Bluttat vor Gericht: 17 Stiche mit dem Fleischermesser

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Am Abend des 28. Dezember 2010
Am Abend des 28. Dezember 2010 soll der mutmaßliche Täter Jürgen G. einen 50-Jährigen mit 17 Messerstichen getötet haben. Das Archivbild zeigt den Abtransport der Leiche. Foto: G. Schmitz

Aachen/Heinsberg. Eine Bluttat im Heinsberger Übergangsheim am Abend des 28. Dezember 2010, der ein 50-jähriger Mann im zum Opfer fiel, wird seit Mittwoch vor dem Aachener Schwurgericht verhandelt.

Der mutmaßliche Täter Jürgen G. (38) soll an jenem Abend, so die Anklage, den Mann zunächst mit der Faust niedergeschlagen und dann mit 17 Messerstichen „heimtückisch” getötet haben.

Die erste Tatwaffe, so die Staatsanwältin am Mittwoch, soll ein Fleischermesser mit einer Klinge von 17 Zentimetern gewesen sein. Das Messer mit einem bandagierten Griff sei schließlich abgebrochen. Da habe der Täter, so die Schilderung des Ablaufs an diesem Abend, sich ein weiteres Messer gesucht und zugestochen. Die Anklageverlesung endete mit einem grausamen Detail. „Post mortem”, also nach dem Eintritt des Todes, ist dem Opfer „ein 13 Zentimeter langer Schnitt am Hals” zugefügt worden.

Der Vorsitzende des Aachener Schwurgerichts, Richter Gerd Nohl, nahm bei der Vernehmung der ermittelnden Polizeibeamten die Messer vom Asservaten-Tisch und präsentierte sie den Prozessbeteiligten. Neben den Tatwaffen war noch ein drittes Messer mit unbekannten Blutanhaftungen gefunden worden. Die Polizisten berichteten, dass sie in der Wohnung des Angeklagten blutverschmierte Kleidung gefunden hätten; sie lenkte den Verdacht auf Jürgen G..

Alkoholikermilieu

Der im Jahr 1996 mit den Eltern aus Kasachstan nach Deutschland übersiedelte G. hat die Tat bislang nicht gestanden. Die Bluttat ist im Heinsberger Alkoholikermilieu angesiedelt, ein mögliches Motiv ist bis jetzt völlig unklar. Der Angeklagte betreibe seit Jahren einen extensiven Alkoholmissbrauch und habe schon mehrere Entziehungsversuche hinter sich, berichtete seine amtlich bestellte Betreuerin als Zeugin.

G. sei im August von seiner langjährigen Freundin, der Tochter der Betreuerin, verlassen worden, weil er einfach nicht mit dem Trinken aufgehört habe. Er sei mal einige Wochen „trocken”, doch dann sei er wieder völlig betrunken. Auch überfalle ihn zeitweise eine „Art epileptischer Anfälle”, so die Zeugin. Am Morgen des Tattages habe sie im übrigen drei Personen am Tatort im Übergangsheim gesehen. Darunter sei ein gewisser „Igor” aus Dremmen gewesen, der eventuell zur Aufklärung des Falles beitragen könne.

Die ermittelnden Polizisten beschrieben das Heim „als völlig verdreckt”. Beim Hereingehen in den Flur habe sie ein „bestialischer Gestank”, so einer der Ermittler, empfangen. Ein Haufen „unnützer Möbelstücke” habe dort herumgestanden. Der Prozess wird am 2. August im ­Aachener Landgericht fortgesetzt.
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