Bildungswerk: Nicht genug Stellen für ein Praktikum

Von: Anna Petra Thomas
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Yasmin Kunhardt (rechts), die hier mit Chantal Schippers an der Scanner-Kasse übt, ist glücklich. Sie hat auf der Messe „Education“ einen Praktikumsplatz beim Friseur gefunden. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Nicht allen jungen Menschen gelingt der schnurgerade Weg über die Schule und einen guten Abschluss weiter in Berufsausbildung oder Studium. Für sie ist dann das Kolping-Bildungswerk eine richtige Adresse.

In der Heinsberger Innenstadt gibt es gleich zwei Standorte, die Kolping-Bildungszentren an der Humboldtstraße und an der Industriestraße. Aktuell machen sich Einrichtungsleiterin Marion Surberg und ihre Kolleginnen jedoch große Sorgen. Sie finden nämlich nicht mehr genug Praktikumsplätze für die jungen Menschen, die sie betreuen. Deshalb hat Marion Surberg erst kürzlich eine Mitgliederversammlung des Heinsberger Gewerbe- und Verkehrsvereins besucht, um für ihr Anliegen zu werben.

Das Team in den Zen-tren begleitet junge Menschen mit oder auch noch ohne Schulabschluss auf ihrem weiteren Weg in ein eigenverantwortliches Berufsleben. 46 Plätze hat das Heinsberger Kolping-Bildungszentrum derzeit, „aber viele weitere junge Menschen stehen noch auf unserer Warteliste“, so Marion Surberg. Eine Berufsvorbereitung ist in den Räumlichkeiten an der Humboldtstraße möglich in den Bereichen Lager/Handel und Wirtschaft/Verwaltung. Im Zentrum an der Industriestraße geht es um „GaLa“, Garten/Landschaftsbau. Weitere Kolping-Bildungszentren gibt es mit über 80 Plätzen in Erkelenz mit den Gewerken Kosmetik/Körperpflege, Gesundheit/Soziales und Metall sowie mit mehr als 70 Plätzen in Geilenkirchen mit den Gewerken Hotel/Gaststättengewerbe (HoGa), Metall, Holz und Farbe.

Durchgeführt werden diese Maßnahmen von Kolping im Auftrag der Agentur für Arbeit. Hinzu kommt die sogenannte Aktivierungshilfe, für die das Jobcenter der Auftraggeber ist. Dabei handelt es sich um ein niederschwelliges Angebot, das jungen Menschen helfen soll, „erst einmal eine Struktur in ihren Alltag zu bringen, etwa mit Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit“, so die Einrichtungsleiterin. Wer gar ohne Schulabschluss zu Kolping kommt, findet ebenfalls Unterstützung, bis hin zum Abschluss an der Gemeinschaftshauptschule in Erkelenz.

Warum junge Menschen ins Kolping-Bildungszentrum kommen, hat ganz unterschiedliche Gründe. „Es kann einfach nur die Vier oder die Fünf in Mathe auf dem Schulzeugnis sein“, sagt Marion Surberg. „Aber die sagt doch gar nichts darüber aus, was der junge Mensch wirklich kann. Die Note sagt nur etwas aus über den Schulerfolg“, fährt sie fort, „nicht aber darüber, ob dieser junge Mensch vielleicht als Friseur oder Friseurin zu allen Kunden höflich und zuvorkommend ist.“

Ziel des Kolping-Bildungszen-trums ist es, „dem Menschen als Ganzes eine Chance zu geben“. Jungen Schulabgängern ohne Ausbildungsplatz wird im Zentrum zunächst einmal zu guten Bewerbungsunterlagen verholfen, „damit sie mithalten können und nicht schon im Vorfeld an Formalitäten scheitern“, so Marion Surberg. „Weiter analysieren wir dann hier, wo die Schwächen des jungen Menschen liegen, die wir gemeinsam mit ihm bekämpfen.“ Hinzu kommt ein sogenannter Stützunterricht in den Fächern Deutsch und Mathematik sowie in Allgemeinwissen.

In den ersten drei Wochen im Zentrum durchlaufen die neuen Teilnehmer zunächst alle Gewerke. Da heißt es zum Beispiel in „GaLa“ Unkraut zu jäten oder ein Insektenhotel zu bauen, in Lager/Handel einen Laden zu gestalten oder ein Verkaufsgespräch zu führen, in Wirtschaft/Verwaltung Rechnungen oder Lieferscheine zu kontrollieren. Danach folgt die Zuteilung zu einem Fachbereich.

In einem oder mehreren dreiwöchigen Praktika sollen die jungen Menschen dann die Chance erhalten, sich in der Praxis zu beweisen. Kristallisiert sich dabei ein Bereich heraus, sollte sich dort ein weiteres, längeres Praktikum über etwa vier Wochen anschließen. Wenn alles gut klappt, sich der neue Chef aber noch nicht so ganz sicher ist, kann in einem dritten Schritt nach Genehmigung durch die Agentur für Arbeit ein Jahrespraktikum folgen. Wenn der Praktikant dabei schon die Berufsschule besucht, kann dies dann in eine verkürzte Ausbildung übergehen. „Bei allen Praktika im Rahmen der rund einjährigen Maßnahme hier im Bildungszentrum begleiten wir die jungen Menschen intensiv und sind immer Ansprechpartner für die Unternehmen, die ihnen eine Chance geben“, betont Marion Surberg.

Ein großer Wunsch von ihr wären vermehrt Praktikumsplätze in der öffentlichen Verwaltung. „Aber diese sind meist schon mehr als ein Jahr im Voraus vergeben, und da haben wir dann derzeit leider keine Chance.“ Die jungen Leute würden sich natürlich auch selbst immer bemühen, einen Platz zu finden, erklärt Marion Surberg und bittet um Verständnis, wenn vielleicht auch ab und an mehrere junge Menschen zeitnah in einem Unternehmen anfragen.

Während die jungen Menschen, die zur Berufsvorbereitung ins Zentrum kommen, eine finanzielle Unterstützung von der Agentur für Arbeit erhalten, werden bei den Teilnehmern, die vom Jobcenter kommen, alle zusätzlichen Mittel gegengerechnet. „Das macht es uns nicht leicht, die jungen Leute, die schon so um ihren Lebensunterhalt kämpfen, zu einer Mitarbeit hier zu motivieren. Ganz traurig macht sie da die Geschichte einer jungen Mutter, die über das Jobcenter ins Zentrum gekommen ist und hier ihren Hauptschulabschluss geschafft hat. Den Ausbildungsplatz, den ihr ein potenzieller Arbeitgeber aber mit Schulabschluss in Aussicht gestellt hatte, bekam sie dann jedoch nicht. „Das macht uns sehr traurig!“, sagt Marion Surberg.

Wer den jungen Menschen im Kolping-Bildungszentrum ein Praktikum ermöglichen möchte, erhält weitere Informationen direkt bei Marion Surberg, Telefon 02452/9243554, E-Mail marion.surberg@kolping-aachen.de.

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