Bosch zu Ehren: Dämonischer Vogelbote im Begas Haus

Von: Mirja Ibsen
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„Ekelig und trotzdem nett“ ist die Holzskulptur geworden, zu der eine Kreatur Hieronymus Boschs Andreas Joerißen inspiriert hat. Foto: mib

Heinsberg. Was für ein komischer Vogel, der da jetzt im Foyer des Begas Hauses steht: gekreuzte scharfe Schnabelspitzen, dackelfledermausige Flügelohren, krummbuckliger Körper, schwarzbestrumpfte Beine, und Füße, die in Schlittschuhen stecken.

Das Wesen trägt auf dem Kopf einen Trichter, daraus ragt ein Ast, einzig zu dem Zwecke, einer roten Christbaumkugel am langen Faden Platz zum Baumeln zu geben. Der niederländische Renaissancemaler Hieronymus Bosch malte oft Trichter. Er setzte sie seinen Fabelwesen, Dämonen und verbogenen Fantasiewesen auf den Kopf, die ihre betrügerischen Absichten und ihren schlechten Charakter vor dem Auge Gottes verbergen wollen.

Andreas Joerißen vermutet, dass diese Trichter genietet wurden. Wissen kann er es nicht. Natürlich nicht. Auf dem Triptichon „Die Versuchung des Heiligen Antonius“, das dem Museo National de Arte Antiga in Lissabon gehört und auf dem dieser Vogel auf dem linken Flügel in einem Wassergraben steht, ist der Trichter nur von der Seite zu sehen. Aber vor über fünfhundert Jahren wurde noch nicht geschweißt. Also Nieten. Ein Detail.

Aber über solche Details hat sich der Kreuzrather Künstler in den vergangenen anderthalb Jahren viele Gedanken gemacht. Warum? Na, wenn Hieronymus Bosch der Vater des komischen Vogels ist, dann ist Andreas Joerißen so etwas wie seine Mutter. Er hat der Figur Form, Gestalt und eben Nieten gegeben, er hat sie dreidimensioniert. Und zwar in Eiche. Weil Hieronymus Bosch auf Eiche gemalt hat, hat Andreas Joerissen sie aus Eiche gehauen. Eine schweißtreibende Hommage. Denn 2016 ist Hieronymus Bosch-Jahr. Der niederländische Künstler, der eigentlich Jhieronymus van Aken hieß, ist im Jahr 1416 gestorben. In seiner Geburtsstadt s‘-Hertogenbosch, die er Zeit seines Lebens nur selten verlassen hat, gibt es derzeit eine Ausstellung.

Sie ist so beliebt, dass das Museum die Öffnungszeiten bis ein Uhr nachts erweitert hat. Charles de Mooij, Direktor des Het Noordbrabants Museum in s‘-Hertogenbosch ist es gelungen, die erhaltenen Werke des Künstlers fast vollständig zu zeigen. Karten zu bekommen, ist schwierig. Einfacher ist es, ein wenig Hieronymus-Boscheskes im Heinsberger Begas Haus zu sehen. Die Hommage steht ganz vorne im Foyer. Dass der Betrachter nicht einmal Eintritt bezahlen muss, um die Skulptur zu betrachten, ist der Sonne zu verdanken. Zwei Weltkriege hat der 130 Jahre alte Stamm, aus dem der 109 Zentimeter hohe Vogelbote in einem Stück gearbeitet ist, überstanden, aber zu viel Sonnenlicht verträgt er einfach nicht.

Museumsleiterin Dr. Rita Mül-lejans-Dickmann hat gleich Ja gesagt, als Joerißen anfragte, ob die vogelköpfige Kreatur im Bosch-Jahr im Heinsberger Museum für Kunst und Regionalgeschichte Station machen könnte. Der Künstler wollte seinen Boten von seinem Atelier in Geilenkirchen-Gillrath aus nämlich auf Reisen schicken. In Düsseldorf und Hückelhoven-Ratheim war er schon, doch in Heinsberg ist Schluss, denn die Skulptur hat inzwischen einen neuen Besitzer gefunden. Bis zum Jahresende steht das Fabelwesen aber noch in der Hochstraße 21 und trägt unermüdlich seine kryptische Botschaft aufgespießt am Schnabel. Was da wohl drinsteht?

„Der rote Mantel könnte auf einen kirchlichen Würdenträger hindeuten, der sich mit Schlittschuhen in gefährlicher Mission auf dünnem Eis bewegt“, sagt Rita Müllejans-Dickmann. Höllenstrafen, Todsünden, Versuchungen, das waren die Themen von Hieronymus Bosch. Seine Bilder quellen über von Fabelwesen und dämonischen Kreaturen. Der Schlittschuhträger ist auf dem Originalgemälde von Bosch vielleicht so groß wie eine Playmobilfigur.

Hoch oben schweben noch viel abstrusere Gestalten auf fliegenden Fischen herum. Trotzdem blieb ausgerechnet der Vogelbote bei Joerißen hängen, als er ihn in einem Bericht über die Restauration des Triptichons in einem Kunstmagazin entdeckte. „Er hat mich nicht mehr losgelassen. Ich bin mit dem Kerl ins Bett gegangen“, sagt Joerißen. So lange, bis er ihn in Holz gehauen hat.

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