dem Mauer-Denkmal im Marie-Elisabeth-Lüders Haus des Deutschen Bundestages in Berlin. Foto: Anna Petra Thomas
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Nun ist es zurück nach Wassenberg gekommen. Auf den Millimeter genau passten die Stelen durchs Portal der Kirche St. Georg. Foto: Anna Petra Thomas
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In der Kirche hieß es zunächst auszupacken und den besten Standort suchen. Foto: Anna Petra Thomas
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Im Eingangsbereich der Kirche St. Georg hat das Mahnmal „Trauerzug“ jetzt seine vorübergehende Heimat gefunden, bis es in den neuen Eingangsbereich der Betty-Reis-Schule gebracht wird. Foto: Anna Petra Thomas

Wassenberg. Nach einer langen und weiten Reise nach Berlin und weiter durch den Osten Deutschlands bis ins Erzgebirge ist das große und inzwischen wertvolle Mahnmal gegen den Nationalsozialismus namens „Trauerzug“ wieder in seine Heimat nach Wassenberg zurückgekehrt.

Anfang der 1990er Jahre war das Werk des international renommierten Holzgestalters und Kunstprofessors Hans Brockhage als Kunst am Bau von der Stadt für die Betty-Reis-Gesamtschule angeschafft worden. Jetzt hat es nach großer Ausstellung im Deutschen Bundestag und seiner Restaurierung durch den Sohn Peter Paul Brockhage zunächst in der Propsteikirche St. Georg sozusagen Kirchenasyl gefunden, bevor es nach Neubauarbeiten wieder an die Schule zurückkehren soll.

Der ehemalige Schulleiter der Betty-Reis-Gesamtschule, Heinrich Spiegel, war seinerzeit der Initiator der Brockhage-Kunst in Wassenberg gewesen. Der „Trauerzug“ besteht aus sechs bis zu 2,85 hohen Stelen aus Mooreiche, befestigt auf zwei massiven Eichensockeln. „Sie stehen für den Zug von KZ-Häftlingen im Dritten Reich, zu denen auch Betty Reis gehörte, ehe sie 1944 im Todeslager Bergen-Belsen unterging“, schrieb Heribert Heinrichs dazu in seinem Buch „Zum Schicksal der Juden in Wassenberg“.

Stelen lagerten auf Schulgelände

2013 musste das Mahnmal an der Schule jedoch wieder abgebaut werden, weil es Wind und Wetter nicht mehr standhielt. Stelen und Sockel lagerten zunächst auf dem Schulgelände, dann im Keller des Bauhofs. Spiegel, damals schon im Ruhestand, setzte sich dafür ein, die Stelen standfest zu machen und sie wieder an der Schule aufzustellen.

Im Rahmen intensiver Diskussionen, die ein Bericht unserer Zeitung über den Umgang mit dem Kunstwerk Anfang 2015 auslöste, erfuhren auch die Kinder des Künstlers, Peter Paul Brockhage in Schwarzenberg und Anna Franzsika Schwarzbach in Berlin, von der Einlagerung der Stelen.

Sie kamen nach Wassenberg und liehen sie offiziell von der Stadt aus, plante die Tochter doch eine Ausstellung im Deutschen Bundestag. Der im Osten Deutschlands renommierte Künstler wäre 2015 genau 90 Jahre alt geworden. „Dieser ‚Trauerzug‘ gehört zu den stärksten Werken meines Vaters“, erklärte die Tochter in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Parallel dazu lehnten die Kinder den Vorschlag des Arbeitskreises „Jüdisches Leben in Wassenberg“ ab, das Denkmal künftig am Standort der ehemaligen Synagoge aufzustellen. „Es muss wieder zurück in die Schule“, betonte Anna Franziska Schwarzbach. Es sei wichtig, dass sich schon Kinder und Jugendliche mit diesem Kapitel deutscher Geschichte befassten, und das Kunstwerk gebe vielfältig Anlass dazu.

„Lange Schatten“

Mitte Mai 2015 eröffnete der Kunstbeirat des Deutschen Bundestags dann gleich neben dem berühmten Mauer-Mahnmal im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus die Ausstellung „Lange Schatten“ mit dem Denkmal aus Wassenberg als dem Hauptwerk der Präsentation. Die Geschichte, ganz historisch gesehen, traf hier direkt aufeinander: erst der Nationalsozialismus, dann die Berliner Mauer und schließlich das Mahnmal gegen den Nationalsozialismus aus Wassenberg direkt vor der Mauer. Ein Foto der Stelen, aufgenommen an ihrem Standort vor der Schule, zierte das Plakat zur Ausstellung.

Mit seiner abstrakt-expressiven Aneinanderreihung sich auftürmender Holzstämme zeige Brockhage eine Natur, die sich aufbäume zu einem einzigen Schrei gegen ein widernatürliches Terrorsystem, erklärte Dr. Andreas Kaernbach, Kurator der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages, bei der Eröffnung der Ausstellung. Und er fügte hinzu: „Es ist von großer Bedeutung, dass eine solche Skulptur mitten im Leben wie an der Europaschule in Wassenberg steht und künftige Generationen eindrücklich mahnt.“

Zunächst wurde die Ausstellung dann jedoch gleich zwei Mal verlängert. So stand das Mahnmal dann fast ein ganzes Jahr im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. „Es waren die begeisterten Kommentare im Besucherbuch, die uns hierzu veranlassten“, erklärte der Kurator im Gespräch mit unserer Zeitung.

Von Berlin aus ging die Reise des Mahnmals dann zunächst wieder zurück ins Erzgebirge zu den Brockhages. Von dem Wunsch, die Stelen in Bronze einzuhüllen, um sie so gegen Witterungseinflüsse unempfindlicher zu machen, wurde aufgrund der hohen Kosten Abstand genommen. Stattdessen tränkte Peter Paul Brockhage die Stellen und die Sockel in einem langwierigen Prozess mit einem speziellen Harz, der sie nicht nur widerstandsfähiger machte, sondern ihnen auch den dunklen Farbton der Mooreichen wieder zurückgab. Zudem machte er die Stelen wieder standfest. Die Kosten dafür übernahm die Stadt mit Unterstützung der Kreissparkasse Heinsberg.

Wieder in der Gesamtschule

In Zukunft sollen die Stelen nun tatsächlich wieder in der Gesamtschule stehen. Wie Bürgermeister Manfred Winkens (CDU) und der zuständige Architekt Georg Nowak im Gespräch mit unserer Zeitung erklärten, ist parallel zum Neubau an der Schule auch ein neuer Eingangsbereich geplant, in dem das Mahnmal dann wieder einen Platz finden soll.

Bis es soweit ist, steht es jetzt im Eingangsbereich der Stiftskirche St. Georg in der Wassenberger Unterstadt. Mit dem alten Kranwagen ihres Vaters brachten die beiden Kinder das Werk zur Kirche. Wer es anschauen möchte, hat dazu Gelegenheit beim Wassenberger Kunst- und Kulturtag am Sonntag, 3. Juni, oder nach Anmeldung in der benachbarten Propstei.

 

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