Düsseldorf/Kreis Heinsberg - „Brillen-Bande“ schweigt zum Prozessauftakt

„Brillen-Bande“ schweigt zum Prozessauftakt

Von: Dieter Sieckmeyer und Daniel Gerhards
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Schweigen beim Prozess: Die Angeklagten im „Brillen-Gangster-Prozess“ sagten am Dienstag nichts zu den Vorwürfen. Foto: WZ
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Ein Tatverdächtiger bei einem Überfall: Dabei trägt der eine Mütze mit der Aufschrift „S.W.A.T.“. Die mutmaßlichen Bankräuber der „Brillen-Bande“ stehen in Düsseldorf wegen einer bundesweiten Serie von Überfällen vor Gericht. Foto: dpa

Düsseldorf/Kreis Heinsberg. Es dauerte lange, bis die „Soko Brille“ den Durchblick hatte. Monatelang wurde nach einem Einzeltäter gesucht, der für eine ganze Serie von Banküberfällen verantwortlich war. Ein Handwerker brachte die Fahnder dann auf die richtige Spur.

Seit Dienstag muss sich ein Trio vor dem Düsseldorfer Landgericht verantworten. Sie sollen die Überfälle in wechselnder Besetzung gemeinsam begangen haben. Ihnen drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Begonnen hatte die Serie am 8. Oktober 2014 im ostfriesischen Weener. Danach soll das Trio unter anderem in Hückelhoven-Kleingladbach, Neuss, Mönchengladbach, Rommerskirchen, Krefeld, Wuppertal, aber auch in Rheinland-Pfalz oder Hessen zugeschlagen haben. Zunächst hatten die Ermittler einen Einzeltäter hinter der Serie vermutet und nach „Deutschlands fleißigstem Bankräuber“ gesucht.

Die Methode bei den Überfällen war immer gleich. Einer der Täter stellte sich ganz normal in der Schlange an, wartete, bis er an der Reihe war, und zog dann eine Waffe. Zum Teil hatten andere Kunden und Mitarbeiter von den Überfällen gar nichts mitbekommen.

Auffallend waren die Brillen, die die Täter bei den Raubzügen trugen – darum wurde die Sonderkommission auch danach benannt. Insgesamt soll das Trio knapp 111.000 Euro erbeutet haben.

Aufgefallen war das Trio, ein 43-Jähriger, ein 33-Jähriger und ein 39-Jähriger, nach einem Überfall in Mönchengladbach. Dort hatten die Fahnder einen Handwerker, der in der Nähe des Tatortes unterwegs war, gefragt, ob ihm etwas Besonderes aufgefallen war. Der konnte sich zunächst an nichts erinnern. Dann fand er allerdings auf der Ladefläche seines Lastwagens eine Mütze mit der Aufschrift „S.W.A.T.“, die bei einem der Überfälle getragen wurde. Daran entdeckte man DNA-Spuren, die zu dem 43-jährigen Andrij L. führten. Er hatte schon wegen einer ähnlichen Überfallserie im Gefängnis gesessen.

Der 39-jährige Angeklagte, Dmitrijs K., wurde dann Anfang Mai im Wegberger Ortsteil Dalheim-Rödgen festgenommen. In Absprache mit der Kreispolizeibehörde Heinsberg sollen damals Polizeibeamte aus dem Rhein-Kreis Neuss, wo die „Soko Brille“ angesiedelt war, im Kreis Heinsberg unterwegs gewesen sein, um den mit Haftbefehl gesuchten Mann festzunehmen. Bei der Festnahme löste sich ein Schuss aus der Dienstwaffe eines Polizeibeamten. Der Angeklagte ließ sich ohne Gegenwehr festnehmen.

Treibende Kraft

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich bei dem 43-Jährigen um die treibende Kraft handelt. Er soll seine beiden Komplizen jeweils zu den Tatorten gefahren und mit nicht funktionsfähigen Waffen ausgestattet haben. Auch für die Aufteilung der Beute soll Andrij L. verantwortlich gewesen sein.

Zum Prozessauftakt am Dienstag schwieg das Trio, es wurde nur die Anklageschrift verlesen. Zwei der Angeklagten sollen der Polizei gegenüber ein Teilgeständnis abgelegt haben. Ob sie auch im Prozess aussagen werden, wird am Freitag bekanntgegeben.

Dass der erste Verhandlungstag schnell beendet war, lag an einem Kuriosum. Bevor das Trio verhaftet wurde, hatte es eine Telefon-Überwachung der Angeklagten gegeben. Die Verteidiger des Hauptangeklagten monierten, dass ihnen die CD mit den Aufnahmen zu spät überlassen wurde. Und als die Ergebnisse der Überwachung dann vorlagen, stellte sich heraus, dass die Gespräche fast ausschließlich auf Russisch geführt wurden.

Die Vorsitzende Richterin unterbrach daraufhin die Verhandlung. Die Rechtsanwälte sollen Gelegenheit haben, die Aufnahmen gemeinsam mit ihren Mandanten zu erörtern. Nur wenn sie ein Geständnis ablegen, könnte eine langwierige Beweisaufnahme vermieden werden. Angesetzt ist das Verfahren vom Gericht zunächst bis zum 29. April.

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