Heinsberg-Randerath - Bitter enttäuscht über BGH-Urteil: Karl D. bleibt freier Mann

Bitter enttäuscht über BGH-Urteil: Karl D. bleibt freier Mann

Von: Rainer Herwartz und Georg Schmitz
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Die Enttäuschung stand ihnen ins Gesicht geschrieben: Mittwochabend traf sich wieder ein knappes Dutzend Demonstranten vor dem Haus, in dem Karl D. lebt, um nach dem Urteil des BGH in Randerath Flagge zu zeigen. Die Medien-Fotografen warteten schon... Foto: Georg Schmitz

Heinsberg-Randerath. Mit der Ruhe, die schon seit geraumer Zeit wieder in den Heinsberger Stadtteil Randerath eingekehrt war, hatte es am Mittwoch ein Ende.

Nachdem die überregionale Medienlandschaft ihr Interesse an dem kleinen Ort verloren zu haben schien, löste die gestrige Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) einen wahren Wettlauf zwischen Fernsehsendern wie ZDF und RTL oder Zeitungen vom Boulevard bis hin zu FAZ oder Süddeutsche Zeitung aus.

Das Urteil: Der Sexualstraftäter Karl D., der seit März letzten Jahres bei der Familie seines Bruders in Randerath lebt, bleibt weiterhin ein freier Mann.

Schon das Landgericht München II hatte im Februar 2009 eine nachträgliche Sicherungsverwahrung des verurteilten 58-Jährigen abgelehnt, obwohl Gutachter Karl D. nach wie vor für gefährlich halten. Trotz der Tatsache, dass D. drei Mädchen vergewaltigt und gequält habe und seine Gefährlichkeit nicht in Frage stünde, reiche eine bloße Neubewertung von Sachverhalten nicht aus, um eine nachträgliche Sicherungsverwahrung vorzunehmen, befanden die Richter.

Bereits im Vorfeld der BGH-Entscheidung hatte sich das Urteil aufgrund der gültigen Rechtslage abgezeichnet. Dennoch ist die Enttäuschung in der Bevölkerung groß. Einige der Demonstranten, die seit März unermüdlich vor dem Haus, in dem Karl D. lebt, ihren Unmut bekunden, waren sogar bis nach Karlsruhe gereist.

Am Abend traf sich ein knappes Dutzend erneut in Randerath, um in die zahlenmäßig gleichstark vertretenen Objektive der Pressefotografen und Kameraleute ihre Missbilligung der Situation zu skandieren. Der Sprecher der Gruppe, Thomas Brauckmann, klingt im Gespräch mit unserer Zeitung dennoch gefasst: „Wir haben uns das schon gedacht. Die derzeitigen Gesetze geben nicht mehr her. Das normale Rechtsgefühl sagt uns aber, der gehört weg gesperrt. Insgeheim habe ich das auch gehofft.”

Wie es nun weitergehen soll, weiß Brauckmann noch nicht. Bis zum 5. Februar seien die Demonstrationen jedenfalls schon beantragt und genehmigt. Die Gruppe wird diskutieren, was danach geschehen soll. Doch eines stehe jetzt schon fest: „Wir werden weiterhin auf solche Fälle aufmerksam machen - nicht nur in Randerath.”

„Das Urteil ist schade”, erklärte auch Landrat Stephan Pusch, der die Menschen in Randerath Anfang letzten Jahres vor dem Sexualstraftäter öffentlich warnte, als er von seinem Zuzug erfahren hatte. „Die bislang getroffenen Maßnahmen, insbesondere die Observation des Karl D., werden weiter aufrecht erhalten, bis neue Erkenntnisse vorliegen”, beruhigt der Landrat die Menschen. Alle polizeilichen Maßnahmen bezögen sich nach wie vor sowohl auf den Schutz der Bevölkerung und der allabendlichen Kundgebungsteilnehmer als auch auf den Schutz des Karl D. und dessen Familie.

„Neue Erkenntnisse” könnten zum Beispiel durch eine erfolgreiche Therapie vorliegen, die ein geringeres Gefahrenpotenzial versichere, meint Pusch. Andererseits könne jedoch auch ein Gericht zu dem Schluss kommen, dass die Observationsmaßnahmen in der jetzt durchgeführten Form „unverhältnismäßig” seien, erläutert er. Dies würde jedoch voraussetzen, dass Karl D. hiergegen Klage führe.

Zwar habe der Bruder des Straftäters schon mehrfach - auch gegenüber Polizeibeamten - erklärt, mit seiner Familie fortziehen zu wollen, doch eine Bestätigung hierfür gebe es nicht, so Pusch. „Außerdem ist das ja keine Lösung des Gefahrenpotenzials”, sagt er.

„Was das Thema Demonstrationen angeht, hängen wir zwischen den Stühlen. Wir hatten die Demonstranten gebeten, über Weihnachten nicht zu demonstrieren, und sie haben sich daran gehalten.” Wie es in Zukunft aussehen werde, könne wohl niemand sagen. Die Demonstrationsfreiheit sei natürlich grundsätzlich nicht einzuschränken.

Ortsvorsteher Alexander Schmitz geht davon aus, dass sich in den nächsten Tagen die Zahl der Demonstranten vorübergehend wieder erhöhen werde. Und wieder würden es kaum Randerather selbst sein, die sich gegen Karl D. formierten. Die Menschen, die jeden Abend vor das Haus der Familie pilgerten, seien - so habe er gehört - oftmals Betroffene, die ähnliche Gewaltdelikte wie sie D. begangen habe, in ihrem persönlichen Umfeld erlebt hätten. „Was will man machen”, erklärt er ein wenig resigniert, „es ist alles getan worden, was getan werden konnte.”

Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder bedauert die Entscheidung des BGH, obwohl er damit gerechnet habe. „Wir begrüßen, dass der Kreis die bisherigen Maßnahmen aufrecht erhält. Wir werden die Entscheidung ruhig und besonnen zur Kenntnis nehmen, aber nicht akzeptieren und aufmerksam bleiben.”
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