Bonsai-Arbeitskreis: Der grüne Daumen reicht noch lange nicht

Von: André Schaefer
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Frank Teckenbrock hat genaue Vorstellungen: So soll der Bonsai-Baum mit dem Namen „Gelber Prachtwacholder“ später einmal aussehen.
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Die naturgetreuen Bäume in Miniaturform sind ihr großes Hobby: Heike Teckenbrock, Frank Teckenbrock, Thomas Brinker, Margret Siemons und Ralf Nöth (v.l.) vom Bonsai Arbeitskreis Hückelhoven freuen sich auf die Ausstellung im Jubiläumsjahr. Foto: André Schaefer

Heinsberg/Hückelhoven. Heike und Frank Teckenbrocks Nachbarn haben es nicht leicht. Zumindest nicht, wenn es um die Pflege des eigenen Gartens geht. Denn so sehr sich die Nachbarschaft im beschaulichen Kirchhoven auch anstrengen mag, ihre Pflanzen und Bäume zum Blühen zu bringen.

Die Gartenanlage der Familie Teckenbrock stellt alles in den Schatten, was ringsum aus der Erde sprießt. Ihr unbestrittener grüner Daumen spielt dabei mit Sicherheit auch keine unbedeutende Rolle. Doch bei dem Ehepaar geht es längst nicht mehr um eine bunte Gartenlandschaft. Im Vordergrund steht die Kunst, die Ästhetik, das Besondere. Um es auf den Punkt zu bringen: Heike und Frank Teckenbrocks Garten ist ein Bonsai-Paradies.

Irgendwo hat man ihn schon einmal gehört, diesen Begriff, der eine über tausend Jahre alte fernöstliche Gartenkunst umschreibt, die ihren Ursprung in China und Japan fand. Doch zugegeben: So richtig anfangen können damit nur die wenigsten etwas. Während die reine Theorie über dieses komplexe Hobby beim Laien lediglich weitere Fragezeichen hinterlässt, verdeutlicht ein Blick in Heike und Frank Teckenbrocks Garten den Kern, der sich hinter der besonderen Gartenkunst verbirgt: Bonsai ist die naturgetreue Nachahmung von Bäumen und Sträuchern in Miniaturform.

Der Begriff stammt aus dem Japanischen und bedeutet „Baum aus der Schale“. Längst hat diese spezielle Art der Baumzucht in Form des Bonsai Arbeitskreises Hückelhoven im Kreis Heinsberg Einzug gehalten. Am kommenden Wochenende feiert der Arbeitskreis, der auch weit über die Grenzen des Kreises Heinsberg einzigartig ist, sein 25-jähriges Jubiläum. „Genaue Zahlen gibt es zwar nicht, aber man kann durchaus feststellen, dass das Hobby der Bonsai-Kunst zunehmend mehr Anhänger in Deutschland und der Welt findet“, sagt Frank Teckenbrock, 1. Vorsitzender des 18 Mitglieder großen Vereins.

Alle zwei Jahre eine Ausstellung

Nicht umsonst organisiert der Arbeitskreis im Zwei-Jahres-Rhythmus im Hückelhovener Gymnasium eine Ausstellung, bei der die Vereinsmitglieder ihre Kunstwerke zur Schau stellen. „Wir wollen damit dieses wirklich schöne Hobby mehr in den Fokus rücken und neue Vereinsmitglieder dazugewinnen“, sagt der Vorsitzende. Auch am kommenden Samstag, 17. Mai, und Sonntag, 18. Mai (jeweils von 9 bis 17 Uhr in der Aula des Hückelhovener Gymnasiums), hofft der Arbeitskreis auf interessierte Besucher, die bislang noch nicht mit der besonderen Gartenkunst in Berührung gekommen sind. Etwa so, wie Ralf Nöth. Vor seinem Besuch bei der Ausstellung des Arbeitskreises vor zwei Jahren hatte das heutige Mitglied nur geringe Vorstellungen von der Bonsai-Kunst. „Doch wenn man generell gerne mit Pflanzen zu tun hat, wird man schnell in den Bann des Bonsais gezogen. Inzwischen ist dies meine große Leidenschaft“, sagt er.

Genau dieser Leidenschaft gehen die 18 Vereinsmitglieder regelmäßig nach. Jeden dritten Samstag im Monat dreht sich im Keller der Teckenbrocks alles ums Schneiden, Spannen, Formen und Festziehen. „Wir stehen dann alle mit unseren Bäumen um einen Tisch herum, arbeiten gemeinsam daran und tauschen unsere Erfahrungen aus“, erzählt Heike Teckenbrock. Für das nötige Equipment ist bestens gesorgt. Bonsai-Schere, Drahtzange oder Blattschneider: Der Werkzeugkoffer der Bonsai-Liebhaber ist prall gefüllt. „Mit den üblichen Gartengeräten kommt man bei der Bonsai-Kunst nicht weit“, sagt Thomas Brinker, 2. Vorsitzender des Arbeitskreises. Sein Tipp für Einsteiger: „Man braucht Spaß an der Arbeit, Zeit und viel Geduld“, sagt er.

Vorurteile aus dem Weg räumen

Bis zu 30 Jahre kann es dauern, bis ein Baum eine bonsaiähnliche Form angenommen hat. Verwendet werden kann nahezu alles, was verholzt. Sowohl verholzende, kleinblättrige als auch kleinnadelige Baum- und Straucharten eignen sich als Bonsai-Bäume, die sich überwiegend im Freien am besten entwickeln. „Indoor-Bonsai ist deutlich schwieriger, da die Bäume – insbesondere tropische Bäume – eine hohe Luftfeuchtigkeit benötigen. Die Evolution kannte nun mal keine Zimmer“, sagt Frank Teckenbrock, der nicht nur lizenzierter Bonsai-Lehrer ist, sondern sein Hobby inzwischen zum Beruf gemacht hat und mit den kleinen Baumkunstwerken gewerblich unterwegs ist.

Die kommende Ausstellung möchte der Arbeitskreis, der sogar Mitglieder aus Moers und den Niederlanden zählt, auch nutzen, um Vorurteile bezüglich der speziellen Gartenkunst aus dem Weg zu räumen. So werde man oft dafür belächelt, eine Menge Geld für Zuchtbäume auszugeben, erzählen die Mitglieder. „Natürlich kann ich auch einen sechsstelligen Betrag für einen Bonsai-Baum ausgeben, doch im Grunde ist für jede Gehaltsklasse etwas dabei. Wenn ich einen Baum kaufe, der schon eine gewisse Reife hat, wird es teurer. Ich kann aber auch mit dem Einpflanzen der Samen beginnen“, sagt der Vorsitzende. Letztgenannte Möglichkeit spart Geld. Aber sie erfordert auch viel Zeit auf dem Weg zum Bonsai-Paradies.

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