Erkelenz - Broadway-Stück: leicht und bunt, traurig und tragisch

Broadway-Stück: leicht und bunt, traurig und tragisch

Von: hl
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Erkelenz. Mit der Komödie „Schmetterlinge sind frei“ des US-amerikanischen Dramatikers und Drehbuchautors Leonard Gershe startete die Kultur GmbH Erkelenz in die Theatersaison 2015/2016.

Dass sie ab 1969 mit mehr als 1100 Vorstellungen am Broadway aufgeführt wurde, darf als Beweis dafür gelten, dass es sich bei diesem Lustspiel um mehr als ein übliches Werk dieses Genres handelte.

Die Story ist schnell erzählt: Der blinde Musiker Don Baker verliebt sich Hals über Kopf in die hippe Nachbarin Jill Tanzer, deren lockere Lebensweise unter anderem daran erkennbar ist, dass sie mit 19 Jahren nur sechs Tage verheiratet war. Don war von zu Haue ausgezogen, um sich der Bevormundung seiner besorgten Mutter zu entziehen und um ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die Mutter taucht gegen die Absprache unverhofft in der etwas chaotischen Wohnung ihres Sohnes auf, den sie zudem noch mit der äußerst leicht bekleideten Jill antrifft.

Das Durcheinander der Beziehungen wird noch dadurch verstärkt, dass Jill kurzfristig zu dem Regisseur Ralph Austin zieht, was den enttäuschten Don dazu veranlasst, wieder nach Hause in die Fürsorge seiner Mutter zurückkehren zu wollen. Die hat inzwischen eingesehen, dass ihre übertriebene Fürsorge bei ihrem emanzipierten Sohn völlig fehl am Platz ist. Dass die verschiedenen Beziehungskisten am Schluss für Don und Jill zu einem glücklichen Ende führen, versteht sich dann wie von selbst.

Den Reiz des Stückes macht aus, dass es nicht einseitig in eine oberflächliche Komödie abgleitet, sondern die verschiedenen Konflikte oft mit geradezu philosophischen Gedanken und Einsichten behandelt. Da ist der um seine Unabhängigkeit kämpfende Don, dem seine gluckenhafte Mutter gegenübersteht. Da ist das Verhältnis des ernsthaften und um seine Selbstständigkeit und Beständigkeit kämpfenden Don zur oberflächlichen Jill, die sich wiederum mit der stark bestimmen wollenden Mutter auseinander setzt. Und nicht zuletzt geht es auch um das Problem der Blindheit in einer Welt, die Menschen mit dieser Behinderung leicht mit Mitleid überschüttet und deren besondere Fähigkeiten gerne übersieht.

Der Titel „Schmetterlinge sind frei“ lässt einen zunächst wohl nur an Leichtlebigkeit und Buntheit denken und vielleicht auch an die Schmetterlinge im Bauch, welche die Verliebten haben sollen. Aber die Schmetterlinge haben auch eine nicht so schöne Seite, nämlich ihre Herkunft aus der wenig anziehenden Raupe. Und diese Hintergründigkeit spielt wohl auch in dem Stück eine Rolle, indem nämlich das Leichte und Bunte oft unmittelbar neben dem Konfliktgeladenen steht, neben dem Traurigen und Tragischen. Aber, und das ist wohl wichtig zu betonen, nie gleitet die Komödie vom Broadway in Einseitigkeit ab. Bei Konflikten kommt auch der Humor nicht zu kurz, bei Traurigkeit schimmert immer die Hoffnung auf, dass dieser Zustand nicht anhält.

Und dass auch in Erkelenz das Stück zu einem großen Erfolg wurde, der am Ende mit lang anhaltendem Beifall bedacht wurde, ist vor allem den Leistungen der Schauspieler zu verdanken, die nie in der Gefahr waren, mit ihrem Spiel in die Klamotte abzugleiten: Christoph Bahr war der blinde und stets um seine Unabhängigkeit kämpfende Don, Lara Christine Schmidt die leichtlebige Jill, Nina Tomczak die bis an die Grenzen der Umsorgung gehende Mutter und Carlo Sohn der zeitweilige Favorit von Jill.

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